text:wendischesvolksthumvorrede
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| + | ====== Vorrede ====== | ||
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| + | Ich übergebe in diesen Blättern der Oeffentlichkeit wiederum eine Arbeit, welche ein kleines Bruchstück bildet von dem, was nach meiner ursprünglichen Absicht in einem grösseren Werke vereinigt erscheinen sollte. Für dasselbe war eine Auswahl von 1300–1400 Zeichnungen bestimmt, in denen ich mancherlei aus dem Leben der Niederwenden des Spreewaldes, | ||
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| + | Zum besseren Vergleiche habe ich dieselbe Eintheilung wie in meinen »Wendischen Sagen«((W.v. Schulenburg, | ||
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| + | In meinen „Sagen" | ||
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| + | Die angeführten wendischen Worte gehören drei verschiedenen Mundarten an, erstlich der niederwendischen Sprache, wie sie im Spreewalde, bei Peitz, Cottbus und Spremberg gesprochen wird; zweitens, und zwar vorherrschend, | ||
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| + | Für das Wendische giebt es verschiedene Schreibweisen; | ||
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| + | So habe ich denn im Spreewalde das Niederwendische kennen gelernt, eine anmuthige und schöne Sprache, die, weil sie Jahrhunderte lang nur unter Landleuten sich fortpflanzte, | ||
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| + | Die Pflanzen, für welche ich wendische Namen mittheile, hatte Herr Professor Ascherson die Güte, zu bestimmen, wofür ich ihm meinen aufrichtigen Dank ausspreche. Heir Ascherson hat bereits alte Verdienste um die Pflanzenwelt der Lausitz und schon in seiner Flora der Mark Brandenburg eine dankenswerthe Zusammenstellung wendischer Pflanzennamen gegeben. | ||
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| + | Ich muss dann eines anderen Pflanzenkundigen gedenken, des Herrn Dr. Karl Bolle, der sich rühmen darf in hervorragender Weise nicht allein die Pflanzen, sondern überhaupt die Natur unserer Heimath zu kennen. Schliesslich gedenke ich noch eines wendischen Freundes, des Bauern Johann Hantscho-Hano in Schleife. Dieser treffliche Mann, den man füglich einen Naturforscher nennen könnte, war mir ein unermüdlicher Gefährte bei meinen dortigen Untersuchungen und Wanderungen. | ||
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| + | In den vergangenen Jahren hat auch mein Bruder Reinhold verschiedene Wanderungen in der Ober- und Niederlausitz mit mir gemacht und treulich Beschwerden getheilt, an denen es, gleichwie an eigenthümlichen Erlebnissen nicht fehlte. | ||
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| + | Am Schluss der Vorrede zu meinen Sagen gedachte ich des Oberpfarrers Stempel zu Lübbenau.((Wendische Sagen S. XXII.)) Es gereicht mir zur Freude, dass sein Andenken als Sagensammler auch in weiteren Kreisen sich erhalten wird. Denn wenn wir auch nicht wissen, ob seine Arbeit eine vollkommene hätte genannt werden können, so sind doch Absicht und Fleiss zu loben. Der grosse und glanzvolle Gelehrte Italiens, Herr Angelo de Gubernatis zu Florenz, welcher gütiger Weise meines Buches gedachte, erwähnt jenes in Bezug auf die angeführten Worte, indem er sagt: »Così si compensa ora largamente il lavoro perduto del pastore Cristiano Federico Stempel, del quale nella storia della città di Lübbenau vien detto: ›indefessamente egli lavorò sempre per i suoi Vendi e molte notti passò nel raccogliere favole, leggende e novelline. Ma questi preziosi tesori, non abbastanza pregiati da suoi eredi, sono pur troppo destinati, a perire e sottratti alla scienza.‹« | ||
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| + | Neben diesem Mann ist eines anderen Geistlichen nicht zu vergessen, der mit ebensolcher Liebe den volksthümlichen Beziehungen nachging und in einseitiger Beurtheilung vielfach unterschätzt wird, nämlich des Herrn J. G. Zwahr, weiland Pfarrer in Stradow bei Spremberg. Denn durch seine einfache Darstellung der niederwendischen Sprache in seinem Wörterbuche((Niederlausitz-wendisch-deutsches Handwörterbuch von J. G. Zwahr, Spremberg 1847. Uebrigens steht nunmehr auch ein grosses, auf streng wissenschaftlicher Grundlage ruhendes Wörterbuch der niederwendischen Sprache in Aussicht, wie ein solches bereits in dem »Lausitzisch-wendischen Wörterbuche« von Pfuhl (Bautzen 1866) für das Oberlausitz-Wendische vorliegt, das den wendischen Sprachschatz in ausgiebigster Weise aufthut und jedem Deutschen, der einen Einblick in das Wendische thun will, bestens empfohlen sei.)) hat er trotz »der Legion von Fehlern« und der »traurigen« Schreibweise in treuen Zügen vielfache Beiträge((Seiner ist gedacht im Časopis Maćicy Serbskeje, Budyšin [Bautzen] 1880, S. 84 und 147, in einer Uebersicht über das wendische Schriftthum. In demselben Hefte auch eine Abhandlung von J. E. Welan über einige Runeninschriften.)) zur Kenntniss des Volksthums geliefert.((Früher hielt sich (nach Berger [der Spreewald von Prediger Dr. Berger zu Cottbus, 1866; eins der besten Büchelchen über den Spreewald] in den vierziger Jahren etwa, womit auch meine Erkundigungen ungefähr übereinstimmen) in Burg der Lieutenant a.D. von Renner, vormals Gutsherr in Lindchen, auf. Ein eifriger Sammler vorgeschichtlicher Alterthümer, | ||
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| + | Es hat in der Lausitz nicht an solchen gefehlt, welche Sagen und ältere Ueberlieferungen gesammelt haben. Allein sehen wir ab von dem grossartigen Werke Schmaler' | ||
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| + | Ich habe auch diesmal wieder wortgetreu erzählt. Denn in der Sprache des Volkes decken sich Wort, Gedanke, Auffassung viel mehr, als bei den »Gebildeten«, | ||
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| + | Noch etwas bedarf der Erwähnung. | ||
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| + | In meinen »wendischen Sagen« heisst es Seite 5: Er [nämlich der sogenannte wendische König] hiess ... Prudenski (soll ein Pole gewesen sein, denn Susski hiess ein burgscher Kolonist, und der war aus Polen, und soll der erste [nämlich: Kolonist in Burg] gewesen sein).« Ich habe diese wendische volksthümliche Aussage damals angeführt, um zu zeigen 1) wie es kommt, dass manche glauben, der [sog. rein sagenhafte] wendische König sei ein Pole gewesen, weil nämlich das Volk annimmt, wessen Name auf ki endige, sei polnischer Herkunft. Werden doch auch deutsche Namen durch diese Endung polnisch, wie Sperlinski (von Sperling), Feldmanowski (von Feldmann) u.a.m.; 2) auf wie schwachen Füssen oft derartige Schlüsse des Volkes ruhen, und um 3) den Leser in dieser Hinsicht vor Irrthum zu bewahren. So glaubte ich eher Dank als Tadel zu verdienen. Was man mir aber von einer Seite zugeschoben hat, als hätte ich damit den Namen Polen in eine unwürdige Beziehung setzen wollen, weil vorher der »wendische König«((Vergl. in der Zeitschrift für Ethnologie, Berlin 1880 meine »Bemerkungen zur prähistorischen Karte von Burg« S. 249. Ebendort S. 237 »der Schlossberg zu Burg an der Spree«, S. 252 »die Steine im Volksglauben des Spreewaldes« u. a.a.O. mehr.)) in seinen Räubereigenschaften (entsprechend seinem mythischen Ursprunge) wortgetreu nach den wendischen Volksüberlieferungen dargestellt worden ist, diese Zumuthung muss ich mit voller Entrüstung zurückweisen. Ich habe im Gegentheil einige Wendungen, die in dieser Hinsicht hätten Anstoss erregen können, damals wie jetzt fortgelassen. | ||
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| + | In den wendischen Worten ist (ohne Rücksicht auf feinere Unterschiede) zu lesen: | ||
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| + | * c = z | ||
| + | * ć, č = tsch | ||
| + | * ě fast = i | ||
| + | * ł = l, oder auch w | ||
| + | * ó fast = u | ||
| + | * kŕ, pŕ, tŕ = ksch, psch, tsch oder kr, pr, tr | ||
| + | * ś, š = sch | ||
| + | * z = s wie im Anfange deutscher Worte | ||
| + | * s = ss (scharf) | ||
| + | * ź, ž = g in Gensd' | ||
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| + | Alle Worte in liegender Schrift sind wendische, oder als wendisch gebrauchte. B. = Burg im Spreewald; a. = allgemein; v. = vereinzelt; g.v. = ganz v. Worte in [ ] sind meist Zusätze von mir; » « in den Anmerkungen bedeuten Worte aus Volksmund. I, 7, 25 u.s.w. = W.v. Schulenburg, | ||
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| + | Berlin, im Dezember 1881. | ||
