[[sagen:ohsb047|<<< zurück]] | **[[capitel:ohsb003|III. Umzüge der Götter]]** | [[sagen:ohsb049|weiter >>>]] ====== Der wilde Jäger am Mahnerweg ====== In Michelbach war ein Mädchensding, das wollte sein Vater zwingen, es sollte einen Burschen nehmen, den es absolut nicht leiden mochte. Weil es nun seinen eigenen Kopf hatte wie eine Schnitzbank, litt es auch sein Vater nicht, dass es auf den Schotter Sommermarkt hinabging zum Tanz mit seinen Kameraden. Er hieß es statt dessen aufs Feld hinausgehen und Korn schneiden. Das Mädchen, was wollte es machen, musste gehorchen, so sauer es ihm auch ankam. Der Acker aber lag am Weg, der von Michelbach nach der Maalsbach führt, und vom Fußpfad von Busenborn nach Schotten durchschnitten wird. Die Sonne brannte ihm heiß auf den Kopf unter der Arbeit, denn es schaffte drauf los, um sich den Brast zu vertreiben, und kein kühles Lüftchen zog daher. So wurde es Mittagszeit, als im Wald erst ein Hund, dann immer mehrere zu bellen und zu heulen anfingen. Dazwischen platzten die Peitschen und Hörner erklangen, Stimmen riefen, und das wurde zuletzt so arg, dass man sein eigenes Wort nicht hörte. Zudem verfinsterte sich die Sonne, ein grausamer Sturmwind beugte die Wipfel der Bäume und es wurde dunkel, als ob es ein rechtes Herrgottswetter (Donnerwetter) geben wollte. Das Mädchen lief bestürzt zum Weg, indem sah es die wilde Jagd daher brausen. Voraus flatterten die Raben, dann folgten an die zwanzig weiße Windspiele, und unter ihnen, hoch zu Ross und grasegrün gekleidet, doch ohne Kopf der leibhaftige wilde Jäger. Er schwang seine Jagdgeisel mit lautem Hallo rings um sich her und sprengte den Berg hinunter, hast du nicht gesehen. Dem Mädchen entfiel aus Angst über diesen Teufelsspuk die Sichel, die ließ es liegen und eilte ohne sich umzusehen ins Dorf, noch immer zitternd und bebend. Daheim erzählte es alles, was ihm begegnet war. Als es viele ihm nicht glauben wollten, erbot es sich auch die ganze Sache vor Amt zu beschwören. Seitdem heißt der Weg der Wahnerweg (Weg, auf dem es wandert, umgeht, spukt). Wer ihn bei Nachtzeit nicht zu gehen hat, der kann sich glücklich preisen. //Quelle: [[buch:ohsb|Oberhessisches Sagenbuch]], Aus dem Volksmund gesammelt von [[autor:bindewald|Theodor Bindewald]]; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873// ---- {{tag>sagen bindewald ohsb hessen oberhessen v0}}