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| - | ====== Die Sankt Barbara- oder Schlosskapelle zu Stolpen ====== | ||
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| - | Es war im Jahre 1813. Die Franzosen hausten im Lande, und niemand erlebte frohe Stunden. Städte und Dörfer wurden in rauchende Trümmerhaufen verwandelt und die Bewohner des Landes ausgeplündert. Auch in Stolpen wirtschafteten die Franzosen in gewohnter Weise. Ihre Zerstörungswut ließen sie an dem Schlosse aus, das durch ihre Hände fast vollständig in die Luft gesprengt wurde. So ging damals unter vielen anderen Schloßgebäuden auch die hochinteressante und altehrwürdige Sankt Barbara- oder Schloßkapelle durch die Franzosen zu grunde. Heute stehen von ihr nur noch die Grundmauern. | ||
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| - | Die Sankt Barbarakapelle des Schlosses zu Stolpen wurde im Anfange des 15. Jahrhunderts von dem damaligen Bischof zu Meißen, Thimo, | ||
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| - | Die Schloßkapelle zu Stolpen hatte mehrere Altäre. Der „Hohe Altar“ oder der Hochaltar war „U. L. Frauen, ingleichen der Sankt Barbara und dem heiligen Erasmus“ geweiht. Die Stifter dieses Altares waren „Bartholomäus Laß und George Heyde, deren Jahresgedächtnis deshalb an gewissen Tagen in der Sankt Barbarakapelle gefeiert ward, wie aus der alten Kirchenordnung, | ||
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| - | „Es steht dieses schöne Denkmal des Altertums noch heutigen Tages und kann nicht ohne Bewunderung und Vergnügen betrachtet werden. Der untere Teil dieses Altares ist steinern, und man muß auf drei Stufen dazu hinaufsteigen; | ||
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| - | Zu dieser Inschrift bemerkt der Chronist Gercken folgendes: „Diese rätselhaften Ausdrücke beziehen sich ohne Zweifel auf den Mond, den Maria unter ihren Füßen hat, wie oben gemeldet worden. Der Verstand würde also dieser sein: Ich bin der Sonnen Kind (denn der Mond hat sein Licht von der Sonne), zugleich mit ihr gemacht (denn Gott machte zwei Lichter), auf lateinisch heiße ich Lux (ein Licht), welches Wortes und Buchstaben auf obige Weise können gezählt werden. – Wie muß sich nicht der Verfasser den Kopf darüber zerbrochen haben!“ – | ||
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| - | Ganz oben am Altare waren folgende Verse zu lesen: O regina poli, mater gratissima proli, Spernere me noli, commendo me tibi soli. (O Himmelskönigin, | ||
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| - | Si vis auctorem, quicumque es posse salutis: Sola salus Christi sangvis et una salus. (Wenn du, wer du auch seist, willst kennen den Schöpfer des Heils, Christi Blut ist nur Heil und das einzige Heil.) – Die beiden Flügel des Altares waren bemalt, und zwar zeigten diese Bilder Vorgänge aus der heiligen Schrift. Der Chronist sagt hierüber: | ||
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| - | „Die dabei gebrauchten Farben sehen, der Länge der Zeit ungeachtet, so frisch aus, als ob sie nur ganz neuerlich aufgetragen wären, und das häufig angebrachte Gold erhebet dieselben so ausnehmend, daß das Auge dadurch besonders ergötzet wird. Am rechten Flügel ist, in der oberen Abteilung, die Verkündigung des Engels Gabriel im Bilde zu sehen mit der Bleischrift: | ||
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| - | Virginis in premio federa hacis habent 1487. | ||
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| - | Die äußerliche Gestalt erhielt dieser Altar zur Zeit des Kurfürsten Vater August. Derselbe war es, der die Reformation in Stolpen einführte. Er ließ auch den Hochaltar der Sankt Barbarakapelle bemalen. Unten am Altare war das letzte Ostermahl des Herrn abgebildet. Am rechten Flügel sah man in der oberen Abteilung die Ausgießung des heiligen Geistes bildlich dargestellt, | ||
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| - | Zur Erläuterung des oben Gesagten diene folgendes: | ||
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| - | Am 22. Juni des Jahres 1566 ließ der Besitzer des Lehngutes zu Altstadt bei Stolpen, Barthel von Tolckwitz, einen Sohn in der Schloßkapelle taufen, der den Namen „August“ erhielt. Dazu hatte Barthel von Tolckwitz folgende fürstliche Personen als hohe Taufzeugen geladen: Den Kurfürsten August zu Sachsen, die Kurfürstin Mutter Anna((Anna von Dänemark (1532–1585), | ||
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| - | Nach den Berichten des Chronisten zu schließen, muß der Hochaltar der Schloßkapelle zu Stolpen sehr wert- und schmuckvoll gewesen sein. Von ihm sieht man heute nur noch die drei Stufen, welche zu ihm hinaufführten, | ||
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| - | Nun gab es in der Schloßkapelle aber auch noch den Altar der Sankt Katharina, des Sankt Bartholomäus, | ||
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| - | Die Schloßkapelle zu Stolpen wird vom Chronisten weiter also geschildert: | ||
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| - | „Es steht noch heute (1764) mitten in dieser Kirche ein großes, steinernes und sehr künstlich gearbeitetes Crucifix, aus den Zeiten des Papsttumes, woran einer von den eben genannten Altären gestanden hat, und es wird der noch vorhandene steinerne Altartisch jetzt statt eines Taufsteines gebraucht. Damit nun der Gottes- oder vielmehr Mariendienst desto fleißiger in unserer Schloßkirche abgewartet würde, sorgten die Bischöfe auch für ein gutes Einkommen derselben. Bischof Johann IV.((Johannes Hoffmann von Schweidnitz, | ||
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| - | Die Schloßkapelle war außerdem mit Reliquien der Heiligen reichlich versehen. Diese Sammlung wurde aber noch mehr bereichert, als im „Meißnischen“ die Reformation eingeführt worden war und der damalige Bischof nach Stolpen, das noch viele Jahre papistisch war, sich zurückzog. Aus Meißen flüchtete er hierher mit all’ seinen Heiligtümern. Diese Reliquien blieben in der Sankt Barbarakapelle natürlich nur solange, als Stolpen noch in den Händen des Bischofs war. | ||
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| - | Bisher war die Schloßkapelle zum öffentlichen Gottesdienste gebraucht worden. Es trat hierin aber im Jahre 1559, in welchem Jahre die Reformation in Stolpen eingeführt wurde, eine Änderung ein. In der Schloßkapelle wurde von jetzt ab kein öffentlicher Gottesdienst mehr abgehalten, außer wenn der Kurfürst in Stolpen weilte. Aber im Jahre 1660 ward auf ergangenen gnädigsten Befehl des durchlauchtigsten Kurfürsten Johann Georg II.((Johann Georg II. (1613–1680), | ||
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| - | Geschichtliches Interesse hat die Schloßkapelle zu Stolpen noch dadurch, daß Kurfürst Vater August in derselben seinen 8. Sohn, den Prinzen „Adolf“, | ||
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| - | In neuerer Zeit hat die in Trümmern liegende Schloßkapelle zu Stolpen die Aufmerksamkeit der Besucher dadurch auf sich gelenkt, daß man im Jahre 1883 in ihr die langgesuchte Gruft der im Jahre 1765 verstorbenen Gräfin Cosell((Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel (1680–1765), | ||
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| - | „Hier ruhet in Gott und erwartet die fröhliche Auferstehung die hochgeborne Frau Anna Constanze, Reichsgräfin von Cosell, geb. von Bruckdorf. Sie erblickte das Licht dieser Welt Anno: 1680 den 18. Okt. auf dem Erbgute Depenau in Holstein. Ihr Herr Vater war der weil. wohlgeb. Herr Joachim von Bruckdorf, hochbestalt gewesener Oberster über ein dänisches Kürassier-Regiment. Ihre Frau Mutter war die hochgeborne Frau Anna Margarethe, geb. Gräfin von Marselli. Ihr Herr Großvater von mütterlicher Seite war der wohlgeborne Herr Detehoff von Burgdorf, ebenfalls in dänischen Diensten, ihre Frau Großmutter aber die wohlgeborne Freifrau Frau Anna Dorothea aus dem Hause Rantzau im Holsteinischen. Die Cosell vermählte sich Anno: 1699 an Adulphum von Hoym und entschlief in Gott, nachdem sie ihr ruhmvolles Alter auf 84 Jahre, 5 Monate und 13 Tage gebracht, den 31. 3. 1765.“ | ||
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| - | Der Eingang zur Sankt Barbarakapelle befindet sich auf der Nordseite. Im Innern sieht man an der westlichen Mauer noch eine alte Steintreppe, | ||
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| - | Heute ist aber von jenem Turme der Schloßkapelle nichts mehr zu sehen. Derselbe ging 1813 verloren. Von ihm sind nur noch die Grundmauern übriggeblieben. Der blaue Himmel bildet heute das Gewölbe der ehemaligen Schloßkapelle zu Stolpen. Der Zahn der Zeit nagt gewaltig an ihr, doch wird sie trotzdem gewiß noch Jahrhunderte der Witterung widerstehen; | ||
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| - | Um das Gemäuer der alten Burgkapelle hat Frau Saga ein duftendes Gewand gehüllt; denn die Sage flüstert so gern in Ruinen, schwebt um stolze Burgen und thront auf Felsensteinen. Nachts hört man oftmals ein seltsames Klingen von der alten Burgkapelle her. Das sollen die silbernen Glocken sein, welche einst die frommen Beter zur Andacht riefen. In dunklen Herbst- und Winternächten, | ||
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