[[sagen:vsfreiburg62|<<< zurück]] | **[[buch:vsfreiburg|Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau]]** | [[sagen:vsfreiburg01|weiter >>>]] ====== Vorwort ====== Je älter ein Ort und je mehr er von der umgebenden Natur begünstiget ist, um so reichern Stoff liefert er für Sage und Geschichte. Beides ist bei der Stadt Freiburg im Breisgau der Fall. Ihre und ihrer Universität Geschichte hat bereits ausführliche Bearbeitung gefunden(( Geschichte der Stadt Freiburg. 4 Thle. – Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität. 3 Thle. Von Dr. H. Schreiber. Freiburg 1857 bis 1860. Verlag von Fr. Xav. Wangler.)); was mit ihren Sagen nicht der Fall ist. Zwar wurden davon in größere Sammlungen, wie August Schnezler’s badisches Sagenbuch, Bernhard Baader’s Volkssagen, Eduard Brauer’s badische Sagenbilder u. s. w. aufgenommen; allein theils verlieren sie sich darin, theils flattern andere noch unter dem Volke oder in Localblättern umher, wo sie dem Tage dienen und mit demselben vergessen werden. So verdienstlich nun größere Sammlungen sind, und so mannigfaltig deutsches Leben und Dichten überhaupt darin zur Erscheinung kommen mag; so mangelt ihnen doch das eigenthümliche Gepräge, welches bestimmte Landschaften auszeichnet. Ein anderes hat nämlich der Schwarzwald mit seinen Tannenforsten, Bergseen, Wasserfällen und Holzbauten; ein anderes die rauhe Alp, der Odenwald und Spessart. In Manchem, was den Ansichten des Schwaben oder Franken widerstreitet, erkennen wir jene des Alamannen. Verschiedenheiten treten hier öfter hervor, als die Sagen Werk und Eigenthum des Volkes selbst, seiner angeerbten Vorurtheile, der Stufe seiner Bildung, seiner Gemüthlichkeit, seines Bodens und der von ihm auf demselben durchlebten Zeiträume sind; während nur die Form, in welcher sie, prosaisch oder poetisch, uns vorgeführt werden, den Bearbeitern angehört. Greifen diese tiefer in die Sache ein, so geht das Volksthümliche derselben leicht verloren; die Sagen gestalten sich zu Bildern um, welche die, mitunter glänzende Phantasie, der Dichter entworfen und an einen beliebigen Punkt geknüpft oder auch in luftiger Schwebe gelassen hat. Nicht minder beachtenswerth für die hier vorliegende heimathliche Sagen-Sammlung dürfte der Umstand sein, daß sie zugleich als Führer durch ihr Gebiet, in und um Freiburg dienen möchte. Haben wir doch, neben umfangreichen Werken, für unsere nächste Pflanzenwelt eine spezielle Flora, und nebstdem zahlreiche Schriften über Gestein und Metallgehalt unserer Berge; warum sollte, zumal bei Ausflügen, nicht ein Sagenbuch zur Hand sein, welches den Reiz schöner Ruhepunkte noch dadurch erhöhte, daß es auch von ihren uralten Geheimnissen und dadurch von dem innersten Leben des Volkes Zeugniß giebt? Die Geschichte ist in solchen Fällen häufig zu lückenhaft und zu trocken; Uebergänge, Farbe und Wärme bringt die Sage herbei, die mitunter sogar über vergilbte Pergamente und staubige Aktenstöße verjüngend dahinschwebt. Die Namen der Bearbeiter, soweit solche vorliegen, sind den einzelnen Mittheilungen derselben beigefügt. //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867//