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| - | ====== Der Scharfrichter auf der Coblenzer Straße ====== | ||
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| - | Am 12. August 1752 spazierte ein rheinischer [[typ: | ||
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| - | Endlich sprach ein Dritter: „Fritz, was machst Du für dumme [[typ: | ||
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| - | Der Scharfrichter kannte nun doch wohl die Stimme dessen, der die Ansprache an ihn gehalten hatte. Das flößte ihm einiges Vertrauen ein, und ohnehin, was sollte er thun? Es waren sechs oder sieben handfeste Kerle, die ihn zu Boden geworfen hatten und umringten. Auch erinnerte er sich recht gut, daß er weit und breit keine Menschenseele außer diesen Burschen gesehen hatte, ehe sie ihn zu Boden warfen – wer sollte ihm also beistehen? | ||
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| - | Er ließ sich die Augen verbinden, und so wurde er fortgeschoben und fortgeschleppt. Es schien ihm aber, als kämen sie tief in einen Wald hinein, denn der Weg wurde etwas rauh, und man stolperte hin und wieder über eine Wurzel. | ||
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| - | Endlich traf man mit einer [[typ: | ||
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| - | Der Scharfrichter hörte, wie sie stille hielt, und gleich darauf wurde er hineingeschoben. | ||
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| - | Neben ihm nahmen mehrere Männer platz, der Scharfrichter bekam einige Rippenstöße und glaubte sogar zu fühlen, daß er mit Flintenkolben gestoßen würde. | ||
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| - | Die Fahrt dauerte sehr lange. Zuweilen wurde auf kurze Zeit angehalten, wobei mehrmals neue Pferde vorgespannt wurden. | ||
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| - | Öfters schlief der Scharfrichter vor Erschöpfung ein. Endlich aber wurde er aufgeweckt mit den Worten: „Gott sei Dank, da sind wir! Nun mach Dich auf die Beine, Fritz!“ | ||
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| - | Dem Scharfrichter wurde die Binde abgenommen. Er glaubte erst wieder aufzuleben, als er den grünen Rasen betrat und die Sonne zwischen den [[typ: | ||
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| - | Am Abende war er auf der Straße nach Coblenz niedergeworfen worden, und als die Nacht hereingebrochen war, mochte die Kutsche herangekommen sein. So war er also die ganze Nacht hindurch gefahren, und nun stand die Morgensonne am Himmel. | ||
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| - | Die Pferde wurden ausgespannt, | ||
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| - | Der Scharfrichter war am meisten zum Trinken genötigt worden, und zu ihm sprach endlich der Anführer der nächtlichen Fahrt, der ihm schon auf dem Wege nach Coblenz zugesprochen hatte: „Fritz, nun will ich Dir auch sagen, weshalb wir Dich hierher geschleppt haben. Du sollst einen Verbrecher vornehmen Standes, welcher nicht gut öffentlich [[typ: | ||
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| - | „Was?“ rief der Scharfrichter, | ||
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| - | „Keineswegs“, | ||
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| - | Dabei schenkte der Redner dem Scharfrichter von einem Getränke ein, das wie Feuer durch seine Adern rann. Der Scharfrichter trank den Krug noch zweimal leer, dann fuhr der Redner fort: „Es ist ein Galgenstrick, | ||
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| - | „Ich habe kein [[typ: | ||
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| - | „Siehe hier, für ein Schwert ist gesorgt ,“ antwortete der Anführer nun. | ||
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| - | Einer der Anwesenden sprang an den Wagen und holte ein Strohbündel von der Decke herunter. Er löste einige Stricke und ein Schwert in einer kostbaren Scheide kam zum Vorschein. | ||
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| - | Das Schwert wurde dem Scharfrichter gereicht, und dieser, ohne zu wissen was er that, zog es aus der Scheide. Es war ganz leicht und dabei so scharf geschliffen, | ||
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| - | „Siehe, | ||
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| - | Dabei zog der Mann eine [[typ: | ||
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| - | „Ja oder Nein will ich hören,“ rief der Verführer und zog den Hahn der Pistole auf. „Ja!“ sprach der Scharfrichter, | ||
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| - | In diesem Augenblicke hörte man Peitschen knallen. „Da sind sie,“ sagte der Eine der Anwesenden. Wirklich bog ein zweiter [[typ: | ||
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| - | Von dem Tritte dieses zweiten Wagens wurde zuerst ein schwerer Klotz abgelöst. Diesen stellte man mitten auf die Wiese und bedeckte ihn mit einem schwarzen [[typ: | ||
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| - | Nun wurde der Wagen von außen mit einem [[typ: | ||
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| - | „Thut Eure Schuldigkeit, | ||
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| - | Jetzt sprach der arme Sünder zu Fritz: „Nehmt diese [[typ:Uhr]] von mir zum Andenken. Ich hoffe nicht, daß Ihr mich fehlen werdet.“ | ||
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| - | Die Uhr war schwer von Golde. | ||
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| - | Nun zog der Scharfrichter seine [[typ: | ||
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| - | Alle Anwesenden, auch der Delinquent, thaten dasselbe. | ||
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| - | Der Scharfrichter zögerte noch einen Augenblick, aber schon rief es von allen Seiten: „Vorwärts! Wir haben Eile!“ | ||
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| - | Schon wieder waren die Mündungen der Pistolen und Büchsen auf Fritz gerichtet. | ||
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| - | Dieser untersuchte den Schlafrock nach einem Taschentuche. Er fand es und band dem armen Sünder die Hände damit auf dem Rücken zusammen. Hierauf ließ er ihn vor dem Blocke niederknieen. | ||
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| - | Er brauchte ihm nicht zu sagen, daß der Kopf auf den Block gelegt werden solle. Gleichsam als würde derselbe dem vornehmen jungen Herrn zu schwer, ließ dieser das Haupt von selbst auf den Klotz fallen. | ||
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| - | Der Scharfrichter zog jetzt wieder das Schwert aus der Scheide, prüfte nochmals die Schneide mit dem Finger und legte die stumpfe Seite der Klinge auf den Hals des Delinquenten, | ||
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| - | Da ertönte der Ruf: „Halt, keiner muckse sich!“ | ||
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| - | Der Scharfrichter stand wie versteinert und getraute sich nicht, das Schwert vom Halse des Delinquenten wegzuziehen. Es lag wohl eine Viertelstunde so, da schlüpfte endlich ein schwarzer schmächtiger Mann aus dem Wagen hervor, aus welchem früher der Delinquent herausgehoben war. Er winkte dem Scharfrichter, | ||
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| - | In dieser Schrift war von dem Markgrafen von Brandenburg-Onolzburg die Rede, gegen welchen sich ein gewisser Herr von …dorf vielfältig vergangen haben sollte. Dieser Missethäter – unser Delinquent – sollte verurteilt sein, den Kopf und die rechte Hand zu verlieren. Aus [[typ: | ||
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| - | Während der Vorlesung dieses Schriftstückes hatte der zu ewigem [[typ: | ||
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| - | Jetzt wurden dem [[typ: | ||
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| - | Der Scharfrichter legte diesmal den ganzen Weg in seinem Wagen zurück. Die Fahrt dauerte vier Stunden. Als er ausgestiegen und seinen Augen die Binde abgenommen war, hatte er nur noch wenige Minuten zu gehen. Jedoch war über den gräßlichen Vorfall der Tag hingegangen. In seinem Wohnorte lag alles in tiefem Schlafe, als er dort wieder einzog. Nur seine eigene Familie war durch die Sorge wegen seines Ausbleibens noch wach erhalten worden. | ||
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| - | Das Schwert, welches der Scharfrichter in seinem Wagen gefunden hatte, ist noch vorhanden. | ||
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