[[sagen:sagenschwaben173|<<< vorherige Sage]] | **[[capitel:sagenschwaben04|Kapitel 4]]** | [[sagen:sagenschwaben175|nächste Sage >>>]] ====== Der Michelstein ====== Eine mündliche Überlieferung aus Oberessendorf Im Oberamt Waldsee, zwischen Ober- und Unteressendorf liegt ein Berg, der gewöhnlich die »Halde« genannt wird. Auf einer Höhe dieser Halde liegt ein sehr anmutiger Bauernhof, der von alters her der »Venusberg« heißt. Man weiß aber nicht mehr, woher dieser Name stammt. Nicht weit von diesem Venusberg ist neben den Ruinen des Schlosses Landau ein mächtiger Fels, aus dem eine Quelle entspringt. Zu der sind früher die Leute viel gewallfahrtet und haben mit dem Wasser sich gewaschen, denn es soll wundertätige Kräfte besitzen. Außerdem ist in dem Michelstein ein ausgehöhlter Platz, darin sich eine förmliche Lagerstatt für einen großen, riesenmäßigen Menschen befindet. In diese Vertiefung hat man ehedem sich oftmals gegen Rückenschmerzen und andere Übel hineingelegt. In alten Zeiten aber sollen hier zwei Brüder, der heilige Michel und Martin gewohnt haben, und von dem Ersteren hat der Fels auch seinen Namen erhalten. Da sagte einstmals Michel, er wolle vom Berg herab einen Stein in die Ebene werfen, und wo derselbe niederfalle, da solle man eine Kirche bauen. Nun hob er ein großes Felsenstück auf und warf es fast eine halbe Stunde weit bis nach Oberessendorf, woselbst man auch alsbald auf diesem Felsen eine Kirche erbaut und dem heiligen Michael geweiht hat. Darauf hat denn auch sein Bruder, Sankt Martin, die benachbarte Kirche in Unteressendorf gestiftet und steht ihr noch jetzt als Schutzheiliger vor. //Quelle: [[buch:sagenschwaben|Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben]], gesammelt von [[autor:ernstmeier|Dr. Ernst Meier]], Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852// ---- {{tag>sagen ernstmeier sagenschwaben schwaben riese Oberessendorf v0}}