[[sagen:vsfreiburg03|<<< zurück]] | **[[buch:vsfreiburg|Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau]]** | [[sagen:vsfreiburg05|weiter >>>]] ====== Freiburg’s Gründung ====== K. Halbmann Die Sage erzählt: Herzog Berthold III. von Zähringen sei einst vom Kaiser dem Bischof von Köln gegen die Städter zu Hilfe geschickt worden. Besiegt von denselben, sei er in Gefangenschaft gerathen; habe jedoch während dieser Zeit den Plan zur Gründung einer Stadt gefaßt. Nach seiner Befreiung sei er mit Kunst und Handel in Köln bekannt geworden und habe bei seiner Nachhausekunft [[geo:freiburgbreisgau|Freiburg]] gegründet. Der Herzog saß gefangen\\ Zu [[geo:Andernach]] in Haft;\\ Ob sie ihn wohl bezwangen,\\ Den Stolz der Ritterschaft?\\ Es wuchs dem edlen Leuen\\ Da drunten erst der Muth,\\ Die Kraft thät sich erneuen\\ In flammenvoller Gluth.\\ Er hat in fernen Landen\\ Den Geist der Zeit ermerkt,\\ Er hat sich in den Banden\\ Für künft’ge Zeit gestärkt.\\ Hei, wie ihn da gelüstet\\ Zu säen seine Saat!\\ Hei, wie der Held sich brüstet,\\ Da ihm die Freiheit naht!\\ Und als man ihn entlassen\\ Zu Andernach der Haft,\\ Gen [[geo:Köln]] fuhr er die Straßen\\ Mit seiner Ritterschaft.\\ Was dort ihm dunkel graute,\\ Hie wird es ihm zum Licht,\\ Und was sein Geist erschaute,\\ Vergessen mocht er’s nicht.\\ Am [[region:rhein|Rheine]] sah er gehen\\ Die Schiffe in die Fluth,\\ Er sah am Lande stehen\\ Viel fremder Länder Gut.\\ Er sah im heil’gen Köllen\\ Den Geist der neuen Zeit,\\ Und Kirchen und Kapellen\\ Voll Pracht und Herrlichkeit.\\ Hei, was das Herz ihm pochte,\\ Wie ’s innen hat gegährt!\\ Was nicht die Kraft vermochte,\\ Der Geist hat’s abgeklärt.\\ Die Mähr hat er erkundet\\ Von Martins Zauberpracht;\\ Sein Herze war gesundet,\\ Sein Auge hat gelacht.\\ Er sprach zu den Genossen:\\ „Ihr Ritter hoher Art,\\ Mich hätt’ es schier verdrossen,\\ Daß man mich so gewahrt.\\ Ich saß im alten Neste\\ Und sah die Sonne nicht,\\ Die Mauern waren feste,\\ Drein drang kein Tageslicht.“\\ „Drinn mußt’ ich ruh’n und rasten\\ In Ketten eingezwängt,\\ Mußt’ hungern, dürsten, fasten,\\ Mir war der Arm beengt.\\ Doch hab ich drinn erlernet,\\ Wo goldne Freiheit winkt,\\ Wie man den Zwang entfernet,\\ Wenn frei die Sonne blinkt.“\\ „Mich soll man nimmer fangen.“\\ Der edle Degen sprach:\\ „Eh’ nach ein Jahr vergangen,\\ Da lösch ich meine Schmach.\\ In Städten reich an Hallen,\\ Gesegnet reich an Wein,\\ Wo goldne Aehren wallen,\\ Soll meine Wohnung sein.“\\ „Wo grüne Fichten rauschen,\\ Im dunkeln Tannenforst,\\ Da will ich ruh’n und lauschen\\ In meinem kühlen Horst.\\ Mir soll die Mühle mahlen\\ Mein selbstgebautes Korn;\\ Gereift von Sonnenstrahlen,\\ Füllt süßer Wein mein Horn.“\\ Die Ritter sah’n verlegen\\ Den wackern Herzog an,\\ Wohl schien der Plan verwegen,\\ Den er im Herzen sann.\\ Da sprach der Ritter Einer:\\ „Die Rede mich ergötzt,\\ Doch hat’s so schnell noch keiner\\ In’s volle Werk gesetzt.“\\ Nun ritten die Gesellen\\ Hinweg vom deutschen Rhein,\\ Wohl von dem heil’gen Köllen\\ In’s [[region:Breisgau]] tief hinein;\\ Hin, wo die Fichten rauschen\\ Im prächt’gen [[region:schwarzwald|Schwarzwaldgrund]],\\ Wo Vögel Lieder tauschen,\\ Früh bis zur Abendstund.\\ Dort stand nach alten Sagen\\ Ein Kirchlein arm und klein;\\ Der Herzog ließ da tragen\\ Zum Bau den ersten Stein.\\ Die Hämmer sah man schwingen,\\ Da gab es lauten Schlag,\\ Die Aexte hört man klingen,\\ Wohl scholl es manchen Tag.\\ Bald stiegen Schloß und Hallen\\ Zum blauen Himmel an,\\ Bald sah man Ritter wallen\\ Mit Goldschmuck angethan.\\ Da ritt von seinem Schlosse\\ Der Herzog, jener Aar,\\ Ins Thal mit seinem Trosse\\ Noch in demselben Jahr.\\ Wo einstens düstre Wälder\\ Wild rauschten in dem Thal,\\ Da grünten Saatenfelder\\ Im goldnen Sonnenstrahl.\\ Wo trauerten die Tannen,\\ Sah man jetzt Reben blüh’n,\\ Und Sumpf und See zerrannen\\ Vom heißen Sonnenglüh’n.\\ Und mitten in dem Thale\\ Erhob sich reich und groß\\ Im grünen Waldessaale\\ Die Stadt aus duft’gem Schoos,\\ Und herrlicher und prächt’ger\\ Gedieh die Saat im Gau,\\ Und größer wuchs und mächt’ger\\ Des Herzogs stolzer Bau.\\ Da klang ein hell Geläute\\ Vom Thal gen Himmel auf,\\ Man sah da ein Gebäude\\ Voll Kunst bis an der Knauf.\\ Hoch ragte Freiburgs [[kirche:muensterfreiburgbreisgau|Münster]]\\ In Herrlichkeit und Pracht,\\ Aus all dem Waldesginster,\\ Wie ’s keiner hätt’ gedacht.\\ Und als er sah vollendet\\ Den Bau, wie er’s gewollt,\\ Zum Herrn sich Berthold wendet,\\ Daß er ihn schirmen sollt.\\ Andächtig sank er nieder,\\ Mit ihm die Ritter all,\\ Hell klangen Freudenlieder\\ Zum lauten Glockenschall.\\ //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// ---- {{tag>sagen georgkilianhalbmann vsfreiburg freiburgbreisgau breisgau bertholdiiizaehringen kirchenbau schwarzwald rhein münsterfreiburgbreisgau köln andernach verse v2}}