[[sagen:deutschemaerchenundsagen465|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]]** | [[sagen:deutschemaerchenundsagen467|nächste Sage >>>]] ====== Der Greifenstein ====== Lehmann's histor. Schauplatz. Daraus die neue Sammlung merkwürdiger Geschichten von Schäßen. S. 381. Unter einem großen Fels, wo der Vermuthung nach das alte Schloß Greifenstein gestanden, ist ein offenes Loch zu sehen, darein eine Mannsperson gemächlich kriechen kann, wie in meinem Beisein ein Steinmetz hineinkroch, aber darin nichts fand, als eine Weite, so dem Ansehen nach von Bergleuten gemacht worden. Von solchem Loch aber sollen alte Leute erzählet haben, daß einst eine Magd, die sonst, wenn sie des Orts gegraset, öfters daselbst mit Namen gerufen worden, in Beisein einer andern Magd, auf abermaliges Rufen hineingegangen wäre, mit dem Verlaß, daß, wenn sie schreien wurde, ihr die andere zu Hülfe kommen sollte. Es hatte aber die hineingehende einen großen Kasten mit Gold und Geld und einen Hund dabei liegend angetroffen und auf Befehl einer Stimme das Grastuch damit angefüllet. Als aber inzwischen der Eingang ganz enge worden wäre, daß sie die andere Magd um Hülfe gerufen, wäre der Hund auf sie losgesprungen, und hätte alles eingefaßte wieder aus dem Grastuch gescharrt, darauf sie voller Schrecken von der andern herausgezogen worden, und des dritten Tages darauf wäre sie gestorben. Ob's wol einem Mährlein ähnlich, jedoch, weil es für wahr ausgegeben worden, habe ich's nicht präteriren wollen, insgesammt aber bejaheten die Anwesenden, daß es die Leute um solche Felsen öfters verführe und auch bei hellem Tage. Der alte Christoph Hackebeil sei einst verführet worden, daß er des Nachts über in einer Höhle bleiben müssen. Es hat das Ansehen, daß vor alten Zeiten der Platz zwischen zwei hohen Felsen mit Mauern eingeschlossen gewesen, wie man denn die Rudera des alten Gemauers sehen kann, auch bisweilen dicke Scherben von Töpfen, Nägel, Eisenwerk, Pfitzschpfeile, Todtengebeine, Schweinszähne, alte unbekannte Schlüssel findet. //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]], Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf deutschemaerchenundsagen erzgebirge v0}}