<<< vorherige Sage | Deutsche Märchen und Sagen | nächste Sage >>>

Von den vier Träumen

  Klugtvertelder S. 20. 
  De heerlyke en vrolyke daden van Keyzer Carel V. S. 62. 

Kaiser Karl war einmal auf der Jagd und hatte sich zufällig von seinem Gefolge etwas entfernt; er kam in eine Herberge, wo vier Räuber wohnten. Denen lachte das Herz, als sie eine so schöne Beute in ihren Händen sahen, und sie fingen an, untereinander Träumen zu spielen. „Mir träumt,“ sprach der Erste, „man müsse dem Grünling da seinen Hut vom Kopfe nehmen.“ - „Und mir träumt,„ fuhr der Zweite fort, „man müsse ihm sein schönes Wamms ausziehen.“ — „Mir träumt,“ hub der Dritte an, die prächtige Hose habe er nicht nöthig und die könne er uns schenken.“ - „Und ich habe den besten Traum,“ sprach der Vierte, denn mir träumt, die goldne Kette mit dem silbernen Flötchen, die er am Halse trägt, falle ihm zu schwer und wir müßten ihn von derselben entlasten.„ - „Das sind artige Träume,“ sprach Karl, „aber ehe ich euch das alles erfüllen kann, lasset mich noch ein Stückchen auf meinem Flötchen spielen, ihr sollet sehen, es hat wunderbare Kräfte.“ Darob wurden die Räuber neugierig und sie gestanden ihm das zu. Da ging er an die Thüre und pfiff dreimal aus allen Kräften und augenblicks kam sein ganz Gefolge zugelaufen. Da sprach Karl: „Nun ist die Reihe an mir, daß ich auch träume. Mir träumt nämlich, man müsse euch alle Viere zur Stunde hier vor dem Hause aufhängen.“ Also geschah es auch und das war das Ende von den vier Träumen.

Quellen: