[[sagen:hsw226|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:hsw|Hessische Sagen]]** | [[sagen:hsw228|nächste Sage >>>]] ====== Frevel am Heiligsten ====== In Güntherfürst im Odenwald saßen vor Jahren die Burschen und Mädchen in der Spinnstube und waren unter ihnen viele, die von Gott und allem, was heilig ist, nichts wissen wollten. Da rief einer der Burschen: »Wisst ihr was, wir wollen Abendmal halten.« Und die anderen schrien ihm Beifall zu. Er zog sofort eine Wurst aus dem Sack, schnitt sie in Scheiben und legte sie auf einen Teller, während ein anderer ein Glas voll Branntwein aus der nächsten Schenke holte. Dann band der Erste ein schwarzes Tuch um und sprach oder las aus einer Bibel die heiligsten Worte der Einsetzung. Als er aber darauf ein Schnitzchen der Wurst nahm und es spottweise den Burschen reichte und der andere das Schnapsglas ihnen geben wollte, da geschah ein Schlag, wie vom Donner und eine Feuerflamme fuhr durch die ganze Stube, sodass alle erschrocken und schreiend in die Ecken und unter die Stühle und Bänke sich verkrochen und anfingen, laut und jammernd zu beten. Da erlosch das Feuer nach und nach und zuletzt wurde es ganz dunkel in der Kammer, denn die Lichter waren alle aus. In einem anderen Dorf in der Nähe wollten ebenfalls in einer Spinnstube die Burschen und Mädchen eine Taufe halten und nahmen dazu eine Katze. Als aber ein Bursche das Wasser über den Kopf des Tieres goss und die Worte »Ich taufe dich« sprach, da klopfte es dreimal mächtig an Tür und Fenster. Das Mädchen stürzte in Schrecken heraus und sank an der Haustür tot nieder. //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:hsw|Hessische Sagen]], Leipzig, 1853// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf hsw v0}}