Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


text:sat128

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

text:sat128 [2024/01/24 15:38] – angelegt ewuschtext:sat128 [2024/02/22 22:00] (aktuell) – gelöscht ewusch
Zeile 1: Zeile 1:
-[[sagen:sat127|<<< zurück]] |  
-**[[capitel:sat-b|Sagen aus Thüringen - Orts- und Volkssagen]]** |  
-[[sagen:sat129|weiter >>>]] 
  
-====== Vom treuen Eckart ====== 
- 
-Vom treuen Eckart, der am Eingange in den Hörselberg sizt, und wie andere alte Sagen melden „alle Leute warnt, sie sollten nicht in den Berg gehen," sagt das Gedicht: 
- 
-„Wenn du nu kommen bist hinein,\\ 
-Vnd meinst du seyst da gar allein.\\ 
-Bald siehestu zu der linken stan,\\ 
-Ein grossen grawen alten Man.\\ 
-Den man den trewen Eckhard nent,\\ 
-An seiner kleidung Ihn man kent.\\ 
-Der ist Alt frenckisch vnbekandt,\\ 
-Ein Scepter tregt Er in der handt.\\ 
-Der dir bald winckt, dich vnterricht,\\ 
-Was für gefahr vnd grausam geschicht\\ 
-Dir kommen werden vntter augen,\\ 
-Drumb magstu sehen vnd wol zu schawen.\\ 
-Damit du volgest seiner lehr,\\ 
-Vnd hierdurch meidest gros gefahr.\\ 
-Man helts dafür, das dieser Alt,\\ 
-Ein Engel in menschen gestalt.\\ 
-Von Got hieher geordnet sey,\\ 
-Damit er warn, wer kompt herbey.\\ 
-Wen man nu ist berichtet wol,\\ 
-Wie man sich fort verhalten soll.\\ 
-So danck mit vleis dem alten Mann,\\ 
-Vnd mach dich fertig zu der Bahn.\\ 
-Da wirstu sehen also baldt,\\ 
-Inn Berg hinein als wers ein waldt.\\ 
-Von hundert meilen lang und breit,\\ 
-So mechtig gros scheint Er und weit.\\ 
-Vnmöglich ists sich zu vnterstehen,\\ 
-In diesem berg das End zu sehen.\\ 
-So kan man gar nicht wissen auch,\\ 
-Des Berges höhe vor Nebel und rauch.\\ 
-Die teglich drinnen stehn vnd schweben,\\ 
-Nur nimb dein wahr vnd merk es eben.\\ 
-Da kömpt dir erstlich vor die handt,\\ 
-Ein starker hundt ohn Eisern bandt.\\ 
-Der ist sehr gros vnd vngehewer,\\ 
-Sein rachen brendt mit hellischen fewer.\\ 
-Der fert vnd springt, als wolt Er dich,\\ 
-Verschlingen in eim augenblick.\\ 
-An den soltu dich keeren nicht,\\ 
-Sondern strack volgen dem bericht.\\ 
-Des trewen Eckhardts vnd von stund,\\ 
-Dich wenden von dem besen hundt.“\\ 
- 
-Von einem Lautenissten, der im Hörselberge aufspielen musste, erzählt das Gedicht: 
- 
-„Es hat sich auch zur selben frist,\\ 
-Begeben das Ein lautenist.\\ 
-Des Orts nicht fern gar wol bekandt,\\ 
-Sey doch auf dismahl vngenant.\\ 
- 
-Mit seiner lautten rein vnd gut,\\ 
-Auff eine hochzeit wandern thut.\\ 
-Sein weg nimpt er nicht alzu weit,\\ 
-Vom berg faste zu abendts zeit.\\ 
- 
-Wie er nu aber von der nacht,\\ 
-Wird vberfallen, nicht betracht.\\ 
-Wieviel vnd gros gefehrlichkeit,\\ 
-Mit bring des orts gelegenheit.\\ 
- 
-Da kompt ein langer schwarzer Man,\\ 
-Zum lautenist, greifft Ihn an.\\ 
-Vnd führt Ihn durch das loch geschwind,\\ 
-Der lautenist erst sich besindt.\\ 
- 
-Vnd ist erstarret von angste viel,\\ 
-In dem er fürder gehen will.\\ 
-Sicht Er vor sich den Eckhart trew,\\ 
-Der winckt Ihm, sprach mein freundt herbey.\\ 
- 
-Dir wird hie in dem Berg fürwahr,\\ 
-Wo du nicht acht hast, viel gefahr.\\ 
-Zu handen kommen, scheu dich nicht,\\ 
-Vnd merk mit vleis mein vnterricht.\\ 
- 
-Voraus bind ich dir ein gar thewr,\\ 
-Vor diesem hunde vngehewr.\\ 
-Hüt dich mit vleis, kere dich nicht dran,\\ 
-Ob Er schrecklich dich falle ahn.\\ 
- 
-Sieh auch im wenigsten nicht zurück,\\ 
-Merk nur ernstlich auff alle stück.\\ 
-Wenn du Itzt fort wirst gehen nuh,\\ 
-So merch mit vleis vnd sich wol zu.\\ 
- 
-Damit du dich nicht kerest vmb,\\ 
-Las dich nicht irren viel gesumb.\\ 
-Im widerkehren thue desgleich,\\ 
-Sieh nicht zurück, vermeide streich.\\ 
- 
-Ob dir auch würde kommen für,\\ 
-Mancherley ding dort vnd hier.\\ 
-Vnd ob man dir würd geldt vnd Goldt,\\ 
-Fürtragen, bieten, du nicht sollt.\\ 
- 
-Im kleinsten dich bewegen lahn,\\ 
-Sey wol gewarnet, vnd las es stahn.\\ 
-Greiff Ja nicht zu, wartt deiner Laut,\\ 
-Sich dich nicht vmb, Ich merck dir grawt.\\ 
- 
-Darümb lass dir wol befohlen sein,\\ 
-Das dich bewege nicht der schein.\\ 
-Der lautenist wahr trawers voll,\\ 
-Kundt Es doch gar nicht Endern wol.\\ 
- 
-Es must allhie gewaget sein,\\ 
-Da halff weder das gros noch klein.\\ 
-Wie er nuhn bis am Sechsten tag,\\ 
-Im berg des lautenschlahens pflag.\\ 
- 
-Vnd nun gesehen, gehört die ding,\\ 
-Davon Ihms lachen gar verging.\\ 
-Da kömpt zuletzt ein zwerglein klein,\\ 
-Das zopf Ihn heimlich bei eim bein.\\ 
- 
-Vnd winct Ihm das er folgen soltt,\\ 
-Der arme man Eiltt sehr vndt woltt.\\ 
-Zugleich auch sehen mitt zurück,\\ 
-Damitt Ihm nicht an hals ein strick.\\ 
- 
-Geworffen würde, mitt gefahr,\\ 
-Den Ihm nachfolgt eine grosse schar.\\ 
-Die drawiten Ihm ohn vntterlass,\\ 
-Darüber er dan gar vergas.\\ 
- 
-Des Altten trewen Eckardts rath,\\ 
-Kam also baldt zu grossen schadt.\\ 
-Indem er auch sah hinder sich,\\ 
-Vor furcht vudt Angsten zitterlich.\\ 
- 
-Bleibt Ihm der hals zur seitten stahn,\\ 
-Und kondt forthin derselbe man.\\ 
-Bis an sein Endt nicht kehren vmb,\\ 
-Den hals, must Ihn so tragen krumb.\\ 
- 
-Er wendett sich wil gehen fortt,\\ 
-Bald sicht er für, siehett die pfortt.\\ 
-Er troch eylendts mitt furcht hinaus ,\\ 
-Vndt kam also vorlett hinaus.\\ 
- 
-Must auch den halss bis in den todt,\\ 
-So frumb tragen nicht ohne spott.\\ 
-Niemandts Ihn auch in seiner stadt,\\ 
-Fortan fröhlich gesehen hatt."\\ 
- 
-//Quellen:// 
-  * //[[autor:Witzschel|Dr. August Witzschel]]: [[buch:sat|Sagen aus Thüringen]]. Meersburg und Leipzig 1930// 
- 
----- 
-{{tag>sagen witzschel sat thüringen hörselberg treuereckart verse}} 
text/sat128.1706107088.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)