[[sagen:tss2323|<<< zurück]] | **[[capitel:tss2000|Sagen aus Thüringens Frühzeit, von Ohrdruf und dem Inselberge]]** | [[sagen:tss2325|weiter >>>]] ====== Kirche und Kanne im Kirchberg ====== Am Kirchberg bei der Ruhl stand zu den katholischen Zeiten die Kirche, und nahe dabei lag die alte Ruhl; eine gute viertel Stunde hatten die Rühler nach der Kirche zu gehen. Und bei der kleinen Halde im Aschhof lag ein Kloster, von dem hat ein gepflasterter Weg bis zur Kirche geführt. An der Stelle, wo die Kirche stand, hat mancher schon eine blanke silberne Kanne stehen sehen, aber keiner hat sie an sich gebracht, denn entweder hat es einer dem andern, wenn mehre mitsammen gingen, laut zugerufen und nach der Stelle gezeigt, oder ist sonst laut geworden, da denn jedesmal die Kanne verschwunden. Vielleicht zeigte die Kanne einen großen Schatz an, der dort steht, aber nur stillschweigend gehoben sein will. Wer seine Zunge nicht schweigen kann, wird nie in dieser Welt einen Schatz heben. Der Großvater des alten Dörling (so treu hat sich der alten Thüringer Chronikenname noch als Familienname erhalten und fortgepflanzt) war ein Marktgänger und kam einstmals nach Sachsen, wo er in einem Wirthshaus einkehrte. Nicht lange währt es, als der Wirth zu ihm tritt und ihm sagt, es wär ein Barfüßer-Mönch da, der ihn gerne sprechen wolle. Vielerlei fragte der Mönch den Mann aus der Ruhl aus, wie des Ortes Beschaffenheit sei, und meinte, der Dörling müsse ja des Klosters und der Kirche Stelle kennen, es stecke da noch etwas, ob er nichts davon gehört habe? Dörling kannte allerdings die Stellen und erzählte, was er wußte, wie einer das, der andere jenes Ding gesehen habe, so zum Beispiel: Es kam eine alte Frau zum Pfarrer, die sagte, sie habe bei dem Brunnen nahe dabei eine schöne gelbe Blume stehen sehen, und ihr Sohn habe ihr gerathen, es ihm, dem Pfarrer, zu sagen. Darauf ging der Pfarrer mit ihr, sie fanden aber nichts. Nach diesen und ähnlichen Reden verließ der Mönch den Großvater des alten Dörling, einige Zeit darauf jedoch kam er selbst und suchte ihn in der Ruhl auf. Jener führte ihn willig an Ort und Stelle, der Mönch forschte her und hin nach, endlich sagte er, es stecke gar nichts mehr verborgen, als zwei kleine Glocken. Man schlug auch ein, fand aber nichts. Die Kirche soll der heiligen Elisabeth geweiht gewesen, nach ihr geheißen, und nebst dem Kloster im thüringischen Bruderkrieg zerstört worden sein. Nichts ist mehr davon vorhanden, als der Platz des Eingangs und einige Teiche. //Quellen:// * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung// ---- {{tag>sagen bechstein tss thüringen v0}}