[[sagen:ohsb027|<<< zurück]] | **[[capitel:ohsb002|II. Göttinnen und heilige Bronnen]]** | [[sagen:ohsb029|weiter >>>]] ====== Der Fettborn zu Meiches ====== Wer kennt nicht die Meicheser Totenkirche? Sie liegt einsam auf der Höhe über dem Ort. Wenn man an das Erzählen kommt, könnte man von ihr ein ganzes Reff voll erzählen, dass einem das Maul nicht stillstünde. Vor ihr im Freien steht der alte heilige Taufstein, der ist zerborsten, seitdem einmal Mutwillens halber die Heidenleute (Zigeuner) bei nächtlicher Weile darin Feuer angezündet haben. Ehedem sammelte sich darin Regenwasser, das war allezeit heilkräftig gegen die Augenkrankheiten und die Alten haben es hehlings gar dick oben geholt. Sider selbiger Zeit aber ist seine Wunderkraft auf den Fettborn übergegangen, der im Grund unter der Totenkirche springt, und er ist um deswillen erüm und die düm hoch berühmt. Nun war auch einmal ein Mann dort gewesen, hatte aus der Quelle sich ein Glas vollgefüllt und dasselbe dann unter sein Wams gesteckt. Auf dem Rückweg, denn es wurde damals Heu gemacht, begegnete ihm einer mit der Sense auf dem Buckel, der sprach mit Spott zu ihm: »Nun, warst du auch über dem Born?« Da schämte er sich, dass jener ihn für abergläubisch und nicht für aufgeklärt hielt, und sagte mit saurem Gesicht: »Ich will es nur gestehen, ja, ich habe auch ein Glas voll von dem schlechten Wasser mitgenommen!« Wie er aber das Wort schlecht aussprach, zersprang ihm von selber klirrend das Glas unter dem Wams. Das Wasser lief ihm kalt über den ganzen Leib hinab bis in die Stiefel. Man sieht, das Gute soll man nicht verachten vor bösen Menschen! //Quelle: [[buch:ohsb|Oberhessisches Sagenbuch]], Aus dem Volksmund gesammelt von [[autor:bindewald|Theodor Bindewald]]; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873// ---- {{tag>sagen bindewald ohsb hessen oberhessen v0}}