[[sagen:tss3210|<<<]] | **[[capitel:tss3000|Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg]]** | [[sagen:tss3212|>>>]] ====== Die Mühlberger Fehde ====== Mehr als einmal ist Schloß Mühlberg hart belagert worden. So 1089 vom Kaiser Heinrich, der auch Gleichen bedrängte, aber abgeschlagen wurde, und im Jahr 1310 von den Erfurtern, die ebenfalls von der Besatzung mit großem Verlust in die Flucht geschlagen wurden. Noch ers eignete sich aber in späterer Zeit eine merkwürdige Nachbarfehde zwischen den Burgen Mühlberg und Gleichen, von der ein altes Gedicht erzählt. Auf Mühlberg saßen Burgmänner, Namens von Hellbach, und eine Wittwe dieses Geschlechts wohnte dort, die einen etwas entarteten Sohn hatte, Hans genannt, welcher nichts lieber that, als sich müssig in der Gegend umherzutreiben und Unheil anzurichten. Da bat nun die Wittwe ihre Freundin, die Gräfin von Gleichen, diesen Sohn, wenn er sich in der Nähe von Gleichen blicken lasse, anzuhalten und gefänglich einzuziehen, welches auch ins Werk gesetzt wurde. Junker Hans ward gefangen und in eine entlegene Kammer gesteckt. Das Unglück aber wollte, daß in derselben Nacht ein Schloßbrand entstand, welcher zwar wieder getilgt wurde; aber in der Bestürzung hatte Niemand an den jungen von Hellbach gedacht, und er ward, vom Dampf erstickt, todt in seiner Kustodie gefunden. Nun war großes Herzeleid um den armen Junker; hatte er vorher nichts getaugt, so sollte er nunmehr so viel Silber werth sein, als er wog, und dieses Silber verlangten die Hellbachs von den Gleichen, das diese weder bezahlen wollten, noch konnten. Da kam es denn zur heftigen Feindschaft und Fehde, welche mehr als ein Jahr währte. Im Anfang konnten die Hellbachs den mächtigern Gleichen wenig anhaben, als aber Dietrich von Hellbach, wahrscheinlich ein Bruder des Erstickten, zu männlichen Jahren kam, griff er oft den Grafen tapfer an und rannte mit Ungestüm um die Burgen. Es wurde mit wechselndem Glück gestritten, und mancher Hohn und Spott lief da mitunter, wie unter andern das alte Gedicht singt: Wenn gelbach schos an Schlos zu Gleichn\\ Gar hönlich teten sies abstreichn\\ Mit einem Fedderwische bald\\ Und spotten sein ganz manigfalt. \\ Linstmal ein Roch im Fenster sas \\ Vnd trank leer aus einm langen Glas \\ Damir ehr Helbachs spotten that \\ Welcher ein stück darauf ablath \\ Und schos den den als ehr so trank \\ Das Glas fürm Maul entzwei das klang.\\ Endlich bot der Graf von Gleichen, aus Furcht, die Stadt Erfurt möchte sich in diese Händel mischen, Sühne und Vergleich, und verhieß seinem Gegner jährlich ein Füllen aus Reinhardsbrunn, womit dieser zufrieden war und endlich das Fohlen demselben Kloster zu Scelmessen und Vigilien für ihn und seine Nachkommen übermachte. //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen v0}}