[[sagen:tss4166|<<< zurück]] | **[[capitel:tss4000|Die Sagen des Kiffhäusers und der Güldenen Aue...]]** | [[sagen:tss4168|weiter >>>]] ====== Das Nonnengespenst zu Gehofen ====== Es ist eine bekannte Gespenstersage, daß zu [[geo:Gehofen]] im Jahre 1683 die Frau Philippine Agnes [[familie:voneberstein|von Eberstein]] vom [[wesen:spuknonne|Gespenst]] einer Nonne übel geplagt wurde. Das Leiden begann am 9. Oktober, und zwar damit, daß die Edelfrau an Händen und Armen ein schmerzhaftes Kneipen empfand, und ein Flüstern vernahm, sie möge Abends sechs Uhr hinab auf den Hof gehen, und da einen großen ihr bescherten Schatz heben. Die Dame gehorchte jedoch weder dieser, noch mancher spätern Aufforderung, wodurch das Kneipen immer ärger wurde. Am 12. Oktober erblickte sie zuerst den Geist in Gestalt einer kleinen weiß gekleideten Nonne, die mit einem rothen Kreuz auf dem Haupt gezeichnet war, ein Paternoster in der Hand trug, und ein weißes Vorstecktüchlein nach damals üblicher Tracht vor dem Munde hatte; diese Gestalt winkte ihr. Da die durch Nachtwachen bei ihrem kranken Ehegatten erschöpfte, und außerdem sehr bange Dame nichts hören und sehen wollte, so geschah nun Nacht für Nacht und Tag für Tag abwechselnd heftige Gewaltthätigkeit am Körper der Geisterseherin und dringendes Zureden zur Folge, um den Schatz zu heben. Der Geist erzählte förmlich seine Geschichte, er sei eine des Geschlechtes von Trebra, habe auf dem Edelhofe, der früher das Trebraische Gut geheissen, in Kriegsunruhen einen Schatz vergraben, da wo jetzt die Kapelle erbaut sei, die Dame von Eberstein solle und müsse diesen Schatz heben, sie möge nur ihren Beichtvater und die Hausgenossen dazu nehmen, dabei beten und singen; es solle ihr auch kein Leid wiederfahren, und den [[wesen:schwarzerhund|schwarzen Hund]], der den Schatz hüte, wolle der Geist aus dem Thore führen, und nie wiederkommen. Es bedürfe nur, daß eine Schürze oder sonst etwas auf den Ort des Schatzes von ihr geworfen werde. Der Geist beschrieb sogar den Schatz, darunter waren drei Ringe, die dem Ebersteinischen Geschlechte beständiges Glück bringen sollten, ordnete auch dessen Verwendung an, und verhieß der Tochter der geängstigten Dame ebenfalls die Hebung eines Schatzes nach vier Jahren – alles erfolglos – die Edeldame folgte nicht, und wurde fortdauernd von dem Geist gepeinigt, so daß es nahe daran war, ihr Leben darüber zu verlassen. Bei einem Gang über den Hof in die Kapelle zeigte sich das Gespenst mit flehendlichen Gebehrden, und deutete auf einen Schutthaufen und unter einem großen Stein die Stelle des Schatzes an, hielt sie sogar am Rocke fest, und bat, etwas dorthin zu werfen, auch sah die Dame mit einem Blick den ganzen Schatz offen. Als über alle Schmerzen, die sie erdulden, und die schreckenden Erscheinungen, die sie sehen mußte, die Dame ganz schwermüthig wurde, ward ihr von dem Geist mit christlichem Trost zugesprochen, doch wich dieser wenig mehr von ihr und blieb ihr, aber auch nur ihr allein, sichtbar, während sie die heftigsten Convulsionen und Paroxysmen erlitt. Einmal erschien das Gespenst sehr zornig, und klagte, daß die bösen Schulknaben sein Bildniß in der Kirche mit Ruthen geschlagen. Das währte so bis in das folgende Jahr hinein, wo es so weit kam, daß die Edelfrau – als sie wieder etwas stärker, mit ihren Anverwandten nach Bachra am 19. Januar Schlitten fuhr, und der Geist an der Brücke stand – in heller Verzweiflung zweimal mit Pistolen nach ihm Feuer gab. Damit machte sie nun das Uebel nur über alle Maaßen ärger, der Geist plagte sie mehr und mehr, und wenn sie dem Schmerz erlag, betete er ihr, wie höhnend, Liederverse aus dem Gesangbuch vor. Weder geistlicher Zuspruch, noch sonstiges Zureden vermochten die Patientin zu überzeugen, daß sie keinen Geist sehe, obwohl sie laut und lebhaft wünschte, es möchte dem also sein. Allein sie sah ihn fort und fort, und ihr Töchterlein, das noch nicht reden konnte, zeigte nach der Stelle, wo er weilte. Der Geist schlug die Geplagte auf Mund und Wangen, wie auf die Brust, warf sie empor, hielt ihr den Mund zu, legte sich über sie wie eine Centnerlast, und endlich da er nichts ausrichtete, nahm er nach [[zeit:Ostern]] Abschied, und quälte sie fürder nicht mehr, und sie sah und empfand nichts mehr von ihm, wofür sie dem Herrn in öffentlicher Kirchenversammlung danken ließ. – Von dieser Geschichte ward zu ihrer Zeit sehr viel gesprochen und geschrieben, heutiges Tages spricht man in Gehofen kaum noch davon. Das aber sagt man, daß auf dem Edelhofe sich eine Nonne und ein Mönch bisweilen sehen ließen, und großes Rumoren in den Ställen und Gepolter auf den Böden verursachten, daß oft das Vieh davon scheu würde. //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung, Band IV S. 99-102// ---- {{tag>sagen bechstein tss v2a}}