[[sagen:vsfreiburg28|<<< zurück]] | **[[buch:vsfreiburg|Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau]]** | [[sagen:vsfreiburg30|weiter >>>]] ====== Das goldene Kegelspiel auf dem Schloßberge ====== Zu [[geo:freiburgbreisgau|Freiburg]] in dem Schlosse\\ Da zieht im grauen Moosgestein\\ Mit goldner Carosse\\ Der [[wesen:zwerg|Zwerge]] König ein.\\ Er setzet sich zum Mahle\\ Bedient von kleiner Zwerge Schaar,\\ Da leuchtets in dem Saale\\ So hell und wunderbar.\\ Die Harfen klingen leise\\ Um das zerfall’ne alte Haus,\\ Es setzt sich dort im Kreise\\ Der Zwerge kleiner Braus.\\ Sie tragen goldne Kleider\\ Und haben weiße Röcklein an,\\ Die macht ein Zauberschneider,\\ Der Wunder schaffen kann.\\ Ich lieg am Tannenbaume\\ In kühler, heller Mondennacht,\\ Da glänzt’s im Waldesraume\\ Von goldner Lampen Pracht.\\ Da funkeln und da glizen\\ Die Becher all von Edelstein,\\ Die Goldpocale blitzen\\ Im klaren Mondenschein.\\ An einem goldnen Tische\\ Da ruh’n die Zwerglein allesamt\\ Und singen da so frische,\\ Vom Weine hoch entflammt.\\ Da wimmert es im Schlosse,\\ Der Boden in der Tiefe kracht;\\ Mit seinem Geistertrosse\\ Der Kegelgeist erwacht.\\ Halloh! ihr Zwerglein alle!\\ So donnerts von dem Wald herauf,\\ Singt mir mit lautem Schalle,\\ Setzt meine Kegel auf!\\ Nun kreists durch alle Wände,\\ Die Diener fliegen hin und her,\\ Da reget seine Hände\\ Der Zwerge ganzes Heer.\\ Zwei Kugeln kugelrunde,\\ Neun Kegel schwer aus purem Gold,\\ Die schaffen aus dem Grunde\\ Die Zwerge schön und hold.\\ Im schimmernden Gewande\\ Sitzt dort der Kegelgeist vom Schloß,\\ Am stillen Waldesrande\\ Mit seinem Knappentroß.\\ Es sind der Geister Achte\\ Mit rothen Mänteln angethan,\\ Ein greiser Wirth, der brachte\\ Den Wein zur Kegelbahn.\\ Nun setzen sich die Losen\\ Mit rothen Mützen auf dem Haar,\\ Mit weiten Pluderhosen,\\ Sie singen hell und klar.\\ Da schallen wilde Lieder,\\ Die Reihen geht es auf und ab,\\ Frisch geht es hin und wieder,\\ Es singt ein jeder Knab.\\ Die alten Tannen rauschen,\\ Die Zwerge stehen stumm herum,\\ Sie horchen und sie lauschen\\ Dem Sange um und um.\\ Vom nahen Sumpfe irren\\ Verwünschte Waldesgeisterlein,\\ Sie zwirren und sie schwirren,\\ Wie heller Kerzenschein.\\ Das Trinken geht zu Ende,\\ Da kommt der Zwerge kleiner Hauf’,\\ Der sezet ganz behende\\ Die goldnen Kegel auf.\\ Die Kegel umzuschieben,\\ Schiebt jetzt der Geist die ganze Nacht,\\ Es schieben ihrer Sieben,\\ Der Kegel fallen acht.\\ Der Neunte, der bleibt stehen,\\ Und wenn der letzt’ gefallen wär’,\\ So dürfte nicht mehr gehen\\ Der Kegelgeist umher.\\ So aber muß er wallen,\\ Bis er sie trifft auf einen Schuß,\\ Bis alle Neune fallen,\\ Er Geister gehen muß.\\ Und kommt der Nächte Dunkel,\\ So fährt er aus dem Geisterschloß\\ Mit hellem Kerzgefunkel\\ In feuriger Caroß.\\ Er kegelt oft und lange,\\ Und wenn der Morgen dämmernd graut,\\ Da wird ihm gar so bange,\\ Wenn er den Neunten schaut.\\ Dann zieht er fort mit Klagen,\\ Da heults hinab zum Waldeshaus\\ Mit Rossen und mit Wagen,\\ Das Kegelspiel ist aus.\\ Und wer dort auf dem Schlosse\\ Den neunten Kegel schiebt bei Nacht,\\ Der wird vom Geistertrosse\\ Zum reichsten Mann gemacht.\\ (K. Halbm.) //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// ---- {{tag>sagen georgkilianhalbmann vsfreiburg freiburgbreisgau zwerg zwergenkönig kegel kegelspiel gold verse waldgeist mond v2}}