[[sagen:tss3201|<<<]] | **[[capitel:tss3000|Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg]]** | [[sagen:tss3203|>>>]] ====== Der schwarze Ritter ====== So lautet eine andere Kunde: Ernest hatte einen Nachkommen, Namens Sieghart, dessen Sohn hieß Wittekind, zubenannt der schwarze Ritter, und lebte zu den Zeiten Pipins, des Frankenkönigs, und Karls des Großen. Er war berühmt als ein gewaltiger Kriegsmann, streng und tapfer, und diente als Feldherr dem Sachsenkönig Edelhart gegen die Franken. In einer großen Schlacht jenseits der Weser, nicht weit von Iburg, focht er wie ein grimmiger Löwe, erlegte manchen kühnen Franken, machte drei fremdländische Ritter, Thomas de Abbatia, Heribertus de Granada und Grimhold de Iberia, zu Gefangenen und schenkte sie seinen Befreundeten als Beutepfennig. Später aber geschah es, daß der schwarze Ritter von Kaiser Karls Genossen gefangen, nach Frankreich geführt und fünf Jahre lang in Haft gehalten wurde, weil er sich weigerte, das Christenthum anzunehmen. Endlich aber auf das Zureden des großen Kaiser Karl ließ er sich taufen. Kaiser Karl machte den tapfern Wittekind zum Feldherrn über das Heer, das er nach Spanien gegen die Saracenen sandte, und der Ritter bat ihn, daß er ihm gestatten möge, zuvor seine Söhne zu sehen und zu segnen. Die kamen dann mit 200 Rittern gen Worms, und da Karolus die zwei Jünglinge von trutzigem Antlitz und Gemüth sah, sprach er: Es ist wahr, daß ein Wolf kein Lamm erzeugt. Hierauf ließen sich auch diese beiden, Walprecht und Wittekind, taufen, welche die Namen Ludwig und Karl empfingen, und Kaiser Karl begnadigte sie mit einem großen Stück Landes am Thüringer Walde, und Ludwig wurde der Ahnherr der Grafen von Gleichen in Thüringen. Dieser baute seine Burg ohnweit dem Schlosse Mühlberg in ein heitres fruchtbares Gefilde, auf einem frei aufsteigenden hohen Berg, unter dem die Landstraße aus dem Walde nach Franken sich hinzog. //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung, Band III S. 107-108// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen v0}}