[[sagen:vsfreiburg49|<<< zurück]] | **[[buch:vsfreiburg|Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau]]** | [[sagen:vsfreiburg51|weiter >>>]] ====== Auf dem Schwarzwalde ====== L. Keller O [[region:Schwarzwald]], meiner Heimath Zier,\\ Du meine Herzenslust,\\ Wie bin in deinem Schooß’ ich mir\\ So vieler Freud’ bewußt!\\ Da steig’ ich rüstig himmelwärts\\ In früher Einsamkeit;\\ Denn hier wird mir so leicht das Herz,\\ Die Brust so frei und weit.\\ Durch Schluchten, wo der Waldbach wühlt,\\ Und stürzend tost und schäumt,\\ Wo doch das Herz so wohl sich fühlt\\ Und gar so gerne säumt.\\ Und oben endlich, – keine Spur\\ Vom Menschentreiben mehr; –\\ Jungfräuliche Gebirgsnatur\\ Begrüßt mich hier, so hehr.\\ Im Morgenrosenlicht die Höh’n,\\ Umweht von frischer Luft,\\ Mit ihrer Pflanzenwelt so schön\\ Und reich an Blüthenduft;\\ Die Waldeshallen grün bedacht,\\ So wundersam durchrauscht,\\ Als spielten Geister hier mit Macht\\ Die Harfen unbelauscht.\\ Die schaurig stillen Seen auch\\ In ihrem dunkeln Glanz;\\ Was flüstern sie im Morgenhauch\\ Beim leichten Wellentanz?\\ Dort unten an der Berge Hang\\ Die Thäler still und traut,\\ Im Schlummer noch; kein Glockenklang,\\ Noch keines Menschen Laut!\\ Und fern verschwommen das Gefild,\\ Nur lichter hier und dort;\\ Ein vielgestaltig Nebelbild,\\ Sich wechselnd immerfort.\\ Jetzt durch des Morgens Gluthen bricht\\ Der erste gold’ne Strahl,\\ Und nun ergießt ein Meer von Licht\\ Sich über Berg und Thal.\\ Da, was mich etwa noch bedrückt\\ Von Sorgen menschlich klein,\\ Vergessen ist’s und hochentzückt\\ Jauchz’ ich in’s Land hinein.\\ Wie bin in deinem Schooß’ ich mir\\ Der Freuden viel bewußt,\\ O Schwarzwald, meiner Heimath Zier\\ Du meines Herzens Lust!\\ //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// ---- {{tag>sagen heinrichschreiber vsfreiburg schwarzwald verse v2}}