[[sagen:sagenbuchlausitzII-263|<<< vorherige Sage]] | **[[capitel:hauptortssagen|Dritte Abtheilung: Ortssagen]]** | [[sagen:sagenbuchlausitzII-265|nächste Sage >>>]] ====== Unwürde, Wuher ====== Wendische Lieder I. 40. Die Herren von Unwürde waren ein altes adeliges Geschlecht, aber in der Vorzeit übel berüchtigt. Davon singen noch heutigen Tages die [[volk:sorben|Wenden]] in der [[region:Oberlausitz]] ein beliebtes Lied. In dem Land' Unwürde\\ Ist gar große [[lex:Fehde]],\\ Konnte dort nicht bleiben\\ Reine reine Fräule,\\ Reine reine Fräule,\\ Reines Bauern Tochter\\ Konnte dort nicht wohnen,\\ Keine blühende Jungfrau,\\ Als die einzige eine,\\ Als des Schänken Tochter,\\ Dort in [[geo:Niedergurig]],\\ Namens Katharinchen.\\ Als dies hat erfahren\\ Der Herr von Unwürde,\\ ließ er gleich sich fahren\\ Auf den Markt zu [[geo:Görlitz]];\\ Hat sich lassen kaufen\\ Eine Rolle Leinwand,\\ hundert [[lex:elle|Ellen]] Sammet\\ Und auch weiße Seide;\\ Hat sich lassen nähen\\ Eine Frauenkleidung,\\ Hat sich lassen Kleiden\\ In die Frauenkleidung;\\ Hat sich lassen fahren\\ Als ein ehrbar Fräulein\\ Hin nach Niedergurig,\\ Auf den Hof des Schänken.\\ "Grüß dich Gott, mein Schänke!\\ Wolltest du berbergen\\ Nur ein einziges Nächtchen\\ Mich und meine Pferde?"\\ "Will dich wohl herbergen,\\ Doch ich hab' kein Bette,\\ Hab' für dich kein Bette,\\ Stall nicht für die Pferde."\\ "Laß doch, laß das Bette!\\ Laß doch, laß die Pferde!\\ Mögen steh'n die Pferde\\ Mitten auf dem Hofe.\\ Aber ich will liegen\\ In der dunkeln Kammer,\\ In der dunkeln Rammer,\\ Auf dem harten Bänkchen.\\ Nur verbirg mich sicher,\\ Dem Herrn von [[geo:Unwürde]],\\ Dem Herrn von Unwürde,\\ Diesem bösen [[wesen:Teufel]]."\\ "Sollt' ich dich herbergen\\ Heute Nacht im Hause,\\ Sollt ich dich verbergen,\\ Müßt ich dich verschließen.\\ Hinter die neun Schlöfser,\\ or win das zehnte Stübchen,\\ Dort zu Katharinchen,\\ Meiner schönen Tochter."\\ Als dort war gekommen\\ Mitternachts um zwölfe,\\ Mitternachts um zwölfe,\\ Fing sie an zu schreien:\\ "Sei es Gott geklaget\\ Ueber meinen Vater,\\ Ueber meinen Vater\\ Und den von Unwürde.\\ Und den von Unwürde,\\ Diesen bösen Teufel,\\ Der mir stahl die Unschuld\\ Und mein grünes Kränzchen."\\ "Warum weinst du, Mädchen?\\ hast ja hier drei Schlösser,\\ Schlösser wohlgemauert,\\ Und gar große Güter."\\ "Laß doch, laß die Schlösser,\\ Schlösser wohlgemauert,\\ Laß doch, laß die Güter,\\ Deine großen Güter.\\ Kauf um Gold mir Schlösser,\\ Kauf um Silber Güter,\\ Aber Unschuld kauf ich\\ Nicht um Gold und Silber.\\ Kam ich sonst fahren,\\ Riefen alle Leute:\\ Seht, hier kommt die Jungfrau,\\ Des Schänkwirthes Tochter.\\ Komm ich jetzt gefahren,\\ Werden alle rufen:\\ Seht! hier kommt die Buhle\\ Des Herrn von Unwürde."\\ //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862// ---- {{tag>sagen karlhaupt sagenbuchderlausitz2 oberlausitz unwürde ortssagen lied ballade jungfrau niedergurig leinwand elle v2}}