[[sagen:buchruebezahl02|<<< zurück]] | **[[buch:buchruebezahl|Das Buch vom Rübezahl]]** | [[sagen:buchruebezahl03b|weiter >>>]] ====== Wie Rübezahl mit den Wurzelgräbern verfährt - 1. Sage ====== Es war einmal ein Wurzelmann, der allezeit Kräuter und Wurzeln in die Apotheken trug. Dieser Mann wusste den Weg zu [[wesen:ruebezahl|Rübezahls]] Garten, der in einem tiefen Grund liegt, welcher der Teufelsgrund heißt. Dort hat der [[wesen:Berggeist]] seine absonderlich schönen Kräuter und Wurzeln, aber kein Mensch bekommt sie, welchem sie Rübezahl nicht gutwillig gibt. Wollte sie einer gleichwohl durch Gewalt oder Beschwörung erhalten, der müsste seiner Sache sehr sicher sein, wenn ihm Rübezahl nicht den Hals brechen oder sonst großes Unglück zufügen sollte. Einmal, als jener Mann etliche Wurzeln in die Apotheke nach [[geo:Liegnitz]] brachte, ließ ihn die Frau des dortigen Kommandanten zu sich kommen und versprach ihm viel Geld, falls er ihr die rechte Weißwurzel brächte, welche in Rübezahls Garten wächst. Der Mann verspracht es, machte sich gleich auf den Weg nach Hause und von da in den Teufelsgrund. Als er eben dabei war, die versprochene Wurzel auszugraben, kam Rübezahl und fragte ihn, was er grabe. Der Wurzelmann entschuldigte sich damit, dass er ein armer Mann sei, viel unerzogene Kinder habe und sie vom Kräuter- und Wurzelsuchen ernähren müsse. Aber der Geist versetzte, dergleichen finde er genug oben im Gebirge und solle ihm seinen Garten in Frieden lassen. Was er gegraben habe, möge er mitnehmen, aber nicht wiederkommen. Die Frau des Kommandanten, welche die Wurzel gut bezahlte, wollte noch mehr haben. Der Mann also ging zum zweiten Mal hin und grub. Rübezahl kam wieder und spracht: »Was machst du? Hab ich dir nicht verboten, wiederzukommen, und tust es doch? Geh, sonst wirst du erfahren, was ich mit dir anfange!« Der Wurzelmann ging, ohne dass ihm ein Leides geschah. Als er die Wurzeln ablieferte, versprach ihm die Frau noch viel mehr Geld, wenn er zum dritten Mal hinginge. Wirklich das Geld verlockte ihn, dass er zum dritten Mal hinging und grub. Der Geist kam wieder und fragte ihn, was er da mache. Ob er ihm nicht das Wiederkommen verboten habe? Damit nahm ihm Rübezahl die Hacke aus der Hand. Der Mann war dreist genug, sie wieder zu ergreifen und weiter zu hacken. Er solle aufhören, rief der Geist, es sei Zeit. Aber jener kehrte sich an nichts, sondern hackte immer frisch zu. Hierauf entriss ihm Rübezahl die Hacke und warf sie fort. Als der verblendete Mann aber aufs Neue nach ihr langte, nahm ihn der Geist beim Kopf, führte ihn mit sich in die Luft und zerriss ihn so in Stücke, dass nichts mehr von ihm übrig blieb als ein Pelzärmel. Diesen hatte sein vierzehnjähriger Sohn, der mit dabei gewesen war, nach Hause gebracht. //Quelle: [[autor:kletke|Hermann Kletke]], [[buch:buchruebezahl|Das Buch vom Rübezahl]], Verlag von Trewendt & Granier, Breslau, 1852// ---- {{tag>sagen kletke buchruebezahl ruebezahl riesengebirge wurzelsammler garten kräuter wurzel liegnitz apotheke warnung strafe zerreissen v2}}