[[sagen:sat134|<<< zurück]] | **[[capitel:sat-b|Sagen aus Thüringen - Orts- und Volkssagen]]** | [[sagen:sat136|weiter >>>]] ====== Das Lied vom Tanhauser ====== Uhland Volkslieder Nr. 297. S. 762 ff. Wir haben alte Lieder von dem edlen [[wesen:Tannhäuser]], dass er sei in Frau Venus Berg gezogen, das grosse Wunder zu schauen, und darinnen geblieben, wie solches auch nachfolgendes Lied erzählt. Nun will ich aber heben an\\ von dem Danhauser singen\\ und was er wunders hat getan\\ mit Venus, der edlen Minne.\\ Danhauser was ain ritter guot\\ wann er wolt wunder schawen,\\ er wolt in fraw Venus berg\\ zu andren schönen frawen.\\ „Herr Danhauser, ir seind mir lieb,\\ daran sölt ir gedenken !\\ ir habt mir ainen aid geschworn :\\ ir wölt von mir nit wenken. "\\ „Fraw Venus! das enhab ich nit,\\ ich will das widersprechen,\\ und redt das iemants mer dann ir\\ gott helf mirs an im rechen !“\\ „Herr Danhauser, wie redt ir nun ss\\ ir sölt bei mir beleiben ;\\ ich will euch mein gespilen geben\\ zu ainem ftäten weibe."\\ „Und näm ich nun ain ander weib\\ ich hab in meinen sinnen:\\ so muest ich in der helle gluot\\ auch ewiklich verprinnen.“\\ „Ir sagt vil von der helle gluot,\\ habt es doch nie empfunden,\\ gedenkt an meinen roten mund !\\ der lacht zu allen stunden.“\\ „Was hilft mich euer roter mund?\\ er ist mir gar unmäre;\\ nun gebt mir urlob, frewlin zart,\\ durch aller frawen ere!"\\ „Danhauser! wölt ir urlob han\\ ich will euch kainen geben;\\ nun pleibt hie, edler Danhauser,\\ und fristen euer leben!"\\ „Mein leben das ist worden krant,\\ ich mag nit lenger pleiben;\\ nun gebt mir urlob, frewlin zart,\\ von eurem stolzen leibe!"\\ „Danhauser, nit reden also!\\ ir tuond euch nit wol besinnen;\\ so gen wir in ain kemerlein\\ und spilen der edlen minne!"\\ „Eur minne ist mir worden laid,\\ ich hab in meinem sinne:\\ fraw Venus, edle fraw so zart!\\ ir seind ain teufelinne.“\\ „Herr Danhauser, was redt ir nun\\ und dass ir mich tuond schelten?\\ und söllt ir lenger hier innen sein\\ ir muestens ser entgelten."\\ „Fraw Venus! das enwill ich nit,\\ ich mag nit lenger pleiben.\\ Maria muoter, raine maid,\\ nun hilf mir von den weiben.“\\ „Danhauser, ir sölt urlob han,\\ mein lob das sölt ihr preisen,\\ und wa ir in dem land umb fart\\ nemt urlob von dem greisen !“\\ Do schied er widrumb aus dem berg\\ in jamer und in rewen:\\ „ich will gen [[geo:Rom]] wol in die statt\\ auf aines bapstes trewen.\\ Nun far ich frölich auf die ban,\\ gott will mein immer walten!\\ zu ainem bapst der haist [[vip:papsturbaniv|Urban]]\\ ob er mich möcht behalten.\\ Ach bapst, lieber herre mein !\\ ich klag euch hie mein sünde\\ die ich mein tag begangen hab\\ als ich euch will verkünden.\\ Ich bin gewesen auch ain jar\\ bei Venus ainer frawen,\\ nun wolt ich beicht und buoss empfahn\\ ob ich möcht gott anschawen."\\ Der bapft hat ain steblin in seiner hand\\ und das was also durre:\\ „als wenig das steblin gronen mag\\ kumstu zu gottes hulde.“\\ „Und sölt ich leben nun ain jar,\\ ain jar auf diser erden,\\ so wölt ich beicht und buoss empfahn\\ und gottes trost erwerben. "\\ Da zog er widrumb auss der statt,\\ in jamer und in laide.\\ „Maria muoter, raine maid !\\ ich muoss mich von dir schaiden.“\\ Er zog nun widrumb in den berg\\ und ewiklich on ende:\\ „ich will zu meiner frawen zart,\\ wa mich gott will hin senden.“\\ „ Seind gottwillkomen, Danhauser !\\ ich hab eur lang emboren;\\ seind willkom, mein lieber herr,\\ zu ainem buolen ausserkoren!"\\ Es stond biss an den dritten tag,\\ der stab fing an zu gronen,\\ der bapst schickt auss in alle land:\\ wa Danhauser hin wär komen?\\ Do was er widrumb in den berg\\ und het sein lieb erkoren,\\ des muoss der vierde bapst Urban\\ auch ewig sein verloren.\\ //Quellen:// * //[[autor:Witzschel|Dr. August Witzschel]]: [[buch:sat|Sagen aus Thüringen]]. Meersburg und Leipzig 1930// ---- {{tag>sagen witzschel sat v2a}}