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Van Velthem Spiegel historial IV. 24 S. 242. Vgl. Meyeri annal. Flandr. 1. X. a. 1302.
Der Graf von Utrecht sollte die vierte Schar der Franzosen führen. Als er merkte, wie die Flaminge sich zum Streite rüsteten, da ließ er sich waffnen. Indem man ihm nun sein Gewaffen bereitete, kam ein Wolf dahergegangen, der war gezähmt und hieß Brune und der Graf hatte ihn schon lange; als das Thier sah, daß sein Herr sich kampffertig machte zu dem gewaltigen Streite, siehe, da sprang es mitten in den Ring der Knappen und wenn diese dem Grafen ein Stück anzogen, dann riß der Wolf es wieder mit seinen Klauen oder Zähnen herab. Der von Atrecht wehrte dem Wolfe und sprach: „Brun, was ist dir geschehen? Solcher Dinge pflegtest du nie zu thun und nie sah ich Aehnliches von dir.“ Der Wolf wollte aber nicht weg. „Brun, Brun!“ sprach der von Utrecht wieder, wenn du das noch mehr thust, dann sind wir nicht lange mehr zusammen.„ Da sah Brun, daß nichts ihm half, und er ging weg; man hat ihn auch nicht wiedergesehn.
Noch andre Wunder geschahen in der Stunde. Atrecht wollte Messe hören und ließ das seinem Kapellane wissen, und auch daß er Christi Leib empfangen wollt', ehe er zu dem Kampfe ritt. Als nun die Messe beendet war und Atrecht das Sacrament nehmen wollte, da war dies verschwunden. Der Pfaffe hatte großen Zorn darob und sprach: „Herr, was ist uns geschehen! Ich finde Gottes Leib nicht mehr.“ Utrecht erschrak nicht wenig, als er das hörte, aber er sprach: „Was ich begonnen, das will ich heute auch enden, komme mir davon, was auch kommen möge. Wenn der Streit gethan ist, dann will ich das Sacrament empfangen.“ Dieses Trostes mochte der Graf aber nicht mehr genießen.
Auch kam eine Kröte gekrochen, die war ganz grau, kam vom flamischen Heer. Man ließ sie kriechen, um zu sehen, was es bedeuten sollte. Sie kroch durch die Scharen durch und recht auf die Welschen zu. Da blieb sie stehen und blies mit den Backen auf die Welschen und schoß lange Zeit ihr Gift auf sie zu; dann kehrte sie schnell wieder zurück.
Ein Roß auch hatte der von Utrecht, das ritt er selbst. Tausend Pfund hatte der König von Frankreich ihm dafür geboten und hundert Pfund jährlicher Renten. Es war vierzehn Fuß lang und gefährlich mit dem Zügel zu führen; zwei Kampfe schon hatte er durch des Rosses Kraft gewonnen. Als nun sein Banner entfaltet war, da schlug er es mit den Sporen, aber anstatt hin zu rennen mit ihm, stürzte es zur Erde nieder, dreimal nach einander. Er rief: „Morel, was ist dir geschehen? Solcher Dinge pflegtest du nie. Du hast mich in schwerem Streite getragen und willst mir nun treulos werden, wo ich deiner mehr bedarf als je?“
Das waren alles gar schlimme Vorzeichen, aber Utrecht hörte nicht darauf. Zwei Mönche schlugen ihn von seinem hohen Rosse, da bat er um Gnade und wollte sich in der Flaminge Hände geben, aber die hörten nicht darauf und sprachen: „Und wirst du ein noch einmal so großer Herr Graf, sterben mußt du.“ Als er dann nach einem Edeln fragte, der sich seiner annahme, riefen die Flaminge: „Hier ist kein Edler noch Bauer, der dein Welsch versteht,“ und sie schlugen ihn todt und einer von Brügge schnitt ihm die Zunge aus dem Munde.
Quellen: