text:wasdieheimaterzaehlt018
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| - | ====== Das wüste Dorf Reinhardtswalde ====== | ||
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| - | Im großen Karswalde, einer umfangreichen Waldung, die sich zwischen den Dörfern Arnsdorf, Kleinwolmsdorf, | ||
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| - | Reinhardtswalde dehnte sich von Nordosten nach Südwesten aus. Diese Richtung erkennt man aus dem Laufe eines Bächleins, das jene stillen Waldwiesen durchschlängelt, | ||
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| - | Das verwüstete Dorf Reinhardtswalde war ein gar stattliches Kirchdorf und als solches Filial von Kleinwolmsdorf bei Radeberg. Darum gehören auch die einstigen Reinhardtswalder Grundstücke heute zu Kleinwolmsdorf. Wohl der größte Teil des wüsten Dorfes gehört seit den ältesten Zeiten dem Kleinwolmsdorfer Lehngerichte. | ||
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| - | Am erwähnten Bächlein wandern wir aufwärts. Zu beiden Seiten breiten sich einsame Wiesen aus, die vom Walde umrahmt sind. Nach kurzer Wanderung kommen wir in ein kleines, enges, von dunkelm Fichtenwalde überdecktes Tal. Hier war die Mitte des Dorfes, und auf dem Hügel zur rechten Hand stand die Kirche von Reinhardtswalde. Noch heute nennt man diesen Hügel den Kirchberg. Neben der Kirche befand sich der Kirchhof. Vor einigen Jahrzehnten wurde auf dem Kirchberge ein Grabgewölbe entdeckt. | ||
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| - | Am oberen Ende dieses anmutigen und walddunkeln Tales lag die Mühle von Reinhardtswalde. Die Dämme der ehemaligen Mühlteiche, | ||
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| - | Am Kirchberge vorüber führt quer durch das wüste Dorf ein alter Waldweg, der die Dörfer Kleinwolmsdorf, | ||
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| - | Warum zerstörten die Hussiten das Dorf Reinhardtswalde? | ||
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| - | Reinhardtswalde lag im Stifte Meißen. Der damalige Bischof von Meißen hatte, als er noch Rektor der Universität Leipzig war, dem Todesurteile, | ||
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| - | Was wurde nun aus den noch am Leben gebliebenen Bewohnern von Reinhardtswalde? | ||
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| - | Die geflohenen Kinder, Weiber und Greise von Reinhardtswalde fanden liebevolle Aufnahme in den benachbarten Dörfern, besonders in Kleinwolmsdorf und Wilschdorf. Das Dorf Reinhardtswalde wurde aber nicht wieder aufgebaut. Es blieb ein Trümmerhaufen, | ||
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| - | Die Sage erzählt über diese Verteilung folgendes: | ||
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| - | Bei der Verteilung des wüsten Dorfes Reinhardtswalde ging nicht alles ab. Eine Frau aus Reinhardtswalde, | ||
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| - | Diese Frau hinterließ keine Erben. Dadurch kam das Frauenholz wieder an den Staat und wurde im Jahre 1852 vom Lehnrichter Hübner in Kleinwolmsdorf durch Tauschhandel erworben. Hübner trat für das Frauenholz, das etwa 1/2 km westlich von der Bahnlinie „Arnsdorf–Pirna“ liegt, den Pinchteich und Flüchteich an den Staat ab, der dieselben entwässern ließ und bewaldete. | ||
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| - | Das wüste Dorf ist eine reiche Sagenstätte. Hier lauscht und flüstert die Sage seit Jahrhunderten. Viel wissen die Leute von hier sich zu erzählen. Einige der schönsten Sagen mögen hier folgen: | ||
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| - | Vor vielen, vielen Jahren, als noch Wildschweine unsere Wälder bewohnten, wurde im wüsten Dorfe eine Glocke aufgefunden. Dieselbe war von einem Wildschwein aus der Erde gewühlt worden. Eine Henne scharrte die noch mit Erde bedeckte Glocke frei und eine Frau, mit Namen Hanne, soll diese Glocke im Walde beim Beerensuchen gefunden haben. Seit jener Zeit hängt die aufgefundene Glocke auf dem Kirchturme des benachbarten Wilschdorf und ist von den drei dortigen Kirchenglocken die kleinste und älteste. Dieselbe ist noch gut erhalten, nur der untere Rand ist etwas beschädigt, | ||
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| - | „Saue wühle,\\ | ||
| - | Henne scharre,\\ | ||
| - | Hanne fand se.“ –\\ | ||
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| - | Vor Jahren ging zur Sommerzeit ein Handwerksbursche von Dittersbach nach Kleinwolmsdorf. Er benützte den alten Reinhardtswalder Weg und kam um die Mittagsstunde durch das wüste Dorf. Heiß brannte die Sonne nieder, doch wohltuend war der kühle Schatten des Waldes. Da stand, als er in einen stillen Wiesengrund kam, hart am Wege ein altes, mit Stroh gedecktes Wirtshaus, aus dem lustige Töne klangen. Er trat näher und merkte, daß hier eine Hochzeit gefeiert und in der niedrigen Gaststube Hochzeitstanz abgehalten wurde. Schüchtern trat der Wanderbursche ein und wunderte sich über die altertümlichen Trachten der Hochzeitsgäste. Wie er so zusah und sich verwunderte, | ||
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| - | Das wüste Dorf liegt abseits von den Verkehrswegen. Still ist es dort, waldeinsamstill an der Stätte jenes ehemaligen Dorfes. Nur den Wald hört der Wanderer rauschen und die Waldvöglein singen. Doch des Nachts, wenn die Waldkäuzchen klagen und der Vollmond über dem Waldmeere droben am Himmel steht, dann hört man durch den stillen Forst die Glocken von Reinhardtswalde lauten. Auf dem Kirchberg erhebt sich ein altehrwürdiges Kirchlein mit hellerleuchteten Fenstern. Geisterhafte Gestalten ziehen hinaus zum Gotteshause. Aus dem grünen Wiesengrunde heben sich kleine, strohbedeckte Hütten empor. Das sind die Häuser von Reinhardtswalde. Das Bächlein plätschert, | ||
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