[[sagen:ehw155| <<< zurück ]] | **[[capitel:ehw-8|Kapitel 8: Ortssagen]]** | [[sagen:ehw157| weiter >>> ]] ====== Der „Hungrige Wolf“ bei Briesen ====== R. Scharnweber & O. Jungrichter: Sagen, Anekdoten und Schnurren aus dem Kreise Luckau, Berlin 1933 An der alten Heerstraße, die von [[geo:Berlin]] über Wendisch-Buchholz nach [[geo:Lübben]] führte, lag bis vor etwa fünfzig Jahren eine Wirtschaft, eine Fuhrmannskneipe, die den Namen „Hungriger Wolf“ führte und deren letzte Gebäudereste um 1900 abgebrochen wurden. Beim Abbruch wurde auch ein gemauerter Gang aufgedeckt, der etwa zwei Meter breit, eineinhalb Meter hoch und bis zu 15 Meter in die Erde hinein erstreckte und am Ende verschüttet war. Die Steine, die ein größeres Format hatten, als die jetzt üblichen, wurden zerschlagen und zur Wegausbesserung genutzt. Die Wirtschaft gehörte zu [[geo:Oderin]] und wird bereits zur Zeit des [[zeit:30jährigerkrieg|30jährigen Krieges]] urkundlich genannt. Von ihr wird erzählt,daß manche ihrer Wirtsleute Räuber und Mörder gewesen seien und daß sie ein Schlupfwinkel für verdächtiges Gesindel war und das Reisende, besonders Schlächter, die von den märkten mit der gefüllten Geldkatze zurück kehrten, beim Übernachten im Wolf verschwunden seien. Vor hundert Jahren haben dort auch mal zwei Knechte gedient, Gottlob und Christian. Die waren am Körper so schmutzig und so ekelerregend in Bezug auf ihre Nahrungsmittel, daß niemand aus dem Dorfe mit ihnen zu tun haben wollte. Als der eine von ihnen gestorben war, ließ der Bruder keinen Menschen in die Stube hinein, in der der Dreck handhoch lag. Wenn er dann mal wegging, verrammelte er das Schloß so, daß niemand Einlaß gewinnen konnte. Später starb auch er. Als nun von Amts wegen die Stube geöffnet und gepfändet wurde, fand man unter den Dielen versteckt eine Menge von Goldstücken und alle Leute kamen zu der Meinung, daß die beiden Brüder das Gold als ihren Anteil für die von den Wirtsleuten verübten Verbrechen bekommen hätten. Das dort manches geschehen sein mag, was das Licht des Tages zu scheuen hatte, glaubt man auch daraus entnehmen zu können, daß es dort spukt. Als die verfallenden Gebäude noch standen, kam ein Mann aus Oderin dort vorbei, ging ins Haus und klopfte aus Scherz gegen eine der verschlossenen Türen. Als Antwort ertönten drei starke Schläge von innen wie mit einer Axt. Der Mann sprang entsetzt zum Hause hinaus, suchte aber dann mit einem zufällig vorbeikommenden Gärtner aus Oderin, nachdem beide durch ein Fenster eingestiegen waren, das ganze Haus durch, ohne jedoch das geringste zu finden. Niemand geht bei Nacht gern in die Nähe des ehemaligen Straßenkruges, weil es dort unheimlich ist, der Geister der Ermordeten wegen. //Quelle: [[autor:wusch|E.H.Wusch]]: [[buch:sagenmeinerheimatniederlausitz|Sagen meiner Heimat]], eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Lausitz// ---- {{tag>sagen wusch SagenmeinerHeimatlausitz v2a}}