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Glöckner vom Teufel verjagt

  Caesar, heisterbacensis dial. miracul. V. c. 56.

In dem Flecken Ammeln, der im Kölner Gebiete liegt, lebte ein Glöckner und der hatte ein Gelübde gethan, eine Wallfahrt zu machen. Er verabredete sich also mit einer Frau des Ortes, die auch des Weges gehen wollte, und die bat ihn, daß er ein wenig früher aufstehen und die Morgenglocke lauten möchte, denn die Sonne brenne gar heiß. Des Nachts nun kam der Teufel an sein Bett, schuttelte ihn und sprach: „Geh und läute die Matutin,“ ging dann wieder weg. Der Glockner stand auf und sah das Licht in der Kirche brennen, erkannte jedoch bald, daß es noch lange bis zum ersten Hahnenrufe sei, und ging aus der Kirche, um der Frau zu sagen, daß sie ruhig noch schlafen könne, da es noch sehr frühe sei; er meinte nämlich, die Frau habe ihn aufgeweckt.

Indem er sie aber suchte und nicht finden konnte, sah er plötzlich einen schwarzen Ochsen vor sich stehen; der streckte die Zunge heraus, faßte ihn damit und nahm ihn auf den Rücken, flog mit ihm davon durch die Luft und setzte ihn endlich auf der Zinne des Schlosses Isenburg nieder. Da fragte er ihn: „Hast du nun noch keine Furcht?“ Der Glöckner antwortete: „Durch Zulassung Gottes bin ich hierher geführt; du kannst nichts gegen mich, wenn es der liebe Gott nicht will. „Darauf sprach der Teufel: „Willst du dich mir ergeben, dann trage ich dich wieder auf die Erde, gebe dir auch viele und große Reichthumer; willst du das aber nicht, dann magst du hier vor Hunger sterben oder herunterstürzend deinen Tod finden.“ Der Glöckner entgegnete: „Und ich beschwore dich im Namen Jesu, daß du mir nichts zu Leide thuest und mich ohne alle Verletzung wieder hinunterbringst. „Da faßte ihn der Teufel abermals und fuhr mit ihm nieder, warf ihn ins Feld bei dem Dorfe Gerisheim, wo ihn am Morgen einige Bauern fanden, die mit Fackeln versehen nach diesem Dorfe zogen, um der ersten Messe beizuwohnen. Denen erzählte er den Vorfall und sie nahmen ihn mit sich. Als er vier Tage nachher nach Hause zurückkam, beschrieb er die Burg und die Zinne so genau, daß kein Mensch an der Wahrheit der Sache zweifeln konnte.

Quellen: