[[text:wendischesvolksthum101-1|<<< zurück]] | **[[buch:wendischesvolksthum|Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte]]** | [[text:wendischesvolksthum102-1|weiter >>>]] ====== Verschiedenes ====== Wenn einem Jäger eine alte Frau begegnet, so hat er Pech319 [d.h. Unglück]; dann mag er umkehren. Wenn im Kalender der Krebs steht, soll man auch nicht zur Jagd hinausgehen. S. Wenn man ein Gewehr wieder »gut« machen will, muss man »Schweiss« (Blut, křej) vom Hasen nehmen, der durch ein anderes Gewehr getödtet worden ist, und den Gewehrlauf immer damit bestreichen, dann trifft man wieder. S. Wenn einer in die Fische fahren will, und von Hause fort geht, so soll man ihm einen Besen nachwerfen, aber ohne dass er es merkt, dann fängt er viel. B. Beim Fischen soll einer keiner alten Frau begegnen, sonst fängt er nichts. B. Wenn der Fischer ausfährt, so soll er nichts vergessen, sonst fängt er nichts. B. Wenn einer in den Stall kommt und dem Vieh Glück wünscht, soll man sagen: »Obliź mě riś, leck mir den Arsch«. Ebenso wenn einer ein Kind »gut findet« und es sehr lobt; das muss man gleich abwenden. B. Wenn einer ein Schwein schlachten will und dem Schlächter [d.h. dem schlachtenden] ist etwas angethan, z.B. dass er das Schwein nicht todtmachen kann, kein Blut kommt od. dergl., so muss er vorher, wenn er sicher sein will, mit dem Schlachtmesser dreimal im Stalle in den Schweinemist stechen und dreimal sagen: »Sit, sät, sat«. S.[114] Die erste Milch (syra) nach dem Kalben wird mit Butter oder Fett gebraten und mit Mehl gequirlt und dann gegessen, aber in der Stube. Denn sie darf nicht über die Hausschwelle getragen werden, auch dürfen sie nur Hausgenossen essen. S. Wenn beim Buttern die Butter nicht werden will, soll man Stahl oder Eisen in die Sahne werfen. S. Wenn die Butter gut werden soll, soll man früh morgens am Johannistage cartowy cwern holen und damit die Töpfe auskochen. Preilag (bei Peitz, Picń). Wenn man »gefallenes« [gestorbenes] Vieh, pańone zbóžo, unter einer Schwelle (pod prógom) eingräbt,320 wo jemand aus- und eingeht, so ist kein Glück im Hause. B. Wenn Frauen nach Haidekraut (ŕos) in die Haide gehen und wollen nicht vom Förster gepfändet werden, so sagen sie mehrmals vor der Haide: »Perej mjo bydź swětło A pósled mjo bydź ćma. Vor mir sei Licht Und hinter mir sei Finsterniss«, dass der Förster sie nicht sehen soll. S. Wenn ein Hund treu sein soll, so soll man ein Stück Brot unter dem Arme [in der Achsel] durchschwitzen und es ihm geben. B. Wer zum ersten mal im Frühjahre gegraben321 hat und mit Wasser begossen wird, den stechen die Mücken nicht. B. Wenn im Frühjahre Mädchen oder Jungen das erste Mal vom Acker nach Hause kommen, werden sie von der Mutter tüchtig mit Wasser begossen, damit sie das Jahr über gesund und fleissig bleiben. S. Wenn Flachs (len) gesät wird, soll man gekochte Eier in den Sack mit[115] dem Leinsamen hineinthun, und zwar soviel als Leute322 beim Säen beschäftigt sind und die Eier mit dem Flachssamen auf das Land säen. Wenn »fertig« gesät ist, werden die Eier aufgesucht und gegessen. Hin und wieder wird auch ein Stöckchen eingesteckt in den Acker und steht so hoch, als der Flachs werden soll. S. Wenn beim Flachssäen der Sämann (syjer) das Ei in die Hand kriegt, wirft er es recht hoch in die Luft und sagt: »Tak wełiki dej ten len narosć, so hoch soll der Flachs wachsen«.323 S. Flachslied, beim Flachssäen: »Lan rosć a kwiś A přinjas dobre płody. To pomogaj bóg etc. Flachs wachs und blüh Und bringe gute Früchte. Das helfe Gott u.s.w.« Preilack. Wenn ein Mädchen den Flachs »fertig« gewietet324 hat, so soll sie nackend dreimal um den Acker herumrennen325 und dabei sagen: »Flasken, Flasken, Druse, Wachs bis an die Fuse,326 Bis an meine Titten [Brüste], Dann bliw sitten [bleibe sitzen].« Flachs soll man auf Wolborgen säen, sonst fressen ihn die Padden ab. Wenn man einen alten Schuh, Pantoffel oder eine alte Sohle (crejowa podašẃa) findet und wirft sie in die Gurken, gurki, so blühen keine Gurken »blind«, sondern »werden alle voll« [fruchttragend]. G.-S. Wenn man zufällig einen Strick findet, so soll man ihn aufheben und wenn die Gurken blühen, in kleine Stückchen schneiden und dieselben in die Gurken hineinstreuen. Dann wachsen nicht so viele taube Blüthen und es werden viele Gurken. B. Beim Kohl- (Kraut-) Pflanzen werfen sich die Mädchen gegenseitig auf den Acker und sprechen: »Tak welikje dere te kałowe głowy tež narosć, so gross sollen die Kohlköpfe auch wachsen«. S.[116] Wenn Kohl (kał) gepflanzt wird, nimmt man eine Kohlpflanze und eine Rübenpflanze (rěpa), spaltet beide und steckt sie ineinander und pflanzt sie so ein; unter den beiden Pflanzen aber denkt man sich zwei Liebende. Wachsen sie nun zusammen, so kommen die zwei, an die man denkt, auch zusammen; wenn nicht, so geht die Liebe auseinander. Darum sieht man sorgfältig nach, welche Pflanze besser wächst. S. In den Kohl stellt man Besen mit Tuchlappen als Scheuchen und gebraucht die Besen nachher zum Räuchern gegen Krankheit. Gross-Döbern. Wenn das »Kraut« (Kohl, kał) anfängt zu wachsen, werden Besen mit alten Hüten in das Kraut gesetzt, damit der böse Anblick (dostaće) nicht schadet [nicht als Scheuchen, diese werden höher gemacht]. S. Wenn ein Baum zum ersten mal trägt und wird bestohlen, so trägt er fernerhin nicht mehr. B. Zwischen die Rinde vom Nussbaum (woŕechowy bom): heimlich Geld stecken, dann trägt er besser. B. Wenn man ein Brot verborgt, so soll man vorher ein Stückchen davon wegschneiden, dann behält man doch noch das ganze Vermögen. Thut man das nicht, so giebt man alles weg. S. Beim Aufwirken (ći nawijanju) hat man das Garn (přědźeńo) in dem Tuche, der płachta, zu liegen. Ist es aufgewickelt, so liegt der ganze Schutt (Staub327, gniłe) auf der płachta. Dann wirft ihn der (dabei beschäftigte) Bursche oder Mädchen dem oder derjenigen, so die allerfaulste beim Spinnen gewesen ist, auf den Kopf. Davor sucht sich jeder ängstlich zu hüten und läuft vor dem gnile selbst bis in den Garten. S. 319 »Ten ma šudźi tu lubu smółu, der hat überall das liebe Pech.« S. 320 Gegraben wird mit dem Spaten, ta špóda; Gräben mit der Schippe, ta šupa, ausgeworfen. Die Hacke mit 4 Zinken, ten kopelc, um Kartoffeln zu hacken, an Rainen die Quecken zu entfernen, auch um die Wasserpest u.d. aus dem Wasser zu ziehen. Die kleine Hacke, ta kopawka, hauptsächlich zum Kartoffelhacken; die Rodhacke, ta rodawa, zum Ausroden beim Ausbuddeln von Bäumen. Die Harke, te grabje, mit hölzernen und eisernen Zähnen; diese zum Einharken der Saat. Die Mistgabel mit 3 Zinken, gnojowe wiły; die Heugabel, synowe w. mit 2 Zinken; kleine Korngabel, žytowe w. zum Aufheben der Korngarben. Der Dreschflegel, te cypy (Querband, zwěsk k cypam; Haltbaum, źarźalnik; Schläger bick). Der Setzbock mit Zinken, zum Setzen der Kartoffeln, ten knydlowy sajźak. Die Sense, ta kósa, wird auf dem kleinen Amboss, ta nakowka, untersteift durch einen Stab, mit dem Hammer, ten klapac, geklopft. Der kleine Reifen, ta hobrycka, unten am Sensenstiel, to kosyšćo. Die Korns., zytowa k., ist länger als die Grass. Das Beil, ten sekerc; Fleischerb., flejšaŕski s.; Schlichtbeil, um Holz auszugleichen, twarcojsky s. Die Axt, ta sekera; Zimmeraxt, Holz zu bezimmern, twarcojska s. Die Rundaxt, ta kulowata s. oder ta kulowaśica. Das Schabeisen, ta křabawka. Die Texe, ta ceslica. Der Besen, to chožyšćo. Die Schubkarre, ta šubkara; die Leiterk., ta baršćana karica; die Torfk., ta torfowa karica, um die durchgearbeitete Torfmasse dahin zu fahren, wo der Torf geformt werden soll. Die Torfform, torfowa forma; die Wurfschippe ohne Eisenbeschlag, ten wagan, um den durchgearbeiteten Torf auf die Karre zu schmeissen; der Schöpfer, ten šepaŕ, um das Wasser aus dem Torfstiche herauszuschöpfen. Das Schippchen, ta šupka, um Wasser auszuschöpfen, Mehl aus dem Sacke zu nehmen u.d.m. Der eiserne Keil, ten zelezny klin, zum Holzspalten. Der Schläger, te heja, hejka, um Keile einzutreiben oder Pfähle ins Wasser. Die Futterlade, to koryšco. Die Wäschemandel, ta prandlica; die Rolle, ta rula u.s.w. 321 Gegraben wird mit dem Spaten, ta špóda; Gräben mit der Schippe, ta šupa, ausgeworfen. Die Hacke mit 4 Zinken, ten kopelc, um Kartoffeln zu hacken, an Rainen die Quecken zu entfernen, auch um die Wasserpest u.d. aus dem Wasser zu ziehen. Die kleine Hacke, ta kopawka, hauptsächlich zum Kartoffelhacken; die Rodhacke, ta rodawa, zum Ausroden beim Ausbuddeln von Bäumen. Die Harke, te grabje, mit hölzernen und eisernen Zähnen; diese zum Einharken der Saat. Die Mistgabel mit 3 Zinken, gnojowe wiły; die Heugabel, synowe w. mit 2 Zinken; kleine Korngabel, žytowe w. zum Aufheben der Korngarben. Der Dreschflegel, te cypy (Querband, zwěsk k cypam; Haltbaum, źarźalnik; Schläger bick). Der Setzbock mit Zinken, zum Setzen der Kartoffeln, ten knydlowy sajźak. Die Sense, ta kósa, wird auf dem kleinen Amboss, ta nakowka, untersteift durch einen Stab, mit dem Hammer, ten klapac, geklopft. Der kleine Reifen, ta hobrycka, unten am Sensenstiel, to kosyšćo. Die Korns., zytowa k., ist länger als die Grass. Das Beil, ten sekerc; Fleischerb., flejšaŕski s.; Schlichtbeil, um Holz auszugleichen, twarcojsky s. Die Axt, ta sekera; Zimmeraxt, Holz zu bezimmern, twarcojska s. Die Rundaxt, ta kulowata s. oder ta kulowaśica. Das Schabeisen, ta křabawka. Die Texe, ta ceslica. Der Besen, to chožyšćo. Die Schubkarre, ta šubkara; die Leiterk., ta baršćana karica; die Torfk., ta torfowa karica, um die durchgearbeitete Torfmasse dahin zu fahren, wo der Torf geformt werden soll. Die Torfform, torfowa forma; die Wurfschippe ohne Eisenbeschlag, ten wagan, um den durchgearbeiteten Torf auf die Karre zu schmeissen; der Schöpfer, ten šepaŕ, um das Wasser aus dem Torfstiche herauszuschöpfen. Das Schippchen, ta šupka, um Wasser auszuschöpfen, Mehl aus dem Sacke zu nehmen u.d.m. Der eiserne Keil, ten zelezny klin, zum Holzspalten. Der Schläger, te heja, hejka, um Keile einzutreiben oder Pfähle ins Wasser. Die Futterlade, to koryšco. Die Wäschemandel, ta prandlica; die Rolle, ta rula u.s.w. 322 In Schleife z.B. sät einer. Dann wird eingeeggt (załocone), die Egge von »zwei Mann« gezogen, während sie ein dritter mit einem Stricke hin und herzieht. – In Burg (Spreewald) u.a.O. wird der Flachs mit den Füssen festgetreten, »damit er besser aufgeht und der Frost ihm nicht so auf die Wurzeln geht.« 323 Vergl. I, 241: »Flachs, wachs bis an den Sack (scortum viri), knote bis an die Schote (wolwa)«. Als dem Z., welcher seinen Schwiegervater, einen alten Ausgedinger, schlecht behandelte, der Flachs (lan) nicht gerathen war, liess er diesen im nächsten Jahre durch seinen Nachbar, einen duchtaŕ, aus einer alten Mütze vom Todten säen. 324 Von Alters her bekommen in Burg die Wieterinnen (plejarnica) mittags Hirse zu essen. Im Spreewalde sind keine Haiden [Kiefernwälder] zum Streu- [Moos mit Nadelabfall] Harken, auch sonstige Streu mangelt, deshalb werden von Mädchen und Frauen, seltener Männern, die Stoppeln (die bei eintretender Tageswärme knistern) von Roggen, Weizen und Hirse ausgewietet; dazu schneidet man die Halme mit der Sichel höher als sonst ab. Das Wieten (plaś), mitunter beschwerlich, namentlich bei grosser Hitze, gestattet bequeme Unterhaltung. Oft singen die Wieterinnen, die vielmals in langen Reihen (10, 20 und mehr) auf den Knieen über die Aecker rutschen, alte Volks- und Kirchenlieder. Scherz und Frohsinn würzen auch diese Arbeit. 325 Soll in dieser Gegend »von nackenden Mädchen, wenn keine Männer zugegen waren, noch bis vor fünf und zwanzig Jahren gemacht« worden sein. (?) 326 Fuse = Fotze, Futze [wolwa], niederw. puća; polnisch piczka, russisch pisdá, lettisch pisde. (Pfütze: eine kleine stehende Wasserrinne.) 327 Sonst prack (Burg: kur). //Quelle: [[autor:schulenburg|Schulenburg, Willibald von]]: [[buch:wendischesvolksthum|Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte]]. Berlin: Nicolai, 1882, S. 114-117.// ---- {{tag>brauchtum volksweisheit schulenburg wendischesvolksthum lausitz}}