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Dominicus Neuhaus, vom Beistand Gottes S. 131.
Ein frommer, ehrlicher Bürger mußte eine Reise machen, ließ seine Frau gesegneten Leibes zurück, hoffend, daß er noch vor der Zeit ihrer Entbindung zurück sein werde. In einer Nacht aber konnte er nicht schlafen; da sah er beim hellen Mondschein, wie das Fenster seiner Schlafkammer sich öffnete, eine Todtenlade hereinschwebte und vor seinem Bette anhielt; auch gleich darauf, wie eine Frau darin lag, seiner Ehefrau ganz und gar ähnlich, und endlich noch, wie ein klein Kind ihr in den Arm gelegt wurde. Erschrocken flüchtete er aus dem Bette und lief der Thüre zu, da schaute er noch einmal um und sah die Todtenlade noch dastehen. Morgens früh packte er seine Sachen zusammen und eilte nach Hause zurück; da erzählte man ihm, daß seine Frau in derselben Stunde von einer unzeitigen Frucht entbunden worden und gestorben sei.
Quellen: