[[sagen:tss4345|<<< zurück]] | **[[capitel:tss4000|Die Sagen des Kiffhäusers und der Güldenen Aue...]]** | [[sagen:tss4347|weiter >>>]] ====== Dri Männer im Flohsbergk ====== Der all Grönger((Gründer)) Wirth, der hat ümmer de Lüht betroin. Bann se hunn Fleisch bei en gehollt, u e Pfoind((Pfund)) wollt hah((haben)), da hat e ze licht Gewicht genumme, daß se ümmer nert drei Viertel gekreht hun; u bann se hunn Bier gehollt, da hat e so e klei Maas gehatt, daß se für e Kann allemal nert drei Kairtel((Kärtel, Quärtchen, ein halbes Maas)) gehatt hun. Bih e nu gestuirbe wair, da gihnk e ömm, u wannert alle Naicht, da kum e ins Huis, u in de Fleisch-kommer u in Kehler, u pollert dinn eröm, u wuirf alles duirch enanner, u rief: „drei Kairtel für e Kann! drei Viertel für e Pfoind! Bih se's nun endlich net mieh konne uisgehall, miht en, da holte se den Je-sewitter, u der bannt en, u stackt en in en Sahk, u truhk en ehenger ins Flohsloch. Nachhinte hatten se Rauh für en im Huis. Nach is au e Grümmmiger((Grumbacher)) Möller gewahßt, der hat de Lüht beim Mahln betreihut((betrogen)), u hat allemal zevill gemetzt, u hat au de Gränze verockt. Der hat au gewannert; bih e gestuirbe wair, u ihs in der Mölln((Mühle)) eröm gepollert, u als füriger muhn off sin Aeckern u Wiese eröm gegange. U da hunn se au den Jesewitter geholt, der hat en mutt bann, u au ehinger ins Flohsloch trai((tragen)). Dernach is enner in Schwein gewahst, der hat au de Grenze verrockt, u si Aecker sein alle Jaihr größer gewuirn. Bih der gesturbe ihs, da hat e gewannert, u is offer Röth öbern breite Birnbaum ball als füri-ger Muhn ömgegange, ball hun de Lüht, bann se üwwer sin Acker gegange sein, Muischelln gekrecht, u hun doch kem Mensche gesiehn, so daß sich kei Mensch meh getraut hat, von Schein nach Steinig oder von Steinig nach Schwein ze ginn((zu gehen)), zeball enn's nert ufihng((anfing)), dämmerig zu wern. Da hunn se au den Jesewitter gehollt, u der hat en au gebannt, u hat en in en Sahk gestackt, u ins Flohsloch bein((bei den)) alle Grönger Wirth u Grümmiger Möller getrauin. Wihl e awwer in sin Lahbe so gern gekairt((gekartet)) hat, u der all Grümmiger Möller u de Grönger Wirth au, ze hat en der Jesewitter e Kairte mitgegahnt, u nu setze die drei dehinge im Flohsloch, u kairte Solo; u wihl((weil)) betrieg, da wern se muine mah au ueins, u pommen sich((pumpen sich, Provinzialismus für prügeln, puffen)) e Fleck((eine Weile)), u mache en Spektah-kel, ärger ens des wüthening Heer. Genug ma, bann Lüht noch spät durch den Flohsberk gemutt hun, u sein bein Flohsloch verbeigekomme, da hun se gehuirt, bi se Traumpfais((„Trumpfaus!“)) geruffe hun, u hun sich gezahnkt u geprügelt; awwerder all Grönger Wirth, der hat ümmer derzösche((dazwischen)) geruffe: "drei Kairtel für e Kann, drei Viertel für e Pfoind!" //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung, Band IV S. 234-237// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen mundart v0}}