[[sagen:tss2344|<<< zurück]] | **[[capitel:tss2000|Sagen aus Thüringens Frühzeit, von Ohrdruf und dem Inselberge]]** | [[sagen:tss2346|weiter >>>]] ====== Hannsen von Frymars Treue ====== Der thüringische Landgraf Friedrich, den man den Ernsthaften nannte, derselbe, welcher sich in England zum Ritter schlagen ließ, kam in heftige Fehde mit dem Grafen Heinrich von Henneberg, seines Sohnes Friedrich Schwiegervater, dem er die seinem Sohn angetraute Schwiegertocher wieder zusandte, weil jener die Herrschaft Koburg dem Sohn nicht abtrat, wie er doch verheißen hatte. Der Landgraf kaufte von den Herren von Salza Salzungen und Frankenstein, und das Schloß Altenstein; von wo aus er das Henneberger Land schädigte; der Henneberger aber kam über den Wald und besetzte das Schloß Scharfenberg mit seinem Volk, das täglich herausfiel und bis nach Gotha, Eisenach und Tenneberg streifte. Nun rüstete sich der Landgraf mit seinen Mannen und Städtern, legte sich vor Scharfenberg, rief die von Erfurt zu Hülfe, die fanden sich mit Bliden und anderm Sturmzeug wohl bereitet vor Scharfenberg ein, hätten es auch genommen, wenn das nicht die alte Fürstin, des Landgrafen Mutter, verhindert, indem sie sprach: Wird es genommen, so zerbrechen es die von Erfurt, weil es nicht in die Herrschaft zu Thüringen gehört, was Dich, Sohn, dann reuen würde, indem das Schloß sonst noch wohl Deinem Sohn Friedrich werden möchte. Indeß sammelte nun der Graf ein großes Heer von Franken, seinen Freunden, kam daher gefahren über das Volk vor dem Scharfenberg, und da erhob sich ein großes Streiten. Viel guter Leute wurden erschlagen oder gefangen, und der Landgraf wär selbst umgekommen, wäre er nicht geritten als ein einfältiger gemeiner Ritter ohne Schmuck und Helmzier. Immerdar auch war ihm zur Seite der alte Hans von Frymar, ein Bürger von Eisenach, ein großer, starker hagerer Mann, der auf einem auch großen, hohen und starken Pferde saß, der beschützte den Landgrafen mit seiner gewaltigen Streitaxt allewege, hatte gar gute Acht auf seinen Herrn und wartete seiner besonders. Der Landgraf Friedrich verlor die Schlacht, söhnte sich aber hernach mit dem Henneberger wieder aus um seines Sohnes willen, der die Hennebergerin wieder annahm, und es wurde getheidingt, daß nach des Hennebergers Tode das versprochene Heirathsgut, die Pflege Koburg mit Sonnenberg und andern Schlössern an Thüringen fallen sollte, was auch noch in demselben Jahr geschah; so kamen Coburg, Königsberg, Sonnenberg, Neustadt, Rodach und Ummerstadt an Thüringen, und die gefürstete Grafschaft Henneberg um die herrliche Pflege, und die Henne um das gute Ei. //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung, Band II S. 143-145// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen v0}}