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 Kaum daß noch moosüberwachsene, sparsame Mauerreste die Stätte zeigen, wo die stattliche Burg einst stand, die weit ins Land schaute, weit vom Lande zu schauen war. Von Schätzen, in deinen Tiefen verwahrt, gehen manche Sagen und die Habsucht durchwühlte auch deine Fundamente, aber die Geister, welche die Schätze der Burg bewachen, gaben bis jetzt ihren Hort noch nicht frei. Dich baute, auf dir wohnte der erste Thüringische Landgraf, doch wie du dich früh erhoben, erlebtest du frühen Fall. Von deiner mütterlichen Erde sandtest du nach dem hohen Wartberg, darauf hob sich stolz und kühn die berühmte Tochterveste, die noch immer steht und die noch lange bestehen möge, des Landes Schmuck und Zier. Still spiegelt sich des Abends Goldgewölk in den silberklaren Weihern von Reinhardsbrunn, die Blumen nicken träumend ein, die Vögel schlummern, leise rauscht der Wald, die Kaskade braußt, die Nacht bricht allmählig ein. Wo springt nun der Brunnen, in dessen Nähe einst die wunderbaren Flämmchen erschienen, welche die Gründung eines Klosters in diesen Thalgründen veranlaßten? Wo wohnte Reinhard, der arme Töpfer, der dem Kloster seinen Namen gab? Hier steht mir niemand Rede. Alles schläft. Komm du wundersame Pilgerin, vaterländische Sage, komm du zu mir an den lindenumrauschten einsamen Mönchstisch und flüstere mir von Reinhardsbrunn die alten verklungenen Geschichten zu. Niemand möge und wird zürnen, wenn das ihr Abgelauschte mehr der Geschichte selbst, als der eigentlichen Volkssage angehört, es gehört zum Ganzen. Kaum daß noch moosüberwachsene, sparsame Mauerreste die Stätte zeigen, wo die stattliche Burg einst stand, die weit ins Land schaute, weit vom Lande zu schauen war. Von Schätzen, in deinen Tiefen verwahrt, gehen manche Sagen und die Habsucht durchwühlte auch deine Fundamente, aber die Geister, welche die Schätze der Burg bewachen, gaben bis jetzt ihren Hort noch nicht frei. Dich baute, auf dir wohnte der erste Thüringische Landgraf, doch wie du dich früh erhoben, erlebtest du frühen Fall. Von deiner mütterlichen Erde sandtest du nach dem hohen Wartberg, darauf hob sich stolz und kühn die berühmte Tochterveste, die noch immer steht und die noch lange bestehen möge, des Landes Schmuck und Zier. Still spiegelt sich des Abends Goldgewölk in den silberklaren Weihern von Reinhardsbrunn, die Blumen nicken träumend ein, die Vögel schlummern, leise rauscht der Wald, die Kaskade braußt, die Nacht bricht allmählig ein. Wo springt nun der Brunnen, in dessen Nähe einst die wunderbaren Flämmchen erschienen, welche die Gründung eines Klosters in diesen Thalgründen veranlaßten? Wo wohnte Reinhard, der arme Töpfer, der dem Kloster seinen Namen gab? Hier steht mir niemand Rede. Alles schläft. Komm du wundersame Pilgerin, vaterländische Sage, komm du zu mir an den lindenumrauschten einsamen Mönchstisch und flüstere mir von Reinhardsbrunn die alten verklungenen Geschichten zu. Niemand möge und wird zürnen, wenn das ihr Abgelauschte mehr der Geschichte selbst, als der eigentlichen Volkssage angehört, es gehört zum Ganzen.
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 +//Quelle: [[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]] - [[buch:tss|Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes]], Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung//
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 +{{tag>vorwort bechstein tss}}
text/tss1300.1715700325.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)