[[sagen:tss3371|<<<]] | **[[capitel:tss3000|Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg]]** | [[sagen:tss3373|>>>]] ====== Die Nixe der Todtenlache ====== Einstmals geschah es, daß aus der Todtenlache eine Nixe herauskam, anzusehen, wie ein junges schlankes Mägdlein; um den Hals trug sie ein schwarzes Nüsterband((Nüster heißen im Hennebergischen alle Granaten und Korallen- oder dunkle Perlenhalsbänder; das Wort ist von den Küglein der Paternoster abzuleiten.)), um den Leib ein schuppiges Mieder, so seegrün, wie das Wasser der Lache, mit einem rothen Busentuch und vorgestecktem Perlenstrauß. Um die Lenden schlang sich ein scharlachrother Schurz, hintennach schleifte sie aber einen häßlichen Fischschwanz. Auf der Hudelburg, einem Wirthshaus ohnweit Rappelsdorf, wurde so eben ein Hochzeittanz gehalten, dorthin eilte flugs das Nixlein, setzte sich hinter den Tisch zu einem frischen Junggesellen, der lange Frieder geheißen, und trieb mancherlei Kurzweil mit ihm, der sie bald liebgewann, tanzte auch fröhlich mit ihm um die Linde. Dabei vertraute sie ihm Manches, unter anderm auch, daß sie gar zu gern seine Braut wäre, und herzte und küßte ihn. Darüber kam der Abend herbei und die Nacht, und nun sprach das Nixchen weinend zu ihrem Friedel: Nun muß ich mich von Dir scheiden und wieder in jenes Wasser hineingehen, wo ich wohne. Zu lange bin ich schon hier geblieben bei Dir, mein Geliebter, und da ich gegen meines Vaters Gebot hierher gekommen bin, werde ich wohl die hier und mit Dir genossene Lust mit dem Leben büßen müssen. Wie weh thut mir der Abschied. Lebe wohl und gehe morgen hin zur Lache, findest Du sie hell und grün, so lebe ich, findest Du sie bleich und todtenfarb, so ists vorbei mit mir. Und gab ihm einen Kuß und entwich. Am andern Morgen ging der Frieder eilend hin zu dem kleinen See, fand ihn bleich und blutig, und voll Sehnsucht und Liebesgram sprang er hinein in die Todtenlache, um sich durch den Tod mit der lieben Nixe zu vereinen. Diese Sage hat ein begabter, aber früh geschiedener vaterländischer Dichter, Deckert in Schleusingen, in einem schönen Gedicht so scherz- als musterhaft in henneberger Mundart besungen, wie hernach folgt. //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung, Band III S. 236/237// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen v0}}