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Caesar, heisterb. dial. mirac. XI. c. 33,
Es ist noch kein Jahr gelitten (Cäsarius lebte gegen 1250), da war Lambertus, einer unserer Mönche (in Heisterbach bei Bonn), eines Nachts im Chore eingeschlafen und sah, wie unser Kellermeister Richwinus, der vor mehren Jahren gestorben war, in den Chor trat, ihm mit der Hand zuwinkte und sprach: „Bruder Lambert, komm, laß uns zum Rheine gehen.“ Lambertus aber, der den Kellermeister wohl gekannt und wußte, daß er seit lange todt war, schüttelte verneinend mit dem Kopfe und sprach: „Ich gehe nicht mit dir, das glaube nur.“
Da ging Richwinus nach der andern Seite des Chores, wo ein alter Mönch, mit Namen Konrad, saß, der schon seit fünfzig Jahren in dem Orden war, und lud den auf gleiche Weise ein, mit zum Rheine zu gehen. Konrad warf seine Kapuke über den Kopf und folgte alsbald dem Kellermeister. Am folgenden Tage rief der Prior einige von uns nach dem Mittagmahle zu sich, unter denen war auch Konrad und Lambert. Da hörte ich, wie Lambert dem Bruder Konrad in's Ohr flüsterte: „Wahrlich, Bruder Konrad, du wirst bald sterben; ich habe heute Nacht gesehen, wie du in dieser Kutte mit Richwin aus dem Chore und zum Rheine gegangen bist;“ und er erzählte ihm die ganze Erscheinung. Konrad antwortete: „Deß habe ich wenig Sorge, ich wünschte, ich stürbe nun schon.“ Am folgenden Tage begann er auch zu kränkeln, starb in wenig Tagen und wurde in derselben Kutte begraben, welche er an jenem Tage trug.
Quellen: