text:wendischesvolksthum101-1
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| + | ====== Todtengebräuche in Burg (Spreewald) ====== | ||
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| + | Wenn einer sterben soll, so »thut« abends ein Stern herunterfallen und steht man anderen Morgens früh auf, so sieht man ihn wieder an den Himmel hinauffliegen315. Oder ein Vogel kommt ans Fenster geflogen und kuckt hinein. Und wenn der Vogel ans Fenster kommt und pickt an die Scheiben, dann sagen sie: »Jetzt passiert etwas, es stirbt einer«. – Oder wenn die Ofenbank platzt und knallt, stirbt jemand aus der »Freundschaft« (Verwandtschaft) in dem Augenblicke, | ||
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| + | »Wenn der Mensch todt ist, werden ihm die Augen zugedrückt. Wenn aber die Leiche die Augen wieder aufmacht, holt sie einen aus der Familie nach. Dann soll man die Fenster aufmachen und die Spiegel verhängen und alsbald die Leiche auf eine ›blanke‹ Bank legen. Unter die Bank aber wird eine Schüssel mit Wasser [und jetzt Chlorkalk] gestellt, dann läuft die Leiche nicht auf (pótom njeběžy) und die Geschwulst zieht ins Wasser. Dann muss die Leiche gleich warm abgewaschen werden, weil die Knochen sich noch biegen. Mit dem Leichenwasser aber soll man sich waschen, dann wächst einem der Bart nicht; die Leiche selbst lässt man zwei bis drei Tage auf der Bank liegen. Hat jemand ›Brotzken‹ (brodajca) und denselben Namen wie der Todte, heisst z.B. die Todte Mariana und ein Mädchen, die ›Wratzken‹ hat, auch Mariana, so soll sie dem Todten ein Band um die Hand wickeln und sagen: ›Mariana‹, | ||
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| + | Damit dem Todten der Mund zugeht, soll man um das Gesicht ein weisses Leinentuch binden, auch wenn nöthig, noch Steinchen dazwischen, und auf das Gesicht kleine Lappen thun, in Branntwein getränkt, damit es nicht so hässlich blau wird, sondern weiss bleibt. – Das Mundtuch kann man gut gegen Rose und Geschwulst gebrauchen. Man braucht es bloss umbinden und versprechen, | ||
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| + | Wenn der Sarg gekommen ist, werden unten Hobelspäne, | ||
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| + | Manchem wird die Pfeife in den Sarg gegeben, der Kamm, die Schnupftabaksdose, | ||
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| + | Die Leichenträger (nosaŕ) haben vom Hute Florbänder zu hängen, am rechten Aermel über der Hand einen künstlichen Blumenstrauss und eine Schleife von weissem Seidenband; auf den Händen weisse Handschuhe. Das alles giebt die trauernde Familie. Nur Eingeladene kommen zum Begräbnisse. Jeder tritt an den Todten, betet ein Vaterunser und geht die Leidtragenden trösten. Dann wird Butter, Brot, Käse, Bier und Branntwein genossen, alsdann ein Lied gesungen, der offene Sarg vor die Thüre getragen und der Deckel aufgelegt, und die Leiche wegtragen. Während sie vom Hofe getragen wird, soll man dem Vieh noch einmal zu fressen geben, damit es »im Stande« bleibt. | ||
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| + | Vor dem Hause des Predigers wird die Leiche niedergesetzt, | ||
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| + | Kleine Kinder haben weisse und gelbe Särge, ältere Kinder und jüngere Leute braune, alte Leute schwarze (auch mit weisser Kante). Das Leichentuch, | ||
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| + | Nach dem Begräbnisse geht es zum Todtenschmause (zakopowańe). Früher gab es stets žołta zupa (gelbe Suppe), Biersuppe aus Bier, Mehl, Syrup u.a., jetzt hin und wieder; dagegen: Kaffee, Chokolade, Kuchen, Brot, Butter, Branntwein, Bier. Dann sagen manche der Schmausenden, | ||
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| + | 315 | ||
| + | So beginnt das auch in deutscher Fassung unter den Wenden, wenigstens im Spreewalde, bekannte Lied von den drei Schwestern. | ||
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| + | »Es flogen drei Sterne wohl über den Rhein, | ||
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| + | Es hatt' eine Wittwe drei Töchterlein. | ||
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| + | Die eine sterbte, es Abend war u.s.w.« | ||
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| + | 316 | ||
| + | Dem einzigen Sohne des Kaupers N. N. sollen in den Sarg gelegt worden sein: 3 Stücken Leinwand (etwa 15 Ellen lang), 3 Paar Hosen, 2 Röcke, 2 Westen; um die Hüften ein breites grünseidenes Band, um den Hals ein rothseidenes Tuch gebunden u.s.w. (?). | ||
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| + | Einmal soll einem Todten Geld in den Sarg gethan, dies aber von anderen dem Sarge entnommen worden sein. »Die Juden setzen den Todten Essen und Trinken hin, das essen dann die Todtengräber.« | ||
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| + | 317 | ||
| + | »Eine verstorbene Wöchnerin wird angezogen als wollte sie in die Kirche gehen.« S. | ||
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| + | 318 | ||
| + | Seit kurzem verboten. | ||
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