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text:wendischesvolksthum99-1

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 +====== Heilkräuter (Schleife) ======
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 +Die Blätter von //boža mertra//, Gottesgnadenkraut, gequetscht und der grüne Saft in Wasser genommen, ist sehr gut gegen Leibschmerzen, Kolik. Desgleichen hilft //bóže dŕjowko//((Schleife: //čertowy štómik// [Teufelsstamm] auch borbus genannt, bringt, wenn es an Getreidefeldern steht, den Brand, (schwarz an den Aehren; nicht der Rost an den Halmen. //Śebjeg//, Brandfleck im Getreide, kommt von der unteren Muttererde, wenn viel Kies oder schlechter Mutterboden vorhanden ist. //Mužina// ist eine Stelle im Boden, wo es besser wächst (guter feuchter Boden). //Haderik//, Hederich: gute Honigpflanze für Bienen. //Cerne jagodowe zele// werden gegessen; desgl. gebraten: kuretko, »Kuretel«, Hühnchen heisst so: »weil viel kleine um eins herumstehen;« //kroẃecowe hume// [Kuheuter]: weil die Wurzel so aussieht. //Kolej, Kule, Knerig//: als Viehfutter gesäet. //Muskjaca wutroba//, Mannesherz, hat Blüthen wie ein Herz. //Myšyne crjowo//: Vogelfutter (Kanarienvögel, Stieglitze.) //Psowodźica// (Burg psowica) Schiessbeere, wird »ausgehauen« und nach Bautzen zu Schiessholz [Pulverbereitung] geliefert; beste Nahrung für Bienen, »blüht 7 mal im Sommer«. //Późernja// fressen die Hirsche viel. //Rjos//: Bienennahrung; bei Mangel auch als Viehfutter verwendet. In den Blüthen des //šmrjok// »finden die Bienen im Frühjahre Nahrung«. //Wělk// frisst die Dielen unten an, daher: Wolf. Wuškropc: beim Bau steinerner (Zieh-) Brunnen (studnja) zwischen die Steine gelegt, damit der Sand von aussen nicht hindurchdringt. Flusowe zele, Epheu, zwischen die Steine der Ziehbrunnen, von Mauersteinen, gepflanzt. Bageń (»Sauerampfer«) [in Burg: //hampuch// »Sauerampfer«]: gegen Flöhe in die Betten. Wenn Kinder im Winter sterben, bekommen sie Kränze von berwjónk, weil man kein anderes grünes Kraut hat; ebensolche werden auf den Sarg gelegt. Auf //bogowe jabłuška// [Hagebutte] werden Rosen geäugelt. //Žołta wěrba//: ein Zweig von derselben kann zur Wünschelruthe genommen werden, wenn er in einem Jahre zwei Reiser noch treibt. Die Distel [Onoporidon Acanthium L.] heisst //khrystusowa krona//, Christikrone. //Płonušk//, Feldkümmel, hat seinen Namen, weil er auf freien Flecken wächst [//płoń// freier Fleck, in B. gespr. poń]; gut für die Bienen. Pećpalcatezele Fünffingerkraut [? Wurzel, die manche bei sich tragen], die Blätter haben 5 Finger. //Čertowe hoblico// Teufelsangesicht. Die Körner haben Aehnlichkeit mit dem //čert//, auch ein Horn, jeden róg.)).
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 +//Brunine zele// soll man gegen Bräune kochen und den Kindern als Thee, Schweinen als Saufen geben.
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 +//Butŕanicka// wird zur Reinigung der Milchgefässe gebraucht.
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 +Die Blätter von //dobrotnik//: klopfen und frisch auf Geschwülste legen.
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 +//Campf// gut für schlimme Füsse.
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 +//Cyrkwine zele//, Sadebaum: in Schränke und Läden gegen Motten thun.
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 +//Čertowe gowno//, Teufelsdreck: gut für Vieh.
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 +//Čertowy wotkusk//, Teufelsabbiss: gutes Milchnutzenpulver.
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 +//Cerwjene jagodowe zele//. Die Beeren werden frisch gegessen, auch eingelegt; aus ihnen Preisselbeerschnaps gemacht (mit Wasser verdünnt gut gegen innere Hitze).
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 +Braunnerdost ist gut gegen die Bräune der Schweine. G.-S.
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 +//Ćotkowe zele//, Fieberkraut, gut »für« allerlei Fieber.
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 +Dornjacna = paprotka: gutes Viehpulver.
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 +//Gójawka//: auflegen auf frische Stich- oder Schnittwunden, wenn man nichts zum Verbinden hat.
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 +//Jandźelske zele//: zu Salbe gebraucht.
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 +//Jichtna rěpa//, Gichtrübe.
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 +//Kokordac//: die rothen Körner mit Schale werden gegen die Gelbsucht (//žołćenica//) gekocht und eingenommen.
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 +//Kokoški// dient als Mittel zum Abtreiben der Frucht und wird von Mädchen gekocht getrunken.
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 +//Kosćiwadło//, Schwarzwurzel. Von der Wurzel eine sehr gute Salbe: auf Glieder zu legen, bereitet.
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 +Wenn das Vieh Kolik oder Blähung hat, aus //krejowe zele//, grün oder getrocknet: Knäuel (Kaulen) machen und ihm in den Mund stecken. Das ist so gut wie Bergöl.
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 +Die Wurzeln von //krowina hopyš//, Kuhschwanz, gekocht: gut gegen Durchfall.
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 +//Metwej//, »Minze«: mit Eiern gebraten gut gegen Durchfall.
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 +//Mjodlicka//: gutes Viehfutter; von der Blüthe ein guter Gesundheitsthee bereitet.
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 +//Muskjace rožowe zele//: der Saft gut gegen Mutterplage oder Kolik.
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 +//Perchawica [perchać prusten]// stillt das Blut bei Wunden, auch auf der Zunge (z.B. bei Bissen), auf die man kein Pflaster legen kann.
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 +//Podresćowe zele//: gut gegen den bösen Anblick beim Vieh.
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 +//Ruta//, Raute, grün mit Eiern gebraten: das beste Mittel gegen Durchfall (//wenganjańe//).
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 +//Rozkornik// Hauswuchs: sehr gut gegen inwendige Hitze bei kleinen Kindern.
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 +//Rozraz//: guter Hustenthee.
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 +Die Blätter von //sćerń// [i. Musk. Mundart //wóstruž//] Dorn: auf erfrorene Glieder legen.
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 +//Škorodłicka//: gekocht gut gegen Husten und Brustschmerzen.
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 +//Štaćowe zele//: gut gegen den Anblick bei Menschen.
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 +Die Blüthe von //stroželinowe zele// Schreckkraut: verbrennen und kleinen Kindern eingeben, wenn sie in Folge von Schreck nachts im Bette aufspringen, auch gutes Nutzenpulver.
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 +Legt man von //syće// [B. syše] das Mark((Das getrocknete (weisse) Mark der Binse wird zu Kränzen, und Gewinden (z.B. in der Kirche) verflochten. B. S.)) frisch auf »wildes Fleisch« (in Wunden); so ist dasselbe über Nacht weg.
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 +//Šyra žalbija//: gutes Viehpulver.
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 +//Žeńscyne rožowe zele// weibliches Rosenkraut: sehr gut gegen die Mutterplage.
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 +//Quelle: [[autor:schulenburg|Schulenburg, Willibald von]]: [[buch:wendischesvolksthum|Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte]]. Berlin: Nicolai, 1882, S. 105-107.//
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 +{{tag>brauchtum volksweisheit schulenburg wendischesvolksthum lausitz kräuter}}