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| ====== Abhandlungen und Zusammenstellungen ====== | ====== Abhandlungen und Zusammenstellungen ====== | ||
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| + | ===== A. Eine Pfingstbetrachtung ===== | ||
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| + | ((1 Diese Abhandlung wurde Pfingsten 1853 geschrieben und erschien in Nr. 114 und 115 des Magdeburger Correspondenten von jenem Jahre. Da das Publikum in der Regel so manche Frage über das Wesen der Sage an die Sammler hat, so lasse ich sie hier wieder abdrucken, wobei man nicht verkennen wird, daß sie anderer Leser wenigstens einen anderen Zweck vor Augen hat, als die übrigen Abhandlungen und Anmerkungen dieses Buches.)) | ||
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| + | Was waren doch das vor zehn bis fünfzehn Jahren noch für andere Pfingsten als heute! Das Wetter war in der Woche vorher und zu Pfingsten selbst nicht immer so schön als diesmal, im Gegentheil, es war manchmal herzlich schlecht, aber wie munter sprangen nicht unsere »Peiasse« in dem Dreck umher, die sich auf den »Pfingstbieren« einfanden! was schadete es, wenn auch die Laubhütten, | ||
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| + | Heute lacht die Pfingstsonne so herrlich, aber es ist stiller geworden zu Pfingsten und der laute Jubel ist mehr und mehr verstummt. Man kann das alte Leben wohl noch finden, aber es will gesucht sein. So wollen auch wir es heute suchen, indem wir uns heute am Pfingstfeste nicht sowohl in einzelnen Schilderungen, | ||
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| + | »Wer kann es leugnen – sagte J.W. Wolf im Vorwort seiner hessischen Sagen (Göttingen, | ||
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| + | Es ist wesentlich ein dreifaches Interesse, das wir an den alten Ueberlieferungen nehmen: zunächst ein rein literarhistorisches, | ||
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| + | Was den ethischen Gehalt der alten Ueberlieferungen betrifft, so tritt dieser am Meisten bei den Sitten und Gebräuchen hervor, aber auch bei den Sagen und Märchen. Unter den Sagen eines jeden Ortes findet man eine oder mehrere, in denen der Betrug bestraft wird, besonders wenn er von Reicheren gegen Aermere verübt ist, z.B. von einer Gastwirthin, | ||
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| + | Unter den Gebräuchen muß man unterscheiden zwischen denen, die insgeheim ausgeübt werden und denen, die das Licht nicht scheuen und gleichsam öffentliche Handlungen sind. Alles was zu den »Sitten« und Gebräuchen im letzteren Sinne gehört, sollte unter den Schutz der öffentlichen Meinung gestellt sein, und namentlich sollten die Gebildeten sich nicht es zur Aufgabe machen, es da, wo es sich noch findet, auch wenn sie es nicht verstehen, zu zerstören. Viele dieser Sitten enthalten in der That ein gutes Theil der öffentlichen Sittlichkeit, | ||
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| + | Zu den Gebräuchen gehören die Spiele, besonders die der Kinder. Auch diese hat man jetzt zu sammeln und aufzuzeichnen begonnen. Wer sich von dem Werth unserer Ueberlieferungen überzeugen will, der braucht nur die Spiele, welche er an irgend einem Orte vorfindet, mit denen zu vergleichen, | ||
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| + | Wie bereits oben gesagt wurde, so gibt es auch bedenkliche Gebräuche, die sich der Oeffentlichkeit entziehen. Hierher gehört fast das gesammte Gebiet des Aberglaubens, | ||
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| + | Wie trocken nun dem ferner Stehenden, gleich jeder anderen specielleren Wissenschaft, | ||
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| + | ===== B. Ueber die Zwerge in Familiensagen ===== | ||
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| + | Der Vorberg, den man beim Besteigen der Harburg bei Wernigerode von Küster' | ||
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| + | Wir geben diese uns nachträglich mitgetheilte Sage zur Ergänzung der Sagen von der Harburg, wie sie gedruckt sind S. 50- 53 unter Nr. 128-131 und 134; S. 55 Nr. 138-140; S. 60 Nr. 149. Zunächst ist zu bemerken, daß hier die Fortrückung des Schlosses von der Harburg nicht einem Zwerge, sondern dem Teufel zugeschrieben wird. Wie jedoch der Teufel auch nach den von uns im Texte mitgetheilten Sagen auf der Harburg zu Hause ist, zeigt besonders Nr. 137, S. 55. | ||
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| + | Der Name Rutschefort ist entstanden aus Rochefort ((Spener, Historia insignium S. 767 sagt: »Ita notatur comitatus Rupifortius, | ||
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| + | Die Sage, wonach Zwerge das Wernigeröder Schloß erweitert und nach dem gegenüber liegenden Berge, auf dem es noch jetzt steht, versetzt haben, wird sich vielleicht ursprünglich mehr auf das innere Wachsthum des Geschlechtes, | ||
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| + | Wie Geburt und Tod, nach meinem Dafürhalten, | ||
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| + | Ueberhaupt aber werden wir nicht irren, wenn wir in dem Ringe, an den das Wohl einzelner Adelsfamilien geknüpft ist, und den Ahnfrauen dieser Häuser zum Lohn dafür empfangen haben sollen, daß sie Zwerginnen bei der Niederkunft beigestanden hatten, den Ring der deutschen Heldensage sehen. | ||
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| + | Am bekanntesten ist diese Familiensage von der Familie Alvensleben; | ||
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| + | Nachdem in S.W. Wohlbrück' | ||
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| + | Da sich der Zwergring hiernach in dem Dorfe Erxleben zu befinden scheint, so möge folgende Sage hier Platz finden. Im Riesen, einem Walde zwischen Erxleben und Bartensleben, | ||
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| + | Im neunten Abschnitte meines Schriftchens »Aus dem Harze« erzähle ich die Sage von der durch Zwerge verlangten Hülfe in Geburtswehen von der Familie Asseburg (Falkenstein). Dort empfängt die Burgfrau zum Lohne drei Kugeln von Gold und drei Becher von Glas. Wird hierbei der Leser sich an Uhland' | ||
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| + | ===== C. Ueber einige Märchen und Sagen vom Hirsch ===== | ||
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| + | In den Zweigen der Esche Yggdrasil, deren eine Wurzel zu der Unterwelt geht, laufen vier Hirsche und benagen ihre Knospen. Auch nagt der Hirsch Eikthyrnir an den Aesten des Baumes Läradhr, der in Valhöll steht. | ||
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| + | Nach mannigfachen deutschen Sagen verlockt ein Hirsch in die Unterwelt, die bald ein Gott, bald eine Göttin beherrscht. Vergl. K. Simrock, Handbuch der deutschen Mythologie I, S. 374. Auch W. Müller, N.S.S.S. 379. | ||
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| + | In der Wölsunga 34 erzählt Gudrun einen Traum, worin Sigurd durch einen goldenen Hirsch angedeutet wird. Vergl. Wilhelm Grimm, Heldensage S. 394. | ||
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| + | Sehr bekannt ist seit Kurzem das Märchen vom goldenen Hirsch, das unter Nr. 54 in Prof. Meier' | ||
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| + | Ich halte zu diesem Märchen, worin ein Hirsch von Golde hergestellt und dadurch die Prinzessin verführt wird, zunächst St. Oswaldes Leben, wo dieser einen Hirsch von zwölf Goldschmieden mit Gold bedecken läßt, mit deren Hülfe er auch die schöne Pamige entführt. Dieser Hirsch wird aber auch unmittelbar aus dem Paradiese gesandt. (Siehe Simrock a.a.O. S. 53 und 55). Der goldene Hirsch kommt aus einer Quelle und hängt mit einem Felsen zusammen Vergl. auch meine Märchen für die Jugend Nr. 36, wo sieben Hirsche auf goldenen Ringen um die Hörner aus einer Klippe aus- und eingehen, die der Eingang zu einem verwünschten Schlosse ist. Einer der Hirsche ist eine verwünschte Prinzessin und heirathet einen von sieben desertirten Soldaten, die ihnen in die Klippe nachgegangen sind. Eine merkwürdige Variante dieses Märchens ist mir neuerdings in Ilsenburg erzählt. Danach liegt das Schloß, wo hinein ein goldener »Hirschbock« die sieben Soldaten verführt, geradezu am Brocken. In dem Schlosse hört man nur ein Geräusch, und Speisen werden hineingesetzt; | ||
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| + | Ein anderes Märchen vom goldenen Hirsch in der niederdeutschen Mundart von Ilsenburg ist von mir mitgetheilt in: »Die deutschen Mundarten. Eine Monatschrift für Dichtung, Forschung und Kritik. Herausgegeben von Dr. G. Karl Frommann, Vorstande des Archivs und der Bibliothek beim germanischen Museum.« Nürnberg, 1855. 2. Jahrgang. März und April. S. 173-176. Danach verlockt ein Zauberer in Gestalt eines goldenen Hirsches einen Grafensohn auf der Jagd und nöthigt ihn mit nach seinem Zauberschlosse zu kommen. Bemerkenswerth ist, daß die Brockengegend die Heimath dieses Märchens ist. In derselben wird auch folgendes erzählt, was geradezu zur Erläuterung des eben erzählten Ilsenburger Märchens dienen kann: Venediger verwandeln sich in einen Hirsch mit goldnem Geweih. Einst schoß ihn jemand, da lagen nur zwei Hörner da und statt des Hirsches standen zwei Venetianer da (es war am Scharfenstein am Brocken). Dort fließt ein röthliches Wasser, das sich in die Ecker ergießt. | ||
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| + | Bei den drei Jungfern, welches drei Steine sind, die am Brocken, in der Gegend des Jacobsbruchszwischen der Hohne und der Pleßburg liegen, und dort am Brücknerstieg (vergl. S. 129) geht ein goldner Hirsch. Vor den Verfolgern ist er auf wunderbare Weise verschwunden. | ||
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| + | Nach einer andern Erzählung verfolgen umgekehrt wie im Ilsenburger Märchen die Venediger den goldenen Hirsch. Von der Kapellenklippe weg, wo früher ein Einsiedler gehaust haben soll, von der Landmannsklippe her (von wo die Bauern im Lande Holz hauen), geht ein goldener Hirsch nach dem Brücknerstieg, | ||
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| + | Die Sage vom Förster und den Venedigern wird auch, der Meisdorfer Fassung am Aehnlichsten, | ||
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| + | Zunächst lehnt sich auch insbesondere diese Sage an den in dieser Abhandlung schon erwähnten Brücknerstieg. Dort, wo die kleine Holtemme entspringt, soll eine Horde mit grünen Tannen belegt sein, wie öfter an Stellen, wo Venediger verkehren. Da trifft ein Jäger einen Zigeuner, der läßt Wasser in ein Sieb laufen, sie trinken dann, der Jäger schläft ein und liegt auf dem Markte in Venedig. Dort ist das Rathhausdach von Gold und Silber, ebenso sind die Dächer ringsum von Golde; ein kleiner Mann kommt, er muß mit ihm ins Haus gehen, bleibt ein paar Jahr bei ihm, trinkt wieder, geht auf den Markt und liegt endlich wieder auf der Stelle am Brücknerstieg. | ||
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| + | Interessant ist das Vorhandensein eines Borns((In Schierke sagt man: Der Jäger lag in Venedig vor einem Wassertrog.)), | ||
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| + | Beim Jägerkopf und am Jägerborn unweit des Molkenhauses am Brocken traf ein Köhlerjunge Venediger. Sie wollten etwas aus dem Wasser ziehen. Sie gaben ihm zu essen und zu trinken. Er schlief ein und als er erwachte, war er in einem prächtigen Schlosse. Dort fand er die Venediger in anderer Kleidung wieder. Sie beschenkten ihn reichlich mit Gold, dann entschlief er und wurde wieder in seine Heimath versetzt. | ||
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| + | In Elbingerode nennt man den goldenen Hirsch Kronen- oder Brockenhirsch, | ||
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| + | In allen diesen Fassungen der Sage ist unverkennbar von Bergentrübung und von einer Fahrt in die Unterwelt die Rede. Besonders bemerkenswerth ist, daß vor jeder dieser Entrückungen durch Venediger gegessen und getrunken wird; wer mit Geistern Speisen genießt entsagt dadurch dem gewöhnlichen Leben, worüber man in den N.S.S.S. 373-389 vergl. W. Müller' | ||
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| + | In manchen Fassungen der Sage wird der Hirsch auf das Schloß Wernigerode geliefert. In Schierke wird folgendes erzählt: Unter dem Brocken, südlich vom Königsbach, | ||
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| + | Es wird ferner erzählt von einem Jäger in Ilsenburg, der mehrmals einen fremden Mann verjagt habe bei einer bestimmten Verrichtung wie in der Fassung in den »Harzsagen«). Er ist dann auf die gewöhnliche Weise im Schlafe, gleich als würde er getragen ((Ganz wie die Helden, z.B. Heinrich der Löwe, entrückt werden.)), nach Venedig gekommen und hat da einen kleinen silbernen Hirsch erhalten. Daher rührt der Hirsch im Stolberger Wappen. | ||
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| + | Eine weitere Erzählung lautet: Der goldne Hirsch steht beim Grafen in Wernigerode; | ||
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| + | Mit der eben mitgetheilten merkwürdigen Sage ist folgende zu vergleichen: | ||
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| + | Michael Neander (1525-1595) sagt: Mons dat Stolbergae muros, insignia cervus Alter, jura comes, nomen et aera chalybs((Der Stahl.)). (Läncher, das Wappen des Grafenhauses zu Stolberg. 1836, S. 11). Vom Auersberg bei Stolberg wird die gewöhnliche Sage erzählt. Der Jäger ißt und trinkt mit einem Kroaten oder Slowaken, wie man dort die Venediger auch nennt((Vergl. Harzsagen, Vorwort S. XXIX.)), liegt dann zu Venedig in einem Rennstein und muß sich wieder hineinlegen, | ||
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| + | Säule und Hirsch im Wappen sind durch eine gelehrte Sage, die uns um so wichtiger wäre, wenn sie die Zusammengehörigkeit von Beiden bewiese, von Otto de columna hergeleitet worden. Man findet dieselbe nach ältern Quellen bei Spener a.a.O. S. 768. Wir führen die Sage hier so an, wie Zeitfuchs sie hat in den stolbergischen Historien (1717): | ||
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| + | »Laurentius Peckenstein setzet in seinem Theatro Sax das 564. Jahr, mit der Gelegenheit, | ||
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| + | Wir wenden uns jetzt wieder zu der mündlich auf uns gekommenen Ueberlieferung. Es wird erzählt: An der untersten Eiche bei der Pulvermühle, | ||
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| + | Ferner: Den schwarzen Hirsch fing ein Stolberger zur Zeit Kaiser Friedrich' | ||
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| + | Ferner: Ein weißer Hirsch blieb auf dem jetzigen Stolberger Markte stehen. Der Hirsch sagte: Hier auf dem Markte sollten sie Stolberg bauen. Ein Jahr darauf wurde »im 7jährigen Kriege« Stolberg eingeschossen und auf der jetzigen Stelle wieder erbaut. Der schwarze Hirsch (erzählen Andre, immer in Stolberg selbst), zeigt sich bei Stolberg am Hainfeldsberg, | ||
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| + | Nun sagt zwar Läncher S. 20-22 Folgendes: »Das Stolberg' | ||
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| + | Der würdige Prof. Günther Förstemann führt in seinen kleinen Schriften, Nordhausen 1855, Heft 1 an, daß auch die fränkischen Stalberge einen Hirsch mit ausgereckter Zunge im Wappen haben und nimmt dies als Verstärkung der Wahrscheinlichkeit dafür an, daß die harzischen Stolberge aus der Maingegend stammen. Dies wird, wie gesagt, nach unsren Sagen höchst unwahrscheinlich, | ||
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| + | Ueber die Säule im stolbergschen Wappen kann auch meine Abhandlung de nominibus montis Bructeri et de fabulis quae ad eum mortem pertinent (Wernigerodae 1855) p. 36 et 37 verglichen werden. Was wir so eben S. 194 u. 195 beigebracht haben, zeigt deutlich, daß die Wappensäule die sächsische Irmensäule ist . Interessant ist bei dem nahen Zusammenhange von Irmen- und Rolandsäulen No. 415 die Sage von Rolandi. Ob aber der nahe Zusammenhang zwischen Säule und Hirsch im Wappen ein bloß äußerlicher ist, oder möglicher Weise tiefer liegen könnte, darüber hier Untersuchungen anzustellen, | ||
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| + | Nachschrift. Herr J. Zacher hat die Güte gehabt, mir brieflich mitzutheilen, | ||
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| + | ===== D. Stellen am Harze, welche von Venedigern besucht sein sollen ===== | ||
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| + | Schon in den Harzsagen, S. 49, 128, 223, auch daselbst Vorwort S. XXIX-XXXI, ferner in der vorliegenden Sammlung unter No. 157, No. 323, No. 327, No. 328-330 und besonders in der vorhergehenden Abhandlung ist von den Venedigern und von dem Glauben, daß an bestimmten Stellen des Harzes Gold etc. zu holen sei, die Rede gewesen. Es scheint uns zweckmäßig, | ||
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| + | Wernigeroda. Wenn man von Wernigeroda den Bährenberg gehet, so kommt man vor zwei Sägemühlen, | ||
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| + | Brockenberg. Gehe hinter den Brocken auf die alte Straffe nach dem Morgenbrodsthale zu, in demselben Thale gehe hin, bis du wieder an zwei andere Thäler kommest, deren eines zur Rechten, das andere zur Linken lieget, bleibe du aber im mittelsten so lange, bis du an einen grossen Stein kommest. Zu demselben gehe und siehe dich um, so wirst du daran eingehauen sinden einen Mönch, der eine Keilhaue auf dem Rücken hat, derselben Spitzen nach gehe den Berg hinauf, so wirst du eine Saalweide und nahe dabei ein Loch finden, mit Wellen oder Reissig und Rasen beleget, die hebe auf und suche darinnen, so findest du Körner, die sich pletzen oder schlagen lassen und sehr gut sind, die andern aber taugen nichts. An eben selbigem Orte findet man auch einen Mönch am Wasser in Stein gehauen, gehe an dem Wasser hinan und siehe dich um, so wirst du einen Ahornbaum, der einer Kertzen gleich ist, finden, drei aus einem Stamm. Daselbst sind in einem Wiesenplatz drei Löcher, die so aussehen, als hätten sie die Schweine gewühlet, darinnen findet man Körner, die sich breit schlagen lassen. Das Pfund soll 20 Gülden kosten. | ||
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| + | Vom Kahlen - Königsberge, | ||
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| + | Bei dem neuen Schloß stehet ein Mahlstein, an welchem das Regen- und Hohensteinische Wappen gehauen ist. Zwischen diesem Mahlsteine und dem Schlosse liegt ein unterhohlter Hügel, darin ist himmelblaues Ertz, das gut Silber hält. | ||
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| + | Ellrich. Wenn du von Ellrich auf die alte Eisenhütte gehest, da liegt unter der Glashütte eine Brücke, darüber kommst du in den Hartz; gehe allda fort, so wirst du ein alt Mauerwerck, das verwachsen ist, finden. Davon halte dich zur linken Hand etwa zwei Acker breit, so wirst du zu einer Steinklippen kommen, an derselben gehe hin und so fortan, bis du für neun der Steinklippen hin bist, dann lehne dich an die letztere und siehe zur linken Hand, so wirst du etwa drei Acker breit davon wieder eine Steinklippen sehen, da gehe hinein, so wirst du eine Fichten finden, die mit Reisig zugedeckt ist, darunter ist ein Loch, in welchem gediegen Gold zu finden ist. | ||
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| + | Von Ellrich aus gehe man nach dem kleinen Brocken , ehe man aber dahin kommt, muß man durch ein Thal, das Suppenthal genannt, da wird man finden ein Brustbild an einem Stein gehauen, einem Mönch gleich, der weiset mit zwei Fingern, und wo er hinweiset, da lehne dich mit dem Rücken daran, so siehest du einen Stamm, daran stehet ein Schlüssel, lehne dich mit dem Rücken an den Stamm, so wirst du zwei Saalweidenbüsche sehn, daselbst schlage ein und suche, so wirst du gediegene Silberkörner finden, so sich schlagen lassen. – Gehe ferner von dem Brustbilde gleich aufwärts nach der schwarzen Schluft, halte dich nach der linken Hand und habe gut Acht, so findest du ein Brünnlein, das lässet zwei Ströme von sich, schöpfe es aus, und du findest gediegene Körner, man muß sie aber durch ein Sieb waschen, ihre Größe sind wie Erbsen. Von dannen gehe wieder aufwärts in der schwarzen Schluft hinauf, du kommst dann zu drei Eichen, dazwischen sind Löcher wie von Schweinen gewühlt, darinnen ist Wasser, das mußt du ausgießen, und du findest gediegene Silberkörner. Nicht weit von diesen Eichen findest du einen Platz und in demselben ist ein Loch mit einer Hort bedeckt, welche wieder mit Moos und Laub bedeckt ist, das nimm ab und öffne das Loch, so findest du einen Silbergang und daneben einen Schlägel und Setzeisen; da kannst du abschlagen soviel du willst, hast du genug, so lege das Zeug wieder hinein wie du es gefunden, du mußt aber ohne Betrug damit handeln, sonst hast du kein Glück damit. – Gehe aus der schwarzen Schluft über den kleinen Brocken, so kommst du an einen breiten Sumpf, der ist ganz wässerig, da findest du auch gediegene Goldkörner, | ||
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| + | Von der Neustadt aus ohnweit der Hartzeburg [vergl. oben] nach dem Schieferberge kommt man erstlich an ein Wasser, das die Kalbe heißt, davon gehe über die Ecker ein wenig unter das alte Mauerwerk, dann ferner über das weiße Wasser und gleich aufwärts nach dem Schieferberge, | ||
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| + | Von der Neustadt nach dem Nebelthale, welches bald auf voriges folgt, ist die Nürnberger Goldgrube, welche sie lange Jahre im Gebrauch gehabt, und soll 1 Pfund Ertz 100 Thlr. gelten. Ein wenig von selbigem Orte zur Rechten aufwärts ist ein guter Silbergang, bei diesen beiden Oertchen fließt ein Wässerlein, | ||
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| + | An dem Haselbache steht auch ein Ertz, der Taubenkopff genannt, dessen Pfund 1 Thlr. gelten soll, ist nahe bei der Hartzeburg gelegen. Nicht weit davon ist auch ein Ertz, der schwartze Talck genannt, so auch gut Silber hält, stehet nicht weit vom neuen Schlosse. | ||
| + | |||
| + | Bei Braunlage ist ein Brunnen, darin ist gut Ertz. Man muß ihn aber ausgießen, so man es haben will. Gehe von demselben Ort etwa einen Musketen-Schuß weit vom Wege ab zur rechten Hand, so wirst du eine alte Kohlstätte antreffen, daselbst schlage ein, so findest du ein Eisen, das kostbare Eisen genannt, das hält Gold in allen Proben und ist leicht zu gewinnen.« | ||
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| + | Noch liegt uns in der oben bezeichneten Abschrift, wir wissen nicht woher entnommen, Folgendes vor, was sich auf das Weingartenloch (vergl. Harzsagen S. 203-207, und die Anm. S. 296- 298) beziehen mag: »Wende dich gleich anfangs zur linken Hand, so wirst du eine Fünfe oder V finden, da steige in die Tiefe und gehe 12 Schritte fort, alsdann krieche zur rechten Hand hinein, so wirst du hinunterfahren in die Tiefe und wirst daselbst einen Stein antreffen, daran zwei Finger stehen; es ist auch ein Wässerlein daselbst, da krieche auf dem Wässerlein fort, kannst du aber nicht fort kommen, so steige den Stein hinauf und gehe gleich auf die linke Hand, da wirst du in einen schmalen Gang kommen, gehe fort, und du wirst graue Felsen antreffen, oben an denselben wird eine 5 stehen, daselbst wirst du gleich ein Loch vor dir sehen, da steig hinab und wenn du hinein bist, so krieche gleich zur linken Hand auf dem Bauche hinein über ein paar Häuser lang, gefällt dir der Gang nicht und stoßen die Mauern zusammen, so lehne dich mit dem Rücken daran und die 5 wird aufwärts weisen; dann gehe gleich fort und du wirst noch in einen schmalen Gang kommen und wird gleich am Ende daselbst ein Loch hinein gehen mit Steinen verworfen, da räume auf und wenn du solches gethan hast, so krieche hinein von ohngefähr 3 Klaftern, da steht ein Bergmann, der mit der Bicke unter sich weist, gehe dann fort ungefähr 5 Klafter, da begegnen dir 2 Bergmänner mit Grubenlichtern; | ||
| + | |||
| + | Fußnoten | ||
| + | 1 Nach der typographischen Einrichtung wohl aus dem Ende des 17., vielleicht auch aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts. | ||
| + | 2 Vergleiche Harzsagen S. 71. | ||
| + | |||
| + | ===== E. Der wilde Jäger und die Frau Holle ===== | ||
| + | |||
| + | Die Sagen vom wilden Jäger aus dem Sagengebiete, | ||
| + | |||
| + | Bei der großen Wichtigkeit der Sagen aus der Grafschaft Stolberg ist es interessant, | ||
| + | |||
| + | In Petersdorf in der Grafschaft Stolberg erzählt man: Christus kam mit dem Kreuze vor eines Juden Thür, dort zu rasten. Der aber ließ ihn dort nicht ruhen, da sprach Christus, der seiner Kreuzigung entgegen ging: »Ich will ruhen und Du sollst wandern!« Von der Zeit an ziehen umher der ewige Jude , der ewige Fuhrmann und der ewige Jäger. Der ewige Fuhrmann zeigt sich in der preußischen Grafschaft unweit Hochstädt und ruft: »Har! Har!« wie Fuhrleute thun. Gastliche Aufnahme der Götter bei ihrem Umzuge über die Erde wurde von diesen belohnt, ungastliche bestraft. Dieser Gedanke hat sich demnach vielleicht auch an Christi Kreuzesgang angeheftet. Zugleich zeigt die vorliegende Sage, wie nicht allein die Sagen vom ewigen Jäger vielleicht, sondern auch vom ewigen Juden und ewigen Fuhrmann zusammenhängen mit Mythen vom Wandern und Fahren der Götter über die Erde. | ||
| + | |||
| + | Der wilde Jäger erscheint in Stolberg mit zwei Hunden, reitend auf einem kleinen Pferde ohne Kopf. Durch das Grumschlacht (? Grubenschlacken? | ||
| + | |||
| + | Auch im Walde, welcher der Jenteich heißt und wo sich in katholischen Zeiten ein Fischteich befand, hauste er. Er erschien dort einer Frau. | ||
| + | |||
| + | Ein halbes Stündchen von Stolberg, links an der Allee nach dem Eichenforst, | ||
| + | |||
| + | Der wilde Jäger kam in der Grafschaft Stolberg von Rodishageu her und zog wie ein Hund über den herrschaftlichen Teich nach Rottleberode zu, über' | ||
| + | |||
| + | Andere sagen: Der wilde Jäger kommt von der Aue her und zieht über Rodishagen fort nach dem Eichenforst, | ||
| + | |||
| + | Der wilde Jäger hat 6 Hündchen (andere sagen 8-12 Teckelhündchen) bei sich, die haben Schellchen an. Mit ihnen zeigt er sich z.B. am Bäckersberge. Er ist grün gekleidet und trägt den Kopf unter' | ||
| + | |||
| + | Köhler bei Wida, was bei Braunlage (vergl. S. 152-155) und Lauterberg (vergl. Harzsagen S. 197 bis 199, 295) liegt, hatten ein Reh und sprachen, ob's wohl einen wilden Jäger gebe. Da trat ein Jäger herein und entstand vor der Köthe ein furchtbares Hundegebell und Jagen. Plötzlich wird die Köthe aufgerissen, | ||
| + | |||
| + | Ueber die Himmelpforte in der Grafschaft Wernigerode (vergl. S. 81-92) kam der wilde Jäger nach Veckenstedt zu und warf auf einer Wiese die Pferdelende herunter. | ||
| + | |||
| + | Die Geschichte von der Pferdelende und dem wilden Jäger soll auch vor Drübeck geschehen sein. | ||
| + | |||
| + | Vom Oberharze ist diese Sage bereits mitgetheilt Harzsagen S. 125 und nochmals S. 125; vergl. daselbst S. 12 und S. 268. Schwartz hat sie auf Blitz und Donner bezogen (vergl. W. Müller' | ||
| + | |||
| + | Im Bodethale hörte ich Folgendes vom wilden Jäger: Er erscheint im Sommer, Mittags zwischen 11-12, und ruft Ohät; die Holzhacker halten dann in der Arbeit an. | ||
| + | |||
| + | Der wilde Jäger (sagt man zu Altenbrak im Bodethale), zeigte sich am Meisten im kleinen Mühlthale bei Altenbrak und zwar Aschermittwoch. | ||
| + | |||
| + | Auf dem Rübelande im Bodethale jagte der wilde Jäger auch. Er trieb Frauen aus dem Holze (vergl. Harzsagen S. 124) und warf Lenden herunter. | ||
| + | |||
| + | Verschiedene Sagen zeigen Zusammenhang des wilden Jägers mit dem Wasser (vergl. auch oben die Sage von Hätschels Wiese). Im Wasser zu Elbingerode jagt er alle 7 Jahr (wo er dann auch nach der Susenburg kommt), mit dem Kopf unter dem Arm, herauf und herunter. Sein Hund klafft. | ||
| + | |||
| + | Auch wird in Elbingerode erzählt: Der wilde Jäger zieht durch die Luft und verschwindet mit Hundegeklaff im Teichloche. Man sagt, daß die Kinder aus diesem Teichloche gezogen würden. Er patscht auch von der Mühle aus in Elbingerode. | ||
| + | |||
| + | Der wildee Jäger trank aus dem Jägerborn am Brücknerstieg. (Dies, wie auch daß am alten Stolberg, vergl. die Abhandlung über den Hirsch, der wilde Jäger zieht, zeigt den Zusammenhang der Sagen vom Hirsch aus Venedig mit dem wilden Jäger). Die dies erzählen, setzen hinzu: Der wilde Jäger fliegt in der Luft und hat einen Hund bei sich, der bellt immer. | ||
| + | |||
| + | Einst fragte der wilde Jäger irgendwo im Vorüberziehen: | ||
| + | |||
| + | Auf dem Berge um Goslar geht Nachts ein feuriger Mann und zeigt sich auch aus den Gebüschen. Der Aussage der Leute nach bezöge sich dies auf den wilden Jäger. | ||
| + | |||
| + | Der wilde Jäger träumte auch: ein Steinadler würde ihn nachher verzehren. Er wurde auch wirklich in den »Steinadler« zu Wülperode gebracht. | ||
| + | |||
| + | In Wülperode, in einem Zimmer des alten Amtes, liegt jede Nacht der Hund des wilden Jägers und schüttelt sich. Als Nachtrag zu der Sage vom Hackelberg, welche Harzsagen S. 10-12 mitgetheilt und S. 245-248 besprochen ist, stehe hier noch folgende Sage aus der Gegend des Hackels, welche Caspar Abel hat in seiner »Sammlung etlicher noch nicht gedruckten alten Chroniken« (1732) S. 86: »Eyn Grave to Eghelen de reyt jagen an den Hart na Wiltwarcke, unde reyth uth in des Düvels Namen, unde sprack, he wolde Wild vanghen, dat scholde ome noch Got effte de Duvel weren, do he an den Hart kam, do bejegende öme eyn swart wilt Swin, darvor vorferde sick sin Perd, dat se allbeyde stortten, unde bleven allbeyde dot, he unde sin Pert.« | ||
| + | |||
| + | Wir kommen zur Frau Holle, mit Bezug auf welche es schon von Wichtigkeit ist, zu wissen, wo sie überhaupt vorkommt. Zu Buchholz in der Grafschaft Stolberg sagt man: »Frau Wulle kommt.« Auch in Rodishayn in der Grafschaft Stolberg ist Frau Wulle bekannt. Eben so in Sorge. In Stolberg sagt man: Die Wulle. In Elbingerode sagt man: Fru Rolle. Fru Holle kommt in Elend zu Neujahr. | ||
| + | |||
| + | Siehe auch in meinem Schriftchen: | ||
| + | |||
| + | Sagen von Kinderbrunnen stehen in den vorliegenden unterharzischen Sagen unter Nr. 9, 10, 78, 242-245, 357, 358, 374. Vergl. auch J.W. Wolf, hessische Sagen, S. 133, 210 und 211. F. Frû Frêen, Frû Frîen, Frû Frêtchen. | ||
| + | |||
| + | Bei Kuhn und Schwarz, Nordd. Sagen, Märchen und Gebräuche, werden in dem Gebrauch Nr. 180 S. 114, (vergl. auch die zugehörige Anmerk. S. 518) die Namen Frêen, Frîen, Frêke genannt. Mir wurde zunächst (in Ilsenburg) folgender Reim mitgetheilt: | ||
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| + | Frû Frîen\\ | ||
| + | wolle gêren frîen\\ | ||
| + | un konne keinen krîen,\\ | ||
| + | da feng se an de schrîen.\ | ||
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| + | Auch ward in Ilsenburg erzählt: | ||
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| + | Fru Frîen wollte immer freien in Hölzern, verbarg sich Nachts vor Regen und Schnee in Höhlen; sie ging gleich über Berg und Thal, war nicht schön und konnte Niemand bekommen, sie reiste die ganze Welt nach einem Freier aus. Hatte sie jemand, dann war er wieder fort und sie schrie furchtbar. Besonders zeigt sie sich bei Bäumlers Klippe vor Ilsenburg. Sie ging vor Sonnenaufgang aus, tödtete einen Köhlerjungen, | ||
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| + | Andere erzählen ohne einen Namen zu nennen, unter der Bäumlers Klippe her komme eine Frau im weißen Hemde und in einer weißen Mütze und verschwinde in Kalbogens Garten. Ein Mann aus Ilsenburg ging Morgens im März ins Holz, früher als er gewußt hatte, daß es an der Zeit sei. Da begegnete ihm eine Frau in einer Haube und langen weißem Gewande. Er fragte, wohin sie wolle, und sie sagte: »Von hier nach der Haidewisburg, | ||
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| + | Anfang Juli 1855 wurde die Frû Frîen wieder von einem Burschen gesehen. | ||
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| + | In Langeln sagt man Faßlabend: Jungens spinnt jue Dieße af, Süß kummet de Frûe Frêe Un kackt in de Heee. | ||
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| + | Einen sehr verwirrten Bericht hörte ich zu Veckenstedt, | ||
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| + | Auch Märchen von Frû Frêen sind vorhanden. Ich theile zunächst eine Variante aus Ilsenburg zu dem Märchen: Horle, Horle-Wip (Märchen für die Jugend, Nr. 20) mit: | ||
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| + | Ein armes Mädchen wollte sich vermiethen, ging deshalb näher und kam endlich auf ein königliches Schloß. Dort wurde sie gefragt, was sie denn könne. Sie sagt, sie könne Gold und Silber spinnen. Sie fragten: was sie zum Silber spinnen haben wolle, und sie sagte Roggenstroh. Sie hatte es aber nur aus Angst gesagt und konnte es nicht. Da klopfte es an die Thür und die Frû Frêe mit den groten Dume kam herein. Sie weinte und sagte, daß sie ihr Versprechen nicht erfüllen könne. Die Frû Frêe fragte: ob sie was zu leben hätte, und da aß sie Alles auf was da war, denn sie konnte sehr essen. Danach ging es immer hurr, hurr, hurr, und sie spann Alles auf. In der nächsten Nacht wollte sie wieder kommen. Das Mädchen sollte alles Essen aufheben und nun wollte sie das Gold spinnen. Auf dem Schlosse war große Freude. In der Nacht klopft es wieder und Frû Frêen kommt. Nun nimmt sie das Waizenstroh und spinnt das Gold. Sie ziehn sie ordentlich an und der Prinz heirathet sie. In der ersten Nacht aber nach ihrer Niederkunft kommt die Frû Frêen und sie muß das Kind hergeben. Deshalb wollte die Schwiegermutter den König aufhetzen, aber vergebens. Nachher bekam sie wieder einen Sohn. Da sagte die Frû Frêen, das Kind sollte sie behalten, und wenn sie rathen könne, wie sie hieße, so sollten sie ihr erstes Kind auch wieder haben. Damals stellte aber der König eine Jagd an und es fügte sich, daß er auch vor die Höhle kam, worin die Frû Frêen war. Da ging die Frû Frêen in der Höhle immer hin und her und sprach: | ||
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| + | Hüte will ik bruen,\\ | ||
| + | Morgen will ik backen,\\ | ||
| + | Öwwermorgen will ik en kleinen Königssohnen haben,\\ | ||
| + | Weil de jnnge Frue nicht weit,\\ | ||
| + | Dat ik Pumpernelle heiß.\\ | ||
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| + | Pumpernelle war nämlich ihr Vorname, Frû Frêen ihr Zuname. Der König erzählte dies zu Hause und als die Königin rathen mußte, sagte sie zuletzt den Namen Pumpernelle. Danach sagte sie auch, daß sie nun bald sterben müßte. Der König solle hinaus und das Kind holen, das Kind aber solle alle ihr Gold von ihr haben. Das Gold aber hatte sie in einem großen Kasten, und das Kind mußte mit goldnem Spielzeug spielen. Ihr Sarg stand auch schon da und der König mußte ihr Begräbniß besorgen. | ||
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| + | Auch wird Folgendes erzählt: Es war eine Frau, die wurde Frû Frêen genannt, und wohnte allein im Walde. Sie war eine Hexe und hatte eine Pflegetochter. Die Alte näherte sich mit Spinnen und spann am Tage 15 Löppe mit ihrem dicken Daume, und sagte immer: | ||
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| + | Hurre, hurre, hurr,\\ | ||
| + | All wedder 'n Lob vull.\\ | ||
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| + | Ihre Tochter sollte dies auch lernen. Sie schickte sie in's Holz, daß sie sich eine »Wäseke« (Wase) holte und versprach ihr einen rothen Apfel, wenn sie heimkehrte. Den gab sie ihr auch. Nun sagte sie: »Meine Tochter, komm, nun will ich Dir das Spinnen lehren.« Da setzten sie sich beide hin und das Kleine mußte immer sagen: | ||
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| + | Hurre, hurre, hurr,\\ | ||
| + | All wedder 'n Lob vull.\\ | ||
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| + | Die Alte hatte aber auch immer die Hand mit an dem Wocken, darum war es auch wirklich so, und war zu gleicher Zeit gehaspelt und gesponnen, und waren goldne Löppe. Das Mädchen wuchs nun und wurde groß, und es fand sich auch ein Freier dazu, der war ein Köhler, der ging zu der Alten in das kleine Haus im Walde. Die Junge bewog auch die Alte, daß sie ihre Einwilligung zu der Heirath gab, doch sagte sie: »so wie Du nicht spinnst, so habt Ihr kein Brod, denn Dein Mann wird faul werden und zuletzt nichts mehr thun wollen.« Sie sollte aber ihrem Manne nicht sagen, wie sie es machte. So hatten sie Hochzeit, lebten ganz glücklich und verdienten viel. Auch bekamen sie zuweilen Besuch von der Alten. Einst erfuhr der Mann von der Sache, da beschuldigte er seine Frau der Hexerei und wollte sie fortjagen, doch geschah dies nicht, und er hat nur von der Zeit an selbst gearbeitet. | ||
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