[[sagen:hsw114|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:hsw|Hessische Sagen]]** | [[sagen:hsw116|nächste Sage >>>]] ====== Der blaue Gickel bringt’s Essen ====== Es wohnte vor Zeiten in Gelnhaar ein Assessor, der hatte eine Frau, welcher man nicht recht trauen konnte. Das Essen, welches sie den Dienstboten gab, schmeckte stets sonderbar. Sie hatte wohl eine Köchin, doch überließ sie ihr nie die Küche, sondern schickte sie immer unter irgendeinem Vorwand weg, wenn vormittags die Zeit heranrückte, wo das Essen gekocht werden sollte. Das hatten sich die Dienstboten gemerkt und waren neugierig geworden, gaben von da an auf alles genau acht, was zu der Zeit um das Haus herum vorging. So standen sie eines Abends am Brunnen und da sahen sie, wie der Teufel in Gestalt eines feurigen Wiesbaumes durch die Luft daherzog und als blauer Gickel auf das Dach niedersaß, worauf er durch den Schornstein in das Haus hinabfuhr. Sie bohrten heimlich ein Loch in die Wand der Speisekammer, und als der Teufel in der anderen Nacht wiederkam, legten sie sich an das Loch und sahen Butter und frische Käsematten in Schüsseln auf dem Tisch stehen, welche der Teufel eben gebracht hatte. Sie hätten nun der Assessorin einen argen Streich spielen können, denn wenn sie vier Klumpen Teig genommen und Das Blut Jesu Christi darauf geschrieben hätten, dann würde der Teufel nicht aus dem Hause weggekonnt haben, ohne das Dach mitzunehmen. Aber das taten sie nicht, sondern nahmen kurz und gut alle ihren Abschied und wollten nicht länger im Haus dienen. //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:hsw|Hessische Sagen]], Leipzig, 1853// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf hsw v0}}