[[sagen:hsw262|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:hsw|Hessische Sagen]]** | [[sagen:hsw264|nächste Sage >>>]] ====== Lügenstückchen ====== Es waren zwei Handwerksburschen, die reisten selb- ander in der Welt herum und kamen nach Griesgrauheide. Da stand ein Birnbaum, der trug reife Birnen und warf eine herab. Als der König das hörte, bot er all sein Militär auf, die Birne zu suchen, aber sie war geplatzt in zwei Theile, der eine Theil war sieben und siebenzig Ellen tief in die Erde gefallen und den fand man nicht, der andere Theil aber lag noch am Boden und der wurde von dem einen Handwerksburschen gefunden. Da ließ der König den Theil mahlen und das gab sieben und siebenzig Ohm Champagnerwein ohne die Schoppen Birnenwein, die heut und gestern in Darmstadt sind getrunken worden. Dann ließ er auch den Stiel klein machen und das gab sieben und siebenzig Klafter Holz ohne die Prügel und Scheiter. Jetzt setzte der Handwerksbursch seine Wanderschaft fort und kam in einer andern Stadt auf den Marktplatz, da schlugen sich die armen Leute mit den Bettelsäcken herum. Um nicht etwas mitzubekommen, warf er ein Tuch voll Brod unter sie, da ließen sie ihn gehen und er eilte zur Kirche, wo ein birkener Pfarrer die Predigt hielt und ein erlener Schulmeister sang. Als es zum Opfer ging, gab er einen Heller und nahm einen zinnernen Teller voll Kronenthaler. Da sang der Schulmeister Sanctus, der Handwerksbursch glaubte aber, das hieß: Fangt ihn und lief weg, schloß die Kirche zu und warf sie mitten ins Dorf hinein und wenn sie nicht wieder aufgebaut ist, dann liegt sie noch da. //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:hsw|Hessische Sagen]], Leipzig, 1853// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf hsw v0}}