[[sagen:hsw110|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:hsw|Hessische Sagen]]** | [[sagen:hsw112|nächste Sage >>>]] ====== Strumpfbänder geliehen ====== Das Kind eines Mannes in Reichenbach, welches eine feste Gesundheit hatte und sehr gut gedieh, fing plötzlich an, die Muttermilch gleich nach dem Trinken wieder von sich zu geben, sodass es bald das Schwinden bekam. Die Mutter des Kindes ließ einen klugen Mann kommen, der maß das Kind und wendete mancherlei an. Dann sagte er, die Hexe, die es dem Kind angetan, werde nun neun Nächte lang in Gestalt einer Katze an die Tür kommen. Danach werde es mit dem Kind wieder besser gehen. Am folgenden Abend, als die Frau allein bei dem Kind saß, kratzte es beständig an der Tür. Die Frau hütete sich aber wohl, aufzumachen und nachzusehen. Ebenso ging es die folgenden Nächte. Als am dritten Abend der Mann spät nach Hause kam und die Treppe hinaufstieg, sah er vor der Stubentür ein Ding gleich einer Katze sitzen, welches bei seiner Annäherung die Treppe hinab durch die Küche lief und dort durch eine Fensterscheibe hinaussprang. Sechs Nächte noch kam die Katze regelmäßig wieder. Am zehnten Tage wurde das Kind schon bedeutend besser und bald war es wieder so gesund als es vorher gewesen. Später, als die Frau in jenen Mann drang, ihr zu sagen, wer das Kind behext habe, fragte er sie, ob sie sich nicht erinnern könne, jemanden etwas geliehen zu haben. Nach langem Besinnen fiel es ihr ein, dass eine Nachbarin ein Paar Strumpfbänder von ihr geborgt hatte. Da sagte der Mann: »Die Strumpfbänder haben Eurem Kind auf dem Herzen gelegen, dass es die Milch nicht bei sich behalten konnte.« //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:hsw|Hessische Sagen]], Leipzig, 1853// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf hsw v0}}