[[sagen:tss3372|<<<]] | **[[capitel:tss3000|Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg]]** | [[sagen:tss3374|>>>]] ====== Die Todtenlache ====== (Gedicht in Henneberger Mundart.) Kenner((Kinder)), gett mer net ze noah\\ On die Toadelache!\\ Bodeloas is d's Waffer doah,\\ Wu die Nabel((Nebel)) rache((rauchen)).\\ Pooprig((schwankend)) is der ganze Grond;\\ Mit en Zau((Zaun)) ömgabe\\ Sollt der Schoolze Freß en rond\\ Für der Kenner Labe((Leben)).\\ Unn wenn ich euch erst wöllt söäh((sagen)),\\ Woas ich vo mein Hährlas((Großvater))\\ Wäs((weiß)), ihr gingt alläh net meah\\ In die schwärze Beärla.((schwarze Beeren, Preißelbeeren))\\ Komm Hann Deädem((Hans Adam)) zu mer här\\ Hann - Madläe((Johanne Magdalene)) bend's Bläßla((Bläßchen (braune und weiße Kuh und dergl.) ))\\ Dort on selle Steckel((Pfahl)) när,\\ Köpp((Kaspar)) seh dich ofs Fäßla!\\ D's Hehrla is tä Lügesoak;\\ ' rächt((es rechte, harkte)) emoal of'm Wiesla\\ On en Sonntig Nachmittoak\\ Grommet mit sein Liesla.\\ ' woar die ganze Woache laang\\ Stabig Wend und Water,((Wind und Wetter))\\ Of amoal schreit's dort on Haang\\ Wie a Roabelaader.((Rabenleder, Rabenluder, so viel wie Rabenaas, ein Schimpfwort))\\ D's Hehrla sitt sich öm, doa guckt\\ Aus der Toadelache\\ Deppes raus, as wenn es spukt,\\ Mit zwä schwärze Age.((Augen))\\ Un a Mädle sprengt on's Laand,\\ Gruuß, wie d's Nickels Duhrle,((Dorchen))\\ Dem den Hals a Nüsterbaand,\\ Schwärz wie unner Muhrle.((Mohrchen, so werden insgemein alle schwarzen Hausthiere genannt))\\ Un a schuppig Müder hoat's ,\\ Mit an Perlesträusle,\\ Un an roathe Buseloak,\\ Wie das Aechel Däusle.((das Eicheldaus))\\ Daber alle Hoar zu Bärk\\ Unnern Leutlen strabte,\\ Denn an Schwanz hoat's lang und stärk,\\ Of dam's flugs forttrabte.\\ Wie'n in des Präcepters Buuch\\ Un in unnerer Bibel\\ Hoat der Fiisch, der'n Jones trug,\\ Bis en halt wur übel.\\ Daber sätt, jest of die Bäh((Beine))\\ Macht sich's Wassermädle,\\ Schnellt fort über Kraut und Klä,\\ Wie a Kutscherädle.\\ Hie fagt's mit sein lange Schwanz,\\ Mit der roathe Weste,\\ Of die Hudelburg zum Taanz\\ Mit den Hochziggäste.\\ Sätt när o! mei Jomfers((Jungfer)) Fiisch\\ Ueber Triet und Schwelle,\\ Mir nis, dir nis hennern Tiisch,\\ Zu en Jonggeselle.\\ Un se wie se geffe hom, ((gegessen haben))\\ Fliegt's mit Puuk un Müder\\ Dem die alte Lenne((Linde)) rom((herum))\\ Mit den lange Frieder.\\ Un dam hoat ses overtraut,\\ 'S wär a Nixemädle,\\ Ewig gern mit ihm als Braut\\ Zög's ins Schleusestädtle.((Schleusestädtchen - Schleusingen))\\ Denn der Frieder woar a Mo,((Mann))\\ Oallzig((Allzeit)) of den Bänne((Beinen)),\\ Känn((Keinen)) kriegt sie derhämmm a so,\\ Mocht je laff((laufen)) un renne.\\ Mordgern hatt er d's Nixle a,((auch))\\ Truh ihr'm Schwanz un Schwärze,\\ Mocht er Alles gern gegah((geben)), \\ Gern se küß und härze.\\ Daber Dabed wörd's nunmeah,\\ D's Nixle muß nu onig.((hinweg, nach Hause))\\ Lab' wohl, Frieder! ich muß geah,\\ In der Lache wohn' ich.\\ Dach((Ach)) doas Beßle((Bischen)) Luust un Fröäd((Freude))\\ Kost mich g'wiest((gewiß)) mei Laabe!\\ Denn wie ich hatt's lang kei Möäd((Magd, Mädchen))\\ Of den Erdelaabe.\\ Un sie joammert wack((hinweg)) un heult,\\ Muß von mein Getreue !\\ Dach ich hoah ze lang geweilt,\\ Kost mich better((bitter)) Reue.\\ Geah morn((morgen)) zu der Lache fort!\\ Is se bläch, wie Toadte,\\ Hoat mei Voater mich gemordt,\\ Daß ich en verroathe.\\ In ihr Hämmet((Heimath)) gett se hie\\ Un mei Frieder stapelt((etwa tappt; stapeln ist ohne Umschreibung nicht übersehbar, bezeichnet ein rasches Fortschreiten über Stock und Stein mit bisweiligem Stolpern, wobei der Wanderer sich eines Stabes bedient.)) Handigs ((behend)) fort, gleich Manntig((Montag)) früh,\\ Un sei Herz em zapelt .\\ Daber bläch un roath wie Blut\\ Is ze früh die Lache. -\\ Frieder röckt sich well((wild, verzweifelnd)) den Hüt\\ Ob der blut'ge Rache.\\ Hoast du mir dei Labe g'schenkt,\\ Schenk ich dir mei Labe.\\ Flugs zur liebe Nix er sprengt\\ In den roathe Groabe.((Graben))\\ Dröm mei Ladig((Lebtag.)) häßt mer noch,\\ Wu die Nabel rache,\\ Dort sell((jenes, dasselbe)) gruuß, gewaltig Looch\\ När die Toadelache.\\ //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen mundart vers v0}}