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Nach Klar, Die helle Sagenzelle. S. 71. Grässe S. 531.
Einst arbeitete ein Bauer in der Nähe des Stromberges auf seinem Felde; da sah er von Zeit zu Zeit die Bergmännlein in ihren grauen Röckchen hin- und herlaufen und runde Kuchen auf runden Brettern tragen. Was haben die Bergmännchen nur heute für ein Fest? gedachte er bei sich selbst, und, vom Appetit getrieben, rief er laut den Geistern zu: Laßt mich doch auch mit essen. Wir werden Dir etwas zukommen lassen, rief eins der grauen Männchen; komme nur in der Mittagsstunde zu jenem großen Stein, der dort im Grünen liegt. Der Bauer ließ sich das nicht zweimal sagen, legte zu Mittag sein Ackergeräth aufs Feld und ging zu dem großen Stein.
Da fand er ein Tischchen gedeckt und darauf lag ein wohlgerathener Kuchen. Noch ehe er sich aber niedersetzte, vernahm er deutlich die Worte: nun iß den Kuchen, doch anschneiden darfst Du ihn nicht. Da war ihm ganz eigen zu Muthe, und fast hätte er den Kuchen ungegessen gelassen und wäre davon gegangen, wenn er nicht endlich auf den überklugen Gedanken gekommen wäre, den Kuchen zwar nicht an- aber rundum auszuschneiden. Das Gebäck mundete ihm vortrefflich, und als er satt war, wischte er sich das Maul, sagte den Geistern schönen Dank, stand auf und wollte wieder an seine Arbeit gehen. Da rief ihm eine Stimme die Worte nach: Der Teufel hat Dich klug gemacht. Hüte Dich, daß wir nicht auch an Dir thun, was Du an unserm Kuchen gethan hast!
Nach Jahren fand man einen Leichnam unten am Stromberge im Blute liegen. Die Brust war aufgeschlitzt und das Herz zerfleischt. Der Unglückliche war eben jener Bauer, der den Kuchen ausgeschnitten hatte.
Anmerkungen:
Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862