[[sagen:hsw256|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:hsw|Hessische Sagen]]** | [[sagen:hsw258|nächste Sage >>>]] ====== Die Frösche ziehen weg ====== Wenn man von Griesheim nach Escholbrücken will, kommt man an einen Sumpf, darin viel Frösche wohnen. In der Nähe dieses Sumpfes lag das Schulhaus. Nun kam einmal ein neuer Lehrer nach Griesheim, dem war das Quaken der Frösche so unerträglich, daß er erklärte, er müsse eine andere Wohnung haben, oder er gehe weg. Da nun die Griesheimer ihn nicht gerne ziehen sahen, wurde der Gemeinderath berufen und man ging hinaus an den Graben, um zu berathschlagen, was zu thun sei. Als die Räthe in die Nähe des Sumpfes kamen, hörten sie die Frösche wohl, aber als sie daran standen, schwiegen dieselben. Einer der Gemeinderäthe schlug jetzt vor, um dem Uebel abzuhelfen, sei nichts zu thun, als den Graben auszufüllen. Dadurch kommt die Gemeinde aber in eine große Schuldenlast, sprach ein Anderer. Aber wir hören doch keine Frösche mehr, sprach ein Dritter, es kann nicht so arg sein, wie der Lehrer es macht. "Das kommt daher," sagte der Gescheiteste von ihnen, "weil sie vor uns Respekt haben; laßt uns gütlich mit ihnen verhandeln und ihnen Schweigen gebieten." Das geschah, aber als die Räthe sich, mit dem Erfolg zufrieden, wieder in den Ort zurückbegeben wollten und ein Stück Wegs gegangen waren, schrieen die Frösche wieder so lustig, wie vorher. "Sie haben noch etwas auf dem Herzen, laßt uns sie hören," sprach einer der Räthe und sie kehrten zu dem Sumpf zurück, aber als sie daran standen, da herrschte wieder tiefes Schweigen. "Recht so," sprach der Bürgermeister "sie haben uns nur ihres Gehorsams versichern wollen," und er belobte die Frösche im Namen des ganzen Gemeinderathes. Abermals ging die achtbare Versammlung in den Ort zurück und abermals schrieen die Frösche. "Es ist noch nicht richtig," sagte der Bürgermeister und sie kehrten wieder um nach dem Sumpf. Da saß nah am Lande ein Frosch auf eines andern Rücken. Als das der Bürgermeister sah, konnte er die Thränen der Rührung nicht zurückhalten. "Man kann wohl sagen," rief er "daß die vernünftigen Menschen oft von den unvernünftigen Thieren lernen können. Seht, wie sie dem Befehl ihrer Obrigkeit gehorsam sind, sie wollen in die Fremde abmarschiren und da hat einer gar, woran die Kinder sich ein Beispiel nehmen mögen, seinen alten Vater auf dem Rücken." Und unter allgemeinem Schluchzen kehrte der Gemeinderath zurück und theilte allen Ortseinwohnerndiese schönen Thaten der Frösche mit, wie wir sie zu Nutz und Frommen aller braven Landsleute hier verzeichnet haben. //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:hsw|Hessische Sagen]], Leipzig, 1853// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf hsw v0}}