[[sagen:tss3120|<<<]] | **[[capitel:tss3000|Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg]]** | [[sagen:tss3122|>>>]] ====== Die Sterner ====== Während über Thüringen und Meißen die Landgrafen [[vip:friedrichiiimeissen|Friedrich der Strenge]], [[vip:balthasarvonwettin|Balthasar]] und [[vip:wilhelmdereinaeugige|Wilhelm]] gemeinschaftlich und einträchtig herrschten, ihre Unterthanen gegen Bedrückungen schützten, ihr Land vertheidigten, und ihre Feinde demüthigten, erhob sich im benachbarten Hessenlande ein Unwille der Ritterschaft gegen ihren Herrn, den Landgrafen Hermann, der ein sanfter und mäßiger Mann war; er hatte studirt, war Domherr im Stift Magdeburg gewesen, und hatte nicht viel ritterliche Uebung gepflogen. Als er zum Land kam, fand er in seinen Schlössern und Aemtern schlechten Haushalt, entsetzte viele Amtleute und Vögte ihrer Aemter, und richtete seinen Hofhalt sparsam ein, um für Nothfälle wieder zu Kräften zu gelangen. Das machte ihn bei der Ritterschaft verhaßt, und auf Anstiften des Herzogs Otto des Quaden (bösen) von Braunschweig that sich ein Bund zusammen, an welchem Fürsten, Grafen und Herren Theil nahmen und jeder wollte sich an dem Landgrafen versuchen, und waren wider ihn. Herzog Otto aber war ein Enkel Heinrichs des Eisernen, Landgrafen von Hessen, und meinte, daß sein Aeltervater ihn billiger zum Lande gefördert haben würde, als seines Bruders Sohn, Landgraf Hermann. Auf des Herzogs Veranlassung wurde der Graf Ziegenhain Anführer des Bundes, der führte einen Stern im Wappen, und dieser Stern ward als Bundeszeichen von allen angenommen, und an Helmen und Hüten von Gold und Silber getragen, deshalb nannten sich die Verbündeten die Sterner, und breiteten sich aus in dem Hessenlande, in Westphalen, Buchonien, Franken, am Rhein, in der Wetterau, warben auch in Thüringen Anhang, und waren ihrer über zweitausend, welche mehr als viertehalbhundert Burgen besaßen. Die schwuren sich alle zusammen gegen den Hessenfürsten, ihm Land und Leute zu verstören, und die Obersten waren schon unter sich eins worden, was jeglichem zu Theil werden sollte. Niemand konnte mehr sicher vor dem Bunde wandern; seine Anhänger verspotteten den frommen Fürsten, und hießen ihn den blöden Hessen.(("Blinder Hesse" ist noch immer volksübliches Scheltwort bei unvorsichtigem und blöden Thun.)) So weit sogar erstreckte sich der Bund, daß unter des Fürsten Hausgesinde und Hofdienerschaft, die täglich sein Brod aßen, viele heimlich den Stern trugen, um sicher zu sein, wenn es zu offenbarer Empörung komme. Als es nun so weit war, daß Landgraf Hermann auf dem Markte zu [[geo:Marburg]] von seinen Rittern und Vasallen sagen konnte, es seien ihrer so wenige ihm treu geblieben, daß er sie alle mit einem Brote speisen könne, nahm er die Hülfe seines Volkes in Anspruch und suchte den Schutz seiner Nachbarfürsten, der Landgrafen von Thüringen. Diese verboten sogleich in ganz Thüringen allen Rittern, bei Verlust ihrer Lehen, in den Sternbund zu treten, und zogen dem Hessen zu Hülfe. Aber die Sterner zogen mit Macht in die Stadt [[geo:Erfurt]], und thaten dem Landgrafen großen Schaden. Darauf sammelte der Hessenlandgraf seine Hülfe, und zog mit 6000 Rittern und Knechten, Bürgern und Bauern vor die Stadt, und die Landgrafen und andre Freunde stießen mit Heeresmacht zu ihm, so daß an 30000 Mann vor Erfurt lagen. Und als sie 14 Tage gelegen, kam [[vip:karliv|Kaiser Karl IV.]] und sein Sohn Wenzel ebenfalls dem Landgrafen zu Hülfe, lagen auch vor Erfurt, und thaten der Stadt an Feldern und Weingärten großen Schaden. Aber die Stadt hielt sich tapfer unter den Sternern, bis nach einer sechzehnwöchentlichen Belagerung der Kaiser sie mit ihren Fürsten verglich und aussöhnte. Was von Rittern und Herren in Erfurt war, war im Dunkel der Nacht heimlich hinweggeritten. Und erst nach drei Jahren gelang es den verbündeten Fürsten, die Bundesgenossen dahin zu bringen, daß sie sich schämten, den Stern zu tragen. In dieser Zeit kamen viele Ritterbündnisse in Thüringen und den Nachbarlanden auf. So der Bund der Sitticher, die Gesellen der alten Minne; die Gesellen von dem Horne, die Ritter von dem grimmen Löwen am Rheine, die Falkner in Westphalen, die Bengler oder Klopfer in Hessen. Alle diese Bündner einigten sich entweder unter einander zu blos gegenseitigem Schutz und Trutz und zum Druck der Bürger in den Städten, oder sie waren gegen die Fürsten und Lehnsherrn gerichtet, wie der Bund der Sterner, und thaten Land und Leuten großen Schaden. //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen friedrichiiimeissen balthasarvonwettin wilhelmdereinaeugige karliv erfurt marburg belagerung ritterbund v1}}