[[sagen:hsw134|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:hsw|Hessische Sagen]]** | [[sagen:hsw136|nächste Sage >>>]] ====== Die schlechten Gemeinderäte ====== Vor mehr als hundert Jahren hatten die Gemeinden Reichenbach und Bensheim einen Prozess über eine schöne Waldung, die mitten zwischen den Gemarkungen beider Orte lag. Nachdem der Streit lange Jahre gedauert hatte, und beide Teile es endlich müde waren, die Advokaten mit ihrem Schweiß zu mästen, kam man dahin überein, dass die Sache dem Rathaus zu Bensheim durch den schiedsrichterlichen Spruch von zwölf, von beiden Parteien dazu erwählten Männern geschlichtet werden solle. Von den Reichenbachern wurden sechs Gemeinderäte erwählt, welche das Interesse ihrer Mitbürger aufs Beste zu vertreten gelobten. Als aber die Herren zu Bensheim auf dem Rathaus ankamen, hatten die klugen Bensheimer ein Fässlein ihres besten Weines als Frühtrunk bereitgestellt und tranken nun ihren Gegnern so lange daraus zu, bis dieselben von dem Recht ihrer Wirte ganz durchdrungen waren und den Wald durch feierlichen Spruch Bensheim zusprachen. So waren die Reichenbacher schändlich betrogen, die falschen Gemeinderäte aber haben bis auf den heutigen Tag keine Ruhe. Auf Advent steigen sie aus ihren Gräbern heraus und tanzen in dem Wald umher, der durch ihre Schuld jetzt zu der Bensheimer Gemarkung gehört. Oft auch sind sie als sechs Irrwische bis in die Straßen von Reichenbach gekommen, sind vor den Fenstern der Leute herumgetanzt und haben sich gebalgt, dass die roten Funken davon gefahren sind. //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:hsw|Hessische Sagen]], Leipzig, 1853// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf hsw v0}}