[[sagen:sat235|<<< zurück]] | **[[capitel:sat-b|Sagen aus Thüringen - Orts- und Volkssagen]]** | [[sagen:sat237|weiter >>>]] ====== Die verwünschte Frau mit dem Kartoffelteller ====== Thuringia. 1841. S. 681. In dem Dorfe Moderwitz lebte eine böse, zänkische und geizige Frau, die kein Mitleid kannte und Hungrigen, die sie um ein paar Kartoffeln ansprachen, schnöde die Thüre wiess. Zur Strafe wurde sie in die Eichleite verbannt, ein kleines Hölzchen, das am Wege von Moderwitz nach Köthnitz gelegen war. Dort erscheint sie noch oft mit einem Teller in der Hand, auf welchem drei Kartoffeln liegen; wer ihr aber begegnet, muss bald darauf sterben. Einst that ein Bauer aus Steinbrücken an jener Stelle Stöcke heraus, da erschien ihm jenes Weib und reichte ihm schweigend ihren Teller mit Kartoffeln hin, gleich als wolle sie ihn bitten, sich eine Kartoffel zuzulangen. Der Bauer lief aber erschrocken davon und schon nach wenigen Tagen war er gestorben. Hätte er nur eine der dar gereichten Kartoffeln vom Teller genommen, so wäre das Weib erlöst gewesen. Später ritt einmal der Oberförster von Arnshaugs an jener Stelle vorüber. Es war ein rauher stürmischer Abend und nur selten blickte der Mond aus dem Gewölk hervor. Plötzlich wurde das Pferd scheu und bäumte sich, der Oberförster blickt auf und gewahrt, da eben der Mond hinter einer Wolke hervortritt, die Frau mit ihrem Kartoffelteller. Furcht und Entsetzen erfasst ihn, er gibt seinem Pferde die Sporen und saust im gestreckten Galopp dahin, aber schon nach wenigen Tagen war er eines plötzlichen Todes gestorben. //Quellen:// * //[[autor:Witzschel|Dr. August Witzschel]]: [[buch:sat|Sagen aus Thüringen]]. Meersburg und Leipzig 1930// ---- {{tag>sagen witzschel sat thüringen moderwitz hunger kartoffel steinbrücken arnshaugs förster teller erlösung v1}}