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text:tss1305

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-====== Das alte Lied von der Frau von Weißenburg ====== 
- 
-1.\\ 
-Was wollen wir aber singen, was?\\ 
-Wollen wir heben an ein Lied\\ 
-Von der Frauen zu Weißenburg,\\ 
-Wie sie ihren Herrn verrieth?\\ 
- 
-2.\\ 
-Sie ließ ein Brieflein schreiben\\ 
-Gar fern ins Thüringer Land,\\ 
-Zu ihrem Ludwig Buhlen,\\ 
-Daß er käme zur Hand.\\ 
- 
-3.\\ 
-Er sprach zu seinem Knechte:\\ 
-Sattel Du mir mein Pferd,\\ 
-Wir wollen gen der Weißenburg reiten,\\ 
-Es ist wohl reitenswerth.\\ 
- 
-4.\\ 
-Gott grüß Frau Adelheit schöne!\\ 
-Wünsch Euch ein'n guten Tag!\\ 
-Wo ist Euer edler Herre,\\ 
-Mit dem ich kämpfen mag?\\ 
- 
-5.\\ 
-Die Frau läugnet ihren Herren\\ 
-Im Schein falschen Gemüths,\\ 
-Er reit't nächten spate\\ 
-Mit Hunden auf die Jagd.\\ 
- 
-6.\\ 
-Do Ludwig unter die Linden kam,\\ 
-Wohl unter die Linden so grüne,\\ 
-Do kam der Herr von der Weißenburg\\ 
-Mit seinen Winden so kühne.\\ 
- 
-7.\\ 
-Willkommen Herr von der Weißenburg.\\ 
-Gott geb' Euch guten Muth!\\ 
-Ihr sollt nicht länger leben,\\ 
-Denn heut diesen halben Tag.\\ 
- 
-8.\\ 
-Soll ich nicht länger leben,\\ 
-Als heut diesen halben Tag,\\ 
-So klag ich's Christ vom Himmel,\\ 
-Der alle Ding' wenden mag.\\ 
- 
-9.\\ 
-Sie kamen hart zusammen,\\ 
-Mit Worten, Zorn so groß,\\ 
-Daß einer zu dem Andern\\ 
-Sein Armbrost abschoß.\\ 
- 
-10.\\ 
-Er sprach zu seinem Knechte:\\ 
-Nu spann Dein Armbrost ein!\\ 
-Und scheuß den Herrn zur Weißenburg\\ 
-Zur linken Seiten h'nein.\\ 
- 
-11.\\ 
-Warum sollt ich ihn schießen\\ 
-Und morden uff dem Plan?\\ 
-Hat er mir doch sein Lebenlang\\ 
-Noch nie kein Leid gethan!\\ 
- 
-12.\\ 
-Do nahm Ludwig sein'n Jägerspieß\\ 
-Selber in seine Hand;\\ 
-Durchrannt den Pfalzgraf Friedrich\\ 
-Unter der Linden zu todt.\\ 
- 
-13.\\ 
-Er sprach zu seinem Knechte:\\ 
-Reit mit zur Weißenburg,\\ 
-Da seind wir wohl gehalten\\ 
-Nach unserm Herz und Muth.\\ 
- 
-14.\\ 
-Do er nun geg'n der Weißenburg kam\\ 
-Wohl unter das hohe Haus,\\ 
-Do sahe die falsche Fraue\\ 
-Mit Freuden zum Fenster aus.\\ 
- 
-15.\\ 
-Gott grüß Euch edle Fraue!\\ 
-Und bescher Euch Glück und Heil:\\ 
-Euer Will ist ergangen,\\ 
-Todt habt Ihr Euern Gemahl!\\ 
- 
-16.\\ 
-Ist mein Will ergangen,\\ 
-Mein edler Herre todt,\\ 
-So will ichs nicht eher glauben,\\ 
-Ich seh denn sein Blut so roth.\\ 
- 
-17.\\ 
-Er zog aus seiner Scheiden\\ 
-Ein Schwert, vom Blut so roth:\\ 
-Siehe do Du edle Fraue\\ 
-Ein Zeichen Deines Herren Tod!\\ 
- 
-18.\\ 
-Sie rang ihre weißen Hände,\\ 
-Rauft aus ihr gelbes Haar,\\ 
-Hilf reicher Christ vom Himmel!\\ 
-Was hab ich nun gethan!\\ 
- 
-19.\\ 
-Sie zog von ihrem Finger\\ 
-Ein Ringlein, von Golde so roth,\\ 
-Siehe do du Ludwig Buhle,\\ 
-Meiner dabei gedenk!\\ 
- 
-20.\\ 
-Was soll mir doch das Fingerlein,\\ 
-Das unrecht gewonnen Gold?\\ 
-Wann ich daran gedenke,\\ 
-Mein Herz wird nimmer froh!\\ 
- 
-21.\\ 
-Deß erschrak die Frau von der Weißenburg,\\ 
-Fasset ein traurigen Muth.\\ 
-Verlaß mich holder Fürste nicht,\\ 
-Mein edler Herr ist todt!\\ 
- 
-//Quellen:// 
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung, Band I S. 171-175//  
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-{{tag>sagen bechstein tss thüringen ludwigderspringer untreu brief list mord ring}} 
text/tss1305.1704361660.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)