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Friedrich von Kelle

Ein Bürger von Andernach, mit Namen Erkimbert, wollte eines Morgens vor Tagesanbruch zu einem Gedinge gehen. Unterwegs begegnete ihm ein Mann, der auf einem schwarzen Pferd ritt, dessen Nasenlöchern Feuer und Flammen entsprühten, bald dem Heerweg folgte, bald aber auch rechts und links die Felder durchjagte. Beim ersten Anblick des sonderbaren Reiters erschrak Erkimbert über die Maßen. Da er ihm aber nicht ausweichen konnte, ermannte er sich, schlug ein Kreuz und nahm sein gutes Schwert zur Hand, denn er wusste nicht, wer der Reiter war. Als derselbe ihm aber nä­her kam, erkannte er in ihm einen unlängst verstorbenen Ritter, Friedrich von Kelle. Derselbe schien ganz in Schaffelle gehüllt und auf den Schultern eine große Last von Erde zu tragen.

»Seid Ihr das wirklich, Herr Friedrich?«, fragte Erkimbert.

»Ja, das bin ich«, antwortete der Reiter.

Da fragte Erkimbert weiter: »Woher kommt Ihr denn und was soll das bedeuten, was ich da sehe?»

Friedrich antwortete: »Ich leide große Qual. Diese Felle habe ich einer Wittib1) genommen; nun brennen sie mich. Auch eignete ich mir einen Teil eines Ackers ungerecht zu; dessen Gewicht drückt mich nun. Wollten meine Söhne das wiedererstatten, meine Pein würde sehr gelindert sein.« Damit verschwand die Erscheinung.

Quellen:


1)
Anmerkung Sagenwiki: Wittwe