text:wasdieheimaterzaehlt110
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| - | ====== Der Sibyllen- oder Hochstein ====== | ||
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| - | Die höchste Erhebung des Höhenzuges, | ||
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| - | Der Sibyllenstein ist ringsum bewaldet. Seine steilen Abhänge sind vom herrlichsten Nadelwalde bedeckt und mit Tausenden von größeren und kleineren Granitblöcken besäet. Auch seinen Rücken überzieht der Wald. Ihn umgibt tiefste Waldeinsamkeit. Zu ihm hinauf dringt auch nicht das geringste Geräusch aus den Dörfern da drunten. | ||
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| - | An dem westlichen Fuße des Sibyllensteines liegt das idyllische Forsthaus „Luchsenburg“. Von hier aus ist der Kamm des Berges in 20 Minuten zu erreichen. Am südlichen Fuße entspringen die große Röder und die Schwarze Elster. An den östlichen Fluß schmiegt sich das Dörfchen Kindisch. Nach Norden hin reiht sich Berg an Berg. Der nächste Nachbar ist der Ohorner Steinberg. | ||
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| - | Die Höhe des Sibyllensteines krönt ein haushoher Felsenaltar, | ||
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| - | Zwischen den erwähnten Kuppen befindet sich eine höhlenartige Kluft. Dieselbe wird die Sibyllenhöhle genannt. | ||
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| - | Archäologen bezeichnen diese Felsenhöhe des Sibyllensteines als einen altheidnischen Opferplatz aus der germanischen Urzeit. Die an den Felsen wahrzunehmenden Vertiefungen gelten als die Opfer- und Blutschüsseln, | ||
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| - | Bei aufmerksamer Betrachtung der näheren Umgebung dieses turmartigen Felsenaltares bemerkt man, daß eine Aufschichtung von größeren und kleineren Granitblöcken diesen mauerartig in Kreisform wie ein Wall umgibt. Dieser deutlich wahrnehmbare Steinwall ist jedenfalls kein Werk der Natur, sondern der früheren Menschen, welchen einst diese Höhe als Kultusstätte diente. Preusker sagt hierzu: „Jene rätselhafte wallartige Steinschichtung, | ||
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| - | Der Sibyllenstein ist eine Heimstätte der Frau Saga. | ||
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| - | Böhnisch erzählt in seiner Chronik von Kamenz über den Hoch- oder Sibyllenstein folgendes: | ||
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| - | „Am Fuße des Hochsteins entsprang gegen Sonnenaufgang ein Kristallquell und rieselte in goldenen Flüßchen über glänzend flimmernden Boden durch den heiligen Hain und bespülte plätschernd die Wurzeln der schlanken Tannen, deren hohe Gipfel bei Annäherung der Göttin melodisch rauschten. Segen strömte auf dem geweihten Wasser dieses Quells in die Täler hinab, und die Bewohner umher schöpften besonders am Morgen des Costra- oder Ostertages, am Hochfeste der Gefeierten, vor Sonnenaufgang das flüssige Kristall, wuschen sich mit diesem Costrawasser, | ||
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| - | Mit dieser Sage hängt wohl auch der Name dieses Berges zusammen. Der Sibyllenstein soll seinen Namen den Sibyllen, altheidnischen Priesterinnen und weissagenden Frauen, verdanken. Unter Sibyllen verstand man im Altertume von einer Gottheit begeisterte und weissagende Frauen. Sie werden stets als Jungfrauen geschildert, | ||
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| - | Der alte Gebrauch, das Schöpfen des Osterwassers, | ||
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| - | Seit den frühesten Zeiten gilt der Flußsand der Schwarzen Elster und der Röder aber auch für goldhaltig. Und in Wirklichkeit enthält derselbe goldschimmernde Plättchen vom Glimmer des aufgelösten Granits, welche von den früheren Leuten freilich für echte Goldkörner gehalten wurden. – | ||
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| - | Ganz besonders weilt die Sage aber an jenem Felsenaltar auf der Höhe des Sibyllensteines. Sie erzählt, daß der burgartige Felsen einst viel höher gewesen sei. Da aber die Sündhaftigkeit der Menschen immer mehr zunahm, so wäre eines Tages der Fels ein großes Stück in den Berg gesunken. | ||
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| - | Die Sage berichtet noch folgendes: | ||
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| - | Unter dem Felsenaltare auf dem Gipfel des Sibyllensteines liegen große Schätze vergraben. Zu ihnen führt in der Nähe der Sibyllenhöhle eine geheimnisvolle Türe, die zu manchen Zeiten sogar geöffnet ist. Wer in jener Stunde auf dem Berge weilt, kann diese Türe sehen und in das Innere der Felsenhöhle eintreten. Dieses Glück hatte einst ein Mann. Er erblickte deutlich eine Tür, die zu einer Höhle führte. Der Mann trat durch diese offene Tür in die Höhle ein. Da sah er in dem hellerleuchteten Gewölbe eine alte Frau, welche sich die Haare kämmte. Darüber erschrak der Mann gar sehr und eilte wieder hinaus. Gleich darauf schlug die Türe krachend zu und war nicht mehr zu sehen. „Es ist das eine Sage, die sich von mehreren Bergen findet und vielleicht auf das feenhafte Wesen, die alte Frau Holle oder Hulda (die Perchta anderer Gegenden), Bezug hat und zugleich auf jenen Sibyllen-Namen, | ||
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| - | Vor wenigen Jahren widerfuhr droben am Sibyllensteine einem Waldarbeiter etwas Seltsames. Derselbe war damit beschäftigt, | ||
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| - | Als vor Jahren auf dem Sibyllensteine Wald geschlagen wurde, fanden Waldarbeiter beim Stöckeroden einige verrostete Spieße aus Eisen oder Bronze. Dieselben lagen unter großen Steinen, die mit Moos und allerhand Gestrüpp überwachsen waren. Leider wurden diese Fundgegenstände von jenen Waldarbeitern nicht weiter beachtet. Sie warfen, wie mir der betreffende Waldarbeiter selbst erzählte, „die alten Dinger“ beiseite. Sie wurden wieder verscharrt. Zu meinem größten Bedauern wußte der Mann jene Stelle nicht mehr genau zu bezeichnen. – Es ist nicht leicht, die nähere Umgebung des Felsenaltares nach Altertümern zu untersuchen. So mancher Felsblock müßte beiseite gerollt, manches Gestrüpp entfernt werden. Aber sicherlich würde die Untersuchung nicht ergebnislos sein. Etwaige Funde könnten uns willkommenen Aufschluß geben und mancherlei Kunde bringen aus der Vorzeit des Hochsteins. | ||
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| - | In früheren Jahrhunderten nannte man jenen Felsenaltar droben auf dem Hoch- oder Sibyllensteine den weißen Stein, und das nicht mit Unrecht; denn weithin ist der turmhohe Felsen wegen des hellfarbigen Granits sichtbar. Er erscheint in der Ferne in einem hellen, weißen Gewande. In einer Grenzurkunde vom Jahre 1213 ist der Hochstein als der weiße Stein bezeichnet. – Als Opferherd hat sich der Felsenaltar auf dem Sibyllensteine wie kaum eine andere Höhe geeignet; denn das Opferfeuer auf dem Gipfel des Felsens konnte aus meilenweiter Entfernung gesehen und beobachtet werden. Die Umwohner, welche nicht mit hinauf nach dem weißen Steine wallfahrten konnten, erkannten doch an dem zum Himmel auflodernden Opferfeuer, wann die Stunde der Opferung begann. – Nach der Sage haben sich die altheidnischen Gottheiten, welche vormals auf der Felsenhöhe des Sibyllensteines verehret wurden, in das Innere des Berges zurückgezogen. Sie zürnen den Umwohnern darüber, daß dieselben unter das Kreuz sich beugten und Christen geworden sind. | ||
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| - | Ihr Grollen hierüber kann man zu Zeiten auch heute noch vernehmen. An manchen Tagen hört derjenige, der oben auf dem Sibyllensteine weilt, ein heftiges Donnern, das tief aus dem Innern des Felsenaltares dringt. Mancher, der dieses Donnern im Berge vernommen hat, ist heftig darüber erschrocken und davongeeilt. Andere wieder glaubten, ein Gewitter sei im Anzuge, obwohl nirgends ein Wölkchen am Himmel zu entdecken war und die Sonne freundlich niederschien. Ueber das Gehörte verwundert, verließen auch sie den Berg. Besonders unheimlich klingt das Donnern in jenem Felsenlabyrinthe des Sibyllensteines zur Nachtzeit. Freilich nicht jeder geht zu später Stunde gern hinauf auf diesen Berg. – | ||
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| - | Das Donnern im Innern des Sibyllensteines findet aber eine ganz natürliche Erklärung. Man vernimmt jenes vielen rätselhafte Rollen nur an solchen Tagen, an welchen der Sturm von W. oder O. her über die Höhe braust und an den turmhoch aufgebauten Felsenmassen sich bricht und durch die einzelnen höhlenartigen Spalten und Nischen fährt. Wenige Sekunden nach jeder Sturmeswelle ist der Donner zu vernehmen, dessen Stärke von der Beschaffenheit der betreffenden Sturmeswelle abhängig ist. Die Sage beweist uns, daß schon in den frühesten Zeiten die Umwohner das Donnern im Innern des Sibyllensteines vernommen haben und sich selbst eine Erklärung machten. – Die einst hier oben weilenden Priesterinnen deuteten das Donnern als die Sprache der Götter, denen das Volk Opfer brachte. | ||
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| - | Was der Czernebog und der Bielebog für die östliche Lausitz sind, das ist der Sibyllenstein mit seinem Nachbar, dem Keulenberge bei Oberlichtenau, | ||
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| - | Wie vor Jahrtausenden, | ||
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