text:wasdieheimaterzaehlt017
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| - | ====== Der Lange Teich bei Kleinwolmsdorf ====== | ||
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| - | Es war im Jahre 1429. Die Hussiten, jene fanatischen Mordbrenner, | ||
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| - | Von Reinhardtswalde aus wollten die Hussiten nach dem benachbarten Arnsdorf und dieses in Brand stecken, doch hinderte sie beim Vorwärtsdringen ein seeartiger Teich, der von der heutigen Arnsdorfer Mühle bis hinab nach Kleinwolmsdorf reichte. Dieser Teich war tief und sehr umfangreich. Nur auf einem großen Umwege konnten die Hussiten nach Arnsdorf gelangen. Unterdessen war Befehl eingetroffen, | ||
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| - | Jener seeartige Teich hieß „der Lange Teich“. Derselbe soll im 13. Jahrhunderte von den Markgrafen zu Meißen, denen Kleinwolmsdorf zugehörte, angelegt worden sein. Jahrhunderte hindurch bildete er einen hochschätzbaren Teil unter den Besitzungen des Rittergutes „Wolmsdorf“, | ||
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| - | Der Lange Teich nahm das ganze Wiesental ein, welches sich von dem Rittergute zu Kleinwolmsdorf bis weit hinauf über die Arnsdorfer Mühle erstreckt und von der Kleinen oder der Schwarzen Röder durchflossen wird. Die Kleine Röder führte dem Langen Teiche das nötige Wasser zu und bildete auch den Abfluß dieses Teiches. Seinen Abschluß fand der Lange Teich in der Nähe des Kleinwolmsdorfer Rittergutes. Dort befindet sich noch jetzt ein ungefähr sechs Meter hoher Damm, der ehemalige Teichdamm, welcher quer durch den Wiesengrund sich zieht. | ||
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| - | [50] In früheren Jahrhunderten legte man in wässerigen Niederungen, | ||
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| - | Der Lange Teich war noch im Anfange des 19. Jahrhunderts über 100 Acker oder 50 ha groß, ist früher aber bedeutend größer gewesen. In seiner Mitte befand sich eine größere, bewaldete Insel, zu der man auf Kähnen gelangte. Auf dieser Insel wurden in früheren Zeiten allerhand Vergnügungen und Belustigungen abgehalten. | ||
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| - | Unter den vielen Teichen, welche einst zu dem Rittergute Kleinwolmsdorf gehörten, war der Lange Teich der vorzüglichste. In ihm gediehen die Fische am besten. Der Teich stand unter Aufsicht und Verwaltung eines kurfürstlichen Fischmeisters, | ||
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| - | In dem Langen Teiche gab es außer allerhand Fischen auch viele Fischottern, | ||
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| - | Im Jahre 1776 kam das Rittergut Kleinwolmsdorf in den Besitz des „Kurfürstlich Sächsischen Kabinetsministers und Staatssekretärs Christian Gotthelf von Gutschmidt“. Vom damaligen Kurfürsten Friedrich August erhielt er den Langen Teich als Geschenk, weil er, wie die Sage erzählt, in Gegenwart des Landesherrn diesen Teich als eine „Entenpfütze“ bezeichnet hatte. | ||
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| - | Als im Kriegsjahre 1813 die Franzosen die hiesige Gegend unsicher machten, wäre für sie der Lange Teich beinahe sehr verhängnisvoll geworden. Die Franzosen waren von den Preußen in ihrem Lager zwischen Arnsdorf und Kleinwolmsdorf überrumpelt worden und mußten eiligst die Flucht ergreifen. Die Franzosen wurden von den Preußen nach dem langen Teich zu getrieben und sollten in demselben auf Wunsch der Preußen ertrinken oder zum mindesten ein unfreiwilliges Bad nehmen. Doch konnten die Franzosen zum Glück noch rechtzeitig eine Schwenkung ausführen und so den Langen Teich umgehen. | ||
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| - | Christian Gotthelf von Gutschmidt ließ im Jahre 1815 den Langen Teich trockenlegen und in Wiesenland umwandeln, freilich trugen die Wiesen viele Jahre hindurch meist nur schilfiges Gras, das nicht gerade ein gutes Futter für das Vieh war. | ||
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| - | Fast jedes Jahr kommt es vor, daß die Kleine Röder zur Zeit der Schneeschmelze oder langandauernden Regens aus ihren Ufern tritt und die angrenzenden Wiesengrundstücke weithin überschwemmt und seeartige Wiesenflächen bildet. Zu solchen Zeiten hat man ein kleines Bild von dem Umfange des ehemaligen Langen Teiches. | ||
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| - | An diesen Teich erinnert heute noch die einstige Insel, welche als bebuschter Hügel auf der ausgedehnten Wiesenfläche sich erhebt und bei Überschwemmungen als wirkliche Insel aus der Flut emporragt. Auch der alte Teichdamm, welcher den Langen Teich am unteren Ende abschloß, ist noch vorhanden. An ihm führt ein Fahr- und Fußweg hinüber zur alten Teichschenke, | ||
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| - | In früheren Zeiten war der Lange Teich auch von Nixen bewohnt, doch sind sie, wie die Sage berichtet, nach Trockenlegung des Teiches in andere Gewässer verzogen. Nur nachts, wenn der Nebel auf den sumpfigen Wiesen lagert und der Vollmond durch sein Silberlicht die Nacht zum Tage macht, kehren die Nixen und Elfen hierher zurück und wiegen sich auf den weißen Nebelstreifen in lieblichen Tänzen und Reigen. Gespenstisch ragen dann die alten Weiden und Erlen, welche die Ufer der Kleinen Röder einnehmen, aus der Nebelmasse hervor. Murmelnd zieht das Bächlein durch den stillen Wiesengrund dahin. | ||
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