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Der neckende Nix zu Lokeren

Vom Kai am Daknamveer zu Lokeren setzt an Winterabenden kein Schiffer nach neun Uhr mehr über, denn da ist der Fährmann einmal schön angekommen. Er hörte nämlich eines Abends spät auf der anderen Seite rufen: »Hol über! Über!« Er stand alsbald aus seinem Bett auf, denn er war schon längst schlafen gegangen, löste das Boot und setzte über; aber er war eben noch zwei Schritte vom Ufer, als er etwas ins Wasser plumpsen hörte, gerade als ob jemand hineingesprungen wäre. Am Ufer selbst sah er niemand. Er kehrte verwundert und kopfschüttelnd wieder zurück und legte sich wieder zu Bett; doch kaum lag er da, als es zum anderen Male rief: »Hol über! Über!«

Da stand er unwillig auf, ging ans Wasser und rief: »Wo müsset Ihr denn hin so spät?«

»Nach Daknam«, antwortete es.

Der stieg in sein Boot und setzte noch einmal über. Da fand er denn auch wirklich einen Mann am Ufer und der stieg ins Boot. Als dies aber in der Mitte der Dürme war, da sprang der Mann unter schallendem Gelächter ins Wasser und verwandelte sich allda in einen schwarzen Hund. Der sprach immer noch lachend zu dem erstaunten Fährmann: »Gelt, Schiffer, da habe ich Euch einmal zum Besten gehalten?«

Der Fährmann konnte vor Schrecken kein Wort über die Lippen bringen und seitdem hat weder er noch sein Nachfolger im Winter nach neun Uhr mehr übersetzen wollen.

Quellen: