[[sagen:deutschemaerchenundsagen327|<<< vorherige Sage]] | **[[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]]** | [[sagen:deutschemaerchenundsagen329|nächste Sage >>>]] ====== Der alte Schrank ====== Joa. Nideri formicarium de malefic. deception. c. 2. In Basel wohnte nicht lange vor dem zulekt daselbst gehaltenen Concilium ein Mann, der der Zauberei verdächtig war; der hatte eine Tochter, und als er alt zu werden begann, heirathete die ins Haus. Nicht lange nachher erkrankte der Vater, der auch schon ziemlich bei Jahren war, und er sah wohl voraus, daß er nicht mehr genesen werde. Eines Tages nun wies er mit dem Finger auf einen alten Schrank und sprach zu seinem Schwiegersohn und dessen Frau, seiner Tochter: "Lasset den Schrank ruhig stehen, wenn ich sterben sollte, und rücket ihn nicht von der Stelle; es würde euch sehr gereuen." Bald darauf starb der Alte. Seine Tochter kümmerte sich nicht viel um ihres Vaters Warnung wegen des Schrankes, wollte selbst das Haus nicht mehr bewohnen und in ein andres ziehen. Ihr Mann packte also den Schrank auf den Rücken, um ihn in die neue Wohnung zu tragen und das ging anfangs wohl und gut, auch war der Schrank nicht sonderlich schwer; je weiter er aber ging, um so schwerer wurde derselbe, so daß er am Ende seine Frau bitten mußte ihm zu helfen; so kamen sie mit dem Schrein in das neue Haus. Ob nun die Frau den Schrank daselbst geoffnet hat, oder was damit geschehen ist, das weiß man nicht; soviel ist aber sicher, daß, als sie mit ihrem Kindlein, welches sie gewonnen, in das Haus kam, sie wie wuthend über dessen Wiege herfiel und das Würmchen todten wollte. Der Mann sprang glucklicherweise früh genug dazu und hielt sie davon ab, holte auch einen Geistlichen, der sie belas. Der Teufel rief aber aus ihr, er werde nicht weichen, ohne sie zu tödten, und so geschah es auch, und sie starb unter dem Belesen. Andern Tags ging der Mann über die Straße und ein Stein fiel oben von einer Dachrinne herab, ihm grade ins Gesicht, wodurch er so zugerichtet wurde, daß er kaum noch einem Menschen ahnlich sah. //Quellen:// * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]], Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845// ---- {{tag>sagen johanneswilhelmwolf deutschemaerchenundsagen v0}}